Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Xi Jingping und Kim Jong Un

Sein erstes Gipfeltreffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping hat Kim gerade hinter sich gebracht, da zurren seine Vertreter den Termin für ein Gespräch mit Südkoreas Staatschef Moon Jae-in fest.

(Foto: AP)

Diplomatie Plötzlich ist Nordkoreas Diktator Kim weltweit einer der gefragtesten Gesprächspartner

Nord- und Südkorea wollen miteinander reden. Doch das ist nur die Vorbereitung für den Gipfel der Gipfel, ein Treffen zwischen Kim Jong-Un und Donald Trump.
Kommentieren

TokioNordkoreas Führer Kim Jong-Un ist nach Jahren der Isolation auf einmal diplomatisch einer der gefragtesten Gesprächspartner. Sein erstes Gipfeltreffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping hat er gerade hinter sich gebracht, da zurren seine Vertreter am Donnerstag den Termin für ein Gespräch mit Südkoreas Staatschef Moon Jae-in auf den 27. April fest.

Es gilt als das Vorbereitungstreffen für den Gipfel der Gipfel, das erste Treffen eines amtierenden US-Präsidenten mit einem nordkoreanischen Führer, also zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump. Von den Gesprächen wird abhängen, ob die diplomatische Offensive die Lage entspannen wird oder zurück in die Krise führt.

Für den Fall, dass es gut über die Bühne geht, hat Japans Regierungschef Shinzo Abe sicherheitshalber ebenfalls um ein Gespräch mit dem jungen Diktator gebeten. Zusätzlich machen Gerüchte die Runde, dass auch Russlands Staatschef Wladimir Putin sich gerne mit dem dritten Herrscher der nordkoreanischen Diktatorendynastie treffen will. Dem außenpolitisch bisher unbelecktem Kim steht damit ein wahrer Gipfelmarathon bevor.

Historischer Gipfel: Kim Jong Un trifft Moon Jae-In im April

Allein die Aufzählung möglicher Treffen zeigt, dass unerwartet viel Bewegung in den brisanten Korea-Konflikt gekommen ist. Dabei schienen Nordkorea und die USA Ende vorigen Jahres noch auf eine Eskalation ihres Krieges der Worte und Beleidigungen zusteuern. Doch seit Kim Anfang des Jahres die Einladung von Südkoreas Präsident Moon zu den olympischen Winterspielen angenommen hat, hofft die Welt auf Dialog und Entspannung. Das Problem: Die Ungewissheit bleibt sehr hoch.

Es beginnt schon beim Treffen mit US-Präsident Donald Trump. Der Präsident hat zwar eingewilligt, Kim zu treffen. Aber viele Experten zweifeln noch, dass das Treffen wirklich zustande kommen wird. Der innerkoreanische Gipfel wird bei Trumps letztlicher Entscheidung für oder gegen ein Treffen daher ein extrem wichtiger Faktor sein.

Dies machte auch Südkoreas Vereinigungsminister am Donnerstag nach einem Treffen nord- und südkoreanischer Unterhändler deutlich, wenn auch mit einem unüberhörbar euphorischen Zungenschlag: „Der April-Gipfel wird ein neuer Beginn einer großartigen Reise sein, die koreanische Halbinsel zu entnuklearisieren, Frieden zu bringen und die innerkoreanischen Beziehungen zu entwickeln.“

Schon die minutiöse Vorbereitung des Gipfels demonstriert, dass Südkorea den bisherigen diplomatischen Schwung in ein Treffen zwischen Kim und Trump hinüberretten will. Am Donnerstag traf Chinas Staatsrat für außenpolitische Fragen, Yang Jiechi, in Seoul ein, um Moon und seine Unterhändler über die Gespräche zwischen Chinas Staatschef Xi und Kim zu informieren.

Unklar ist allerdings, wie die Absprachen mit den USA laufen. Schließlich hat Trump seinen Außenminister Rex Tillerson entlassen, und sein designierter Nachfolger Mike Pompeo, der ehemalige CIA-Chef, muss noch vom Senat bestätigt werden.

Besuch in China – Kim sucht Schulterschluss mit Xi

Auch die Wahl des Treffpunkts spiegelt wider, dass sowohl dem Norden wie dem Süden bewusst ist, dass sie im April im Guten oder Schlechten Geschichte schreiben werden. Für die ersten zwei innerkoreanischen Gipfel in den Jahren 2000 und 2007 reisten Südkoreas Präsidenten nach Nordkorea. Doch dieses Mal wollen sie sich im gemeinsamen Grenzort Panmunjom in der entmilitarisierten Zone treffen. Es wird sogar erwartet, dass Kim als erster nordkoreanischer Führer südkoreanischen Boden betritt.

Doch selbst wenn diese Hürde erfolgreich genommen wird, bleibt die Unsicherheit, mit welchen Zielen Nordkorea und die USA eigentlich in die Verhandlungen gehen werden. Die USA haben bisher im Einklang mit den Vereinten Nationen eine Entnuklearisierung Nordkoreas gefordert. Gleichzeitig verfolgen sie mit Sanktionen und der Androhung „militärischer Optionen“ eine Strategie des „maximalen Drucks“.

Nordkorea hat sich zwar bereit erklärt, über Wege zu einer Abschaffung von Atomwaffen zu sprechen. Aber erstens ist diese Bereitschaft ist nicht neu. Zweitens bleibt offen, ob der Norden sie weiterhin an die alten Bedingungen knüpft, die die USA bisher immer abgelehnt haben – grob gesagt einen Abzug der US-Truppen aus Südkorea.

Noch unklarer ist allerdings, was Trump eigentlich will. Sieht er den Gipfel als Anfang zu weiteren Verhandlungen? Ist er offen für einen Kuhhandel, zum Beispiel ein Einfrieren von Atombomben- und Langstreckenraketentests, die Japan und Südkorea weiterhin in Kims Schussweite ließe. Oder fordert er von Kim das Maximalziel ein, also eine volle atomare Entwaffnung?

Trump selbst nimmt wie so oft eine doppeldeutige Haltung ein. Einerseits machte er am Mittwoch der Welt in einem Tweet Hoffnung. Alle hätten seit Jahren gesagt, dass Friede und Entnuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel unmöglich seien, so Trump. „Nun gibt es eine gute Chance, dass Kim Jong Un tun wird, was richtig für sein Volk und die Menschheit ist. Erwartet unser Treffen!“

Andererseits hat er mit der Berufung von John Bolton die Sorge geweckt, dass der vermeintliche Friedensgipfel eher eine Abkürzung zum Krieg darstellen könnte. Immerhin hat Bolton seinem neuen Chef bereits öffentlich geraten, von Kim eine sofortige atomare Abrüstung zu fordern. Und wenn das nicht klappt, will er mit Waffengewalt verhindern, dass Nordkorea die USA direkt atomar bedrohen kann. In Meinungsartikeln forderte er wiederholt, Nordkorea anzugreifen und das Regime zu stürzen.

Die gute Nachricht ist, dass die Streitparteien bereit für Gespräche sind. Allerdings ist weiterhin dafür gesorgt, dass Kims Gesprächsmarathon Ostasien und auch die Welt weiterhin in Spannung halten wird.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Diplomatie - Plötzlich ist Nordkoreas Diktator Kim weltweit einer der gefragtesten Gesprächspartner

0 Kommentare zu "Diplomatie: Plötzlich ist Nordkoreas Diktator Kim weltweit einer der gefragtesten Gesprächspartner"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.