Dominique Strauss-Kahn Ex-IWF-Chef kommt vorläufig frei

Dramatische Wende in New York: Wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers darf Strauss-Kahn den Hausarrest verlassen. Ob der Franzose für das Präsidentenamt in Frankreich kandidiert, ist offen.
Update: 01.07.2011 - 20:02 Uhr 17 Kommentare
Dominique Strauss-Kahn. Quelle: dpa

Dominique Strauss-Kahn.

(Foto: dpa)

New York Mit versteinertem Gesicht nimmt Dominique Strauss-Kahn am Freitag die gute Nachricht zur Kenntnis. „Sie kommen aus dem Arrest frei“, sagt Michael Obus, Richter am Bezirksgericht von New York in Manhattan.  Er bekomme die geleistete Millionenkaution wieder, aber sein Pass bleibe einbehalten. „Dies ist noch nicht vorbei“, mahnt Obus kurz bevor sich Strauss-Kahn umdreht und seiner Frau im Hintergrund zulächelt. Am 18. Juli muss der 62-Jährige wieder zu einer Anhörung erscheinen.

Damit nimmt eines der spektakulärsten Verfahren gegen einen Banker und Politiker der vergangenen Jahre eine dramatische Wendung. Vor sechs Wochen war Strauss-Kahn von Polizisten aus einem bereits startbereiten Flugzeug abgeführt worden. Eine Hotelangestellte hatte ihn zuvor wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt. Strauss-Kahn, der von „einvernehmlichem Sex“ mit der Frau spricht,  wurde daraufhin angeklagt. Er lebte seither in seinem Luxusappartement in Manhattan mit einer elektronischen Fußfessel und unter strenger Aufsicht. Der ehemalige französische Finanzminister verlor sein Amt als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) und es schien, als müsse  er seine Ambitionen auf die französische Präsidentschaft begraben. Doch zumindest letzteres könnte sich nun wieder ändern.

Der wichtigste Grund für die weitreichende Entscheidung des Gerichtes war das Eingeständnis des mutmaßlichen Opfers, die US-Behörden in der Vergangenheit belogen zu haben. Am Donnerstag hatte die 32-Jährige Immigrantin aus dem westafrikanischen Staat Guinea in einem Brief an die Staatsanwaltschaft eingeräumt, dass sie vor dem Antrag auf Asyl in den USA ein Tonband mit einer zumindest teilweise erfundenen Lebensgeschichte auswendig gelernt habe. So habe sie etwa gelogen, als sie gesagt habe, sie sei in ihrem Heimatland Opfer einer Vergewaltigung gewesen. Zudem habe sie unter anderem bei ihren Steuererklärungen falsche Angaben gemacht. Dazu gehöre, dass sie nur ein Kind habe und nicht wie behauptet zwei. Daraufhin beantragte die Staatsanwaltschaft eine Lockerung der Auflagen für Strauss-Kahn.

Für viele Beobachter ist dies der Anfang vom Ende des Prozesses gegen Strauss-Kahn. „Ich denke, früher oder später wird das Verfahren eingestellt. Der Staatsanwalt wird in den nächsten zwei Wochen einige schwere Entscheidungen treffen müssen“, sagte der renommierte Strafverteidiger Dwane Cates. Unabhängig davon, wem man in dem Verfahren glaube, sei die Glaubwürdigkeit der Klägerin irreparabel erschüttert.

Der leitende Staatsanwalt Cyrrus Vance  trat am Freitag nach der nur zehnminütigen Anhörung vor die Presse. „Wir mussten so handeln, schließlich hatten unsere Forderungen nach diesen Auflagen [nach dem Hausarrest, Anm. d Red.] auf der Einschätzung beruht, einen wirklich starken Fall in der Hand zu haben“. Damit sei der Fall aber noch nicht beendet. „Wir sind der Wahrheit verpflichtet und werden weiter ermitteln.“

Der Anwalt des vermeintlichen Opfers kündigte gestern an, seine Mandantin werde nun die Medien nutzen, um ihre Haltung klar zu machen. „Sie wird sich nicht mehr länger verstecken. Sie wird vor euch alle treten und erzählen, was Strauss-Kahn und die Staatsanwälte ihr angetan haben“, erklärte Kenneth Thompson vor laufenden Kameras.

Er warf der Staatsanwaltschaft vor, die Details aus dem Verfahren bewusst in die Presse gebracht zu haben, um die Glaubwürdigkeit der Frau zu unterminieren. Die „New York Times“ hatte bereits am Donnerstagabend auf ihrer Website sehr detailliert über die bevorstehende Entscheidung berichtet.

Thompson sprach sehr offen und deutlich über die seiner Meinung nach eindeutigen Beweise. „Es ist nicht zu verstehen, warum die Staatsanwaltschaft so reagiert. Sie haben die Bilder der verletzten Vagina meiner Mandantin und die zerrissenen Strümpfe.“ Die medizinischen Beweise würden Strauss-Kahn überführen.

Thompson räumte ein, dass seine Mandantin Fehler gemacht habe. „Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht Opfer einer Vergewaltigung ist.“ Er sagte nicht, ob seine Mandantin versuchen werde, eine Zivilklage gegen Strauss-Kahn anzustrengen, falls das strafrechtliche Verfahren abgewiesen würde. 

Die Verteidiger von Strauss-Kahn feierten ihren Erfolg. "Dies ist ein erster gigantischer Schritt, diesen Prozess in die richtige Richtung zu bewegen", sagte Benjamin Brafman den Journalisten. "Für Herrn Strauss-Kahn und seine Familie ist es etwas Besonderes, an diesem Wochenende vor dem Unabhängigkeitstag der USA ihre eigene Unabhängigkeit zu feiern." Wo Strauss-Kahn das tun werde, verriet er nicht. "Er darf das Land zwar nicht verlassen, aber innerhalb der USA kann er reisen wie er will." Brafmann kritisierte die Medien für die Berichterstattung über den Fall. "Es zeigt sich mal wieder, wie schnell man dabei ist, voreilige Schlüsse zu ziehen."

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17 Kommentare zu "Dominique Strauss-Kahn: Ex-IWF-Chef kommt vorläufig frei"

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  • Jeder der schon einmal in einem 5* Hotel gearbeitet hat, weiß, dass ein Zimmermädchen niemals in ein Zimmer geht das belegt ist und schon garnicht in ein Zimmer von einem Top VIP. Somit hat sie bekommen was Sie wollte. Dass Strauss-Kahn ein Depp ist und sich mit einem Zimmermädchen einläßt ist eine andere Sache. Aber Präsidenten tun dies in den USA ja auch.

  • Wer möchte nicht einem drallen Zimmermädchen en passant an die Bluse? Am nächsten Tag weiss es allerdings das ganze Hotel

  • Allerdings fragt man sich schon was Ihr Interesse an spermabefleckten Zimmdermädchenblusen zu evozieren vermögen könnte.

  • Vom Zimmermädchen zur Millionärin - ist das nicht der amerikanische Traum? Und dass die Dame Häftlinge um Rat gefragt hat ist verständlich, im Gefängnis kennen sich schliesslich nicht wenige mit der Thematik sehr gut aus. S.K's Anwälte haben nun mit ihren Nachforschungen dafür gesorgt, dass das sexuelle Einvernehmlichkeitsgeständnis etwas billiger werden wird und einem happy-end steht nichts mehr im Weg: S.K. kann sich mit einem blauen Auge in den verdienten Ruhestand verabschieden, seine Anwälte können sich je ein weiteres Ferienhaus kaufen und für das Zimmermädchen erfüllt sich der amerikanische Traum.

  • @leser
    handelsblatt.com entschied seinerzeit, die Öffentlichkeit über die Behauptung zu informieren, dass an der Bluse des Zimmermädchens Sperma von Monsieur haftet. Ihren moralisierenden Hinweis wegen "Nettiquette 2.0" richten Sie bitte an die Redaktion.

  • Versuch es doch erst einmal mir Groß- und Kleinschreibung.

  • Als ich ein Bild von Strauss-Kahn vor dem Haftrichter gesehen habe, da wirkte er deprimiert und schweigsam. So reagiert ein Schuldiger (der weiß was er getan hat). Ein Unschuldiger reagiert aufgebracht und zornig.

  • Zitat:"Sie soll kurz nach dem Vorfall mit einem Inhaftierten besprochen haben, wie man Geld aus dem Fall schlagen könne."

    Das war mein erster Gedanke, dass die Frau eine dicke Entschädigung verlangen könnte und danach wohl nicht mehr arbeiten muß.

    Aber das entlastet Strauss-Kahn auf der anderen Seite in keiner Weise.

    Die meisten Asylanten machen falsche Angaben und sind nicht politisch verfolgt, sondern Wirtschaftsflüchtlinge. Un nicht wenige "tricksen" bei der Steuererklärung.

    Als dies entlastet Strauss-Kahn in keiner Weise!

    Auch wenn sie was mit Drogen zu tun hatte, was ja in Großstädte wie New York auch nicht wenige machen.

    Auch das entlastet Strauss-Kahn in keiner Weise!

    Aber die Staranwälte+hunderte mächtiger Helfer in Wirtschaft und Presse werden Strauss-Kahn schon rausboxen
    (siehe O. J. Simpson).

    Wenn es freiwilliger Sex war, wieso hat Strauss-Kahn dann zuerst eine andere Aussage (er war zu dieser Zeit essen) und erst, als sich das anhand der Spuren nicht mehr beweisen lies, war es freiwilliger Sex.

    Wo bitte soll hier ein "Durchbruch" sein?

  • Heut mal wieder die Nettiquette 2.0 durchgelesen:

    Lesenswert und hilfreich.

    Ich kenne Herrn Strauß-Kahn nicht, deswegen vermag ich auch dem äußeren Anschein nach nicht über Spermien anderer zu urteilen.

  • Wer wie Monsieur Strauss-Kahn sein Sperma nicht unter Kontrolle hat, ist angreifbar und für größere Aufgaben ungeeignet.

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