Diplomatische Spannungen Deutscher Botschafter in Ankara muss mehrfach zum Rapport

Der Deutsche Botschafter in Ankara ist laut Medienbericht in diesem Jahr bereits dreimal ins türkische Außenministerium zitiert worden. Unter anderem soll es um eine Handreichung für Lehrer gegangen sein – mit einer Erdogan-Karikatur.
Der deutsche Botschafter in der Türkei ist nach einem Medienbericht schon mehrmals ins Außenministerium in Ankara einbestellt worden. Quelle: dpa
Deutsche Botschaft in Ankara

Der deutsche Botschafter in der Türkei ist nach einem Medienbericht schon mehrmals ins Außenministerium in Ankara einbestellt worden.

(Foto: dpa)

BerlinDie diplomatischen Interventionen der türkischen Regierung gegen Publikationen in Deutschland haben offensichtlich ein größeres Ausmaß als bisher bekannt. Laut einem Bericht des Magazins „Spiegel“ wurde der deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, in diesem Jahr bereits dreimal ins türkische Außenministerium zitiert. In einem Fall gehe es dabei um eine Handreichung für Lehrer, in der vom „Völkermord“ an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges die Rede sei.

Erdmann sei wegen der Handreichung für den Unterricht in Sachsen-Anhalt am 19. Februar einbestellt worden, hieß es im „Spiegel“ laut Vorabbericht vom Samstag. In dem Papier sei auch eine Karikatur enthalten, die den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf Totenköpfen gehend zeige.

Eine weitere Einbestellung des Botschafters betraf die Teilnahme Erdmanns an dem umstrittenen Prozess gegen Journalisten der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“. Dabei geht es um die Veröffentlichung von Rechercheergebnissen, die auf eine direkte Unterstützung der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) mit Waffen und Ausrüstung von türkischer Seite aus hinweisen.

So lästert das Netz über die skurrile Kostümshow
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Das Bild ist keine Montage, sondern Realität: Vor der Haupttreppe im neuen türkischen Präsidentenpalast in Ankara stehen Recep Tayyip Erdogan und sein Gast, Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, schütteln sich die Hände und blicken ernst in die Kamera. Ein skurriles Bild, das auch Grünen-Chef Cem Özdemir amüsiert.

Quelle: @cem_oezdemir

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Mit Schild und Speer standen die Wächter Spalier auf der Haupttreppe des 500 Millionen Euro teuren neuen Amtssitzes in Ankara, den der türkische Staatspräsident erst im Oktober vergangenes Jahr bezogen hatte. In den sozialen Medien bleiben die Reaktionen nicht aus – wie in diesem Screenshot bei Twitter zu sehen ist.

Quelle: @CansuOezdemir

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Bei den Kostümen der Schauspieler handelt es sich um militärische Kostüme aus jenen 16 Reichen, die nach offizieller Darstellung als Vorfahren der heutigen Türken gesehen werden, darunter das Reich der Hunnen, der Seldschuken und natürlich das Osmanische Reich. Sie sind der Stolz der Türken. Montage entdeckt bei @EmmiBruddler

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Auf Twitter kursieren Bilder Erdogans mit Klonfiguren oder Foto-Montagen, die ihn mit Figuren wie dem Superhelden Hulk zeigen.

Quelle: @satrayni

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Die Reaktionen aus der Türkei kommen ziemlich humorvoll daher. Die türkische Internetseite „Zaytung“, die mit Berichten, die meist sehr übertrieben sind, amüsiert stellt den türkischen Staatschef gleich in mehreren Rollen dar: hier mal als Ritter...

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...hier mit den Fantasiewesen Pokémon und Pikachu...

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...hier schauen auch die Teletubbies im „Weißen Palast“ vorbei...

Im Fall der Armenier wehrt sich die türkische Regierung dagegen, die Massaker an christlichen Minderheiten im damaligen Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges als „Völkermord“ einzustufen. Auch die Bundesregierung verwendet diesen Begriff bislang nicht – anders als Bundespräsident Joachim Gauck oder Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Die Entscheidung über eine Bundestagsresolution zu dem Thema war vor einigen Wochen auf April verschoben worden.

Bereits bekannt war, dass Erdmann wegen eines Satire-Songs über Erdogan in der NDR-Sendung „extra 3“ einbestellt wurde. Das Lied setzt sich kritisch mit Verletzungen der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei sowie mit dem Vorgehen türkischer Sicherheitskräfte gegen Kurden im Südosten des Landes auseinander. Die Türkei verlangte eine Löschung des TV-Beitrags.

Einen Beitrag mit einem Schmähgedicht von Jan Böhmermann mit Bezug auf den Vorfall hat das ZDF in der Nacht zu Samstag in Böhmermanns Sendung „Neo Magazin Royale“ gestrichen. Wie vom Sender angekündigt, war das Schmähgedicht des Satirikers und Grimmepreisträgers über den türkischen Präsidenten nicht mehr zu sehen.

Wegen einer Programmänderung nach dem Tod von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher verschob sich die Sendung außerdem von Mitternacht auf 1.15 Uhr. In der ersten Ausstrahlung auf ZDFneo am Donnerstag las Böhmermann das Gedicht vor, wies aber selbst darauf hin, dass solche Schmähkritik in Deutschland nicht erlaubt sei. „Das kann bestraft werden.“ Die Verse enthalten zahlreiche Formulierungen, die unter die Gürtellinie zielen.

  • afp
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