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Digitalisierung Das kann Deutschland in Sachen E-Health von Finnland lernen

Finnland ist mit seiner elektronischen Gesundheitsakte bei der Digitalisierung des Gesundheitssektors ein Vorreiter. Davon profitiert das Land jetzt.
25.10.2020 - 14:42 Uhr 1 Kommentar
In keinem anderen Land hat so ein großer Anteil der Bevölkerung die nationale Corona-App heruntergeladen. Auch sonst ist Finnland weltweit führend in Sachen Digitalisierung des Gesundheitssektors. Quelle: dpa
Weltrekord für Finnlands Corona-App

In keinem anderen Land hat so ein großer Anteil der Bevölkerung die nationale Corona-App heruntergeladen. Auch sonst ist Finnland weltweit führend in Sachen Digitalisierung des Gesundheitssektors.

(Foto: dpa)

Berlin Forschern zufolge sind die Finnen die glücklichsten Menschen der Welt. Experten erklären das auch mit dem Gesundheits- und Sozialwesen des Landes, das unter den OECD-Industriestaaten als führend gilt. Von den guten Ausgangsbedingungen profitieren die Finnen auch in der Corona-Pandemie. Das Land verzeichnete zuletzt 52 Corona-Fälle je 100.000 Einwohner – nur im Nachbarland Estland gibt es im europäischen Vergleich noch weniger Neuinfektionen.

Finnlands Sprung bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen hat auch dazu geführt, „dass Bayer, Pfizer, Roche, GE Healthcare und Novartis Millionen in Finnland investiert haben“, sagt Finnlands Minister für internationale Kooperation und Außenwirtschaft, Ville Skinnari. Der Sozialdemokrat begründete das damit, dass nach immer mehr finnischen Firmen nun auch internationale Unternehmen „das bei uns entstandene Ökosystem im E-Health-Sektor für ihre Forschung und Innovationen nutzen“.

Finnland setzte schon früh auf die Digitalisierung: Eine elektronische Gesundheitskarte, auf der Gesundheits- und Sozialdaten gespeichert werden, gibt es in dem skandinavischen Land schon seit dem Jahr 2010. Mit der sogenannten Technik namens „Kanta” werden nicht nur Patientendaten, Röntgenbilder, Untersuchungsergebnisse und Medikamenten-Verschreibungen zentral gespeichert. Sondern etwa auch Angaben bei Sozialbehörden.

Die Daten sind sowohl für die Ärzte als aber auch für die Patienten einsehbar, außerdem können sie – in anonymisierter Form – auch von Forschern oder Start-ups genutzt werden.

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    Laut Kooperationsminister Skinnari verschaffte der hohe Digitalisierungsgrad im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen den Finnen in der Coronakrise einen großen Vorteil: Patienten und Ärzte, Lernende und Lehrende konnten schnell auf Onlinebehandlungen und -kurse umstellen. Zudem kämen moderne bildgebende 3D-Verfahren und Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Das spare „Ärzten und Krankenschwestern viel Zeit und am Ende der Gesellschaft viel Geld“, sagt der Minister.

    „Musterbeispiel, um Daten für Innovationen zu nutzen“

    Finnland sei inzwischen Vorbild für europäische Datengesetzgebung, berichtet Päivi Sillanaukee überzeugt. Die Finnin ist Botschafterin für Gesundheit und Wohlergehen im Außenministerium und vertritt das Land seit drei Jahren bei der Weltgesundheitsorganisation WHO.

    Die seit über einem Jahrzehnt erfolgte digitale Datensammlung sei ein „Musterbeispiel, um Daten für Innovationen zu nutzen, und das mit sicherem Umgang privater Daten“, sagt Sillanaukee. Kein anderes Land habe zudem ein Gesetz, das auch Firmen, Universitäten, Nichtregierungsorganisationen und Start-ups Zugang zu den anonymisierten Sozial- und Gesundheitsdaten ermögliche.

    Unternehmen hätten nicht nur Zugang zu einer großen Menge an Daten, sondern könnten ihre Innovationen auch gleich in der Praxis testen, sagt Sillanaukee. Finnen seien sehr bereit, neue Sachen auszuprobieren.

    Und es nützt Finnlands traditionellem Sozialstaatsgedanken: Der Schlüssel zu Finnland ist, dass wir seit Jahrzehnten sehr viel in unser Bildungs- und Gesundheitssystem investiert haben, und in Sparrunden nie bei Forschung und der Förderung von Innovationen gekürzt haben“, sagt Minister Skinnari. Der Leitgedanke: Je digitalisierter das Land, desto höher die Produktivität.

    Dadurch sei auch die Technikaffinität im Land, das den einstmals größten Handykonzern Nokia hervorgebracht hat, hoch: So hält Finnland den Weltrekord beim Herunterladen der nationalen Corona-App: Fast 2,5 der 5,5 Millionen Finnen nutzen Koronavilkku.

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    1 Kommentar zu "Digitalisierung: Das kann Deutschland in Sachen E-Health von Finnland lernen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das ulkige ist, dass dieser Artikel im Handelsblatt publik wird gerade als einer der grössten Datenleaks im Gesundheitswesen der finnischen Geschichte passiert. Tausende von persönlichen Akten wurden von einem psychologischem Behandlungszentrum gestohlen, die Sicherheitsmechanismen waren einfach vernachlässigt worden. Und der Erpresser verlangt 40 Bitcoin (ca. 440.000 EUR) oder es werden täglich 100 Patientenakten publik gemacht. Das geht jetzt schon so ein paar (4-5) Tage. Jeden Tag gibt es somit neue Opfer. Auch wurden die Patienten persönlich erpresst, allerdings mit überraschend kleinen Beträgen (im Bereich hunderte von EUR). Die Polizei ist dem Erpresser auf den Fersen, auch ist die private Wirtschaft mit den besten Tools und Köpfen (e.g. F-Secure, und weitere Cyber Crime Abwehrspezialisten) daran beteiligt.

      Trotz, dass man hier nun mit dem Finger zeigen könnte, denke ich, dass die Unternehmen und öffentlichen Dienstleister im Gesundheitswesen von diesem Vorfall einiges lernen werden und in die Datensicherheit ordentlich investiert wird. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Die Aussage des Artikels ist trotzdem weiterhin gültig, die Effizienz und Qualität im Gesundheitswesen, die eine vernetzte Datenwelt mit entsprechneden Vorkehrungen ergibt, ist im Gesamtwert für die Gesellschaft immer noch grösser als dieser Vorfall eines Behandlungszentrums.

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