Angela Merkel und Donald Trump

Auf dem G-7-Gipfel stand der Handelsstreit zwischen den USA und der EU ganz oben auf der Agenda.

(Foto: dpa)

Donald Trump „Die EU ist brutal zu den USA”

US-Präsident Donald Trump hat auf dem G7-Gipfel in Kanada seine Partner brüskiert. Jetzt bringt er sogar ein Aus der Handelsbeziehungen ins Spiel.
Update: 10.06.2018 - 03:48 Uhr 1 Kommentar

WashingtonEs ist sein wichtigster Augenblick des Tages im Mittelpunkt, und den will Donald Trump von nichts und niemandem unterbrechen lassen. Nicht einmal von seiner wartenden Air Force One.

„Sir!”, raunt ein Mitarbeiter dem US-Präsidenten zu, und probiert es noch einmal lauter: „Sir! Sie müssen jetzt in den Flieger steigen.” Doch Trump lässt sich nicht hetzen, erlaubt auf dem G7-Gipfel noch eine Journalistenfrage, und noch eine, und noch eine.

Unangreifbar, unantastbar wirkte der US-Präsident kurz vor seiner Abreise aus Charlevoix. Keine 24 Stunden hielt er sich auf dem Gipfel der sieben größten Industrienationen, plus Europäischer Kommission und Europäischem Rat, auf. Und kurz nach seiner Abreise kam es zu einem diplomatischen Eklat, als der US-Präsident plötzlich seine Zustimmung zu einer kurz zuvor vereinbarten Abschlusserklärung zurückzog.

Trump reiste am Freitag zunächst eine Stunde später als alle anderen an. Zur Begrüßung provozierte er mit dem Vorschlag, die Runde solle Russland wieder in ihren Kreis zurückholen, trotz Krim-Annexion. Und er verließ am Samstag das Treffen frühzeitig. Noch vor den Arbeitssitzungen zu Klimaschutz und Ozean-Vermüllung. Noch vor einem gemeinsamen Abschied, der ein Minimum an Zusammenhalt symbolisiert hätte.

Trump machte in Kanada klar: Er wollte das Forum der Weltenlenker nicht zum Reden, Verstehen oder Verhandeln nutzen, sondern allein zum Untermauern seiner Positionen. Der US-Präsident zeigte deutlich wie nie, dass er seine aggressive und protektionistische Handelspolitik nicht abschwächen will. In Charlevoix zerstreute Trump letzte Hoffnungen auf einen Kompromiss.

Trump droht mit „ultimativer Lösung”

Die Handelspartner der USA - darunter Deutschland, Frankreich, Kanada oder Mexiko - hätten „keine andere Wahl”, legte Trump im Handelsstreit nach. „Wenn sie das System nicht reparieren, müssen sie ohne uns klar kommen”, erklärte er. „Wenn sie sich nicht auf Veränderungen einlassen, werden wir keinen Handel mit ihnen treiben”.

Erneut beschrieb er, warum die USA aus seiner Sicht vom Rest der Welt schlecht behandelt würden. „Wir sind das Sparschwein, das alle ausrauben können”, so Trump wörtlich.

Seine Gesprächspartner hatte er am Freitag mit dem Vorschlag für ein anderes Extrem überrascht: man könnte Zölle und Handelsbarrieren doch gleich ganz abschaffen, warf er in den Raum. Die „ultimative Lösung” sei das, bekräftigte Trump am Samstag.

Radikale Handelsbarrieren, die am Ende in radikalem Freihandel münden sollen? Trump ließ offen, wie so eine Vision ausgerechnet durch maximalen, einseitigen Druck Realität werden soll. Die USA und die EU hatten schon einmal an einem TTIP-Freihandelsabkommen gearbeitet. Aber nachdem Trump die Wahl 2016 gewann, starb die Idee.

Stattdessen setzte er vergangene Woche Stahl- und Aluminiumzölle gegen Europa, Mexiko und Kanada in Kraft. Die europäischen Staats- und Regierungschefs reagierten aufgebracht, betrachten die Entscheidung als „illegal“ und haben Vergeltungszölle gegen US-Importe wie Whiskey, Jeans und Kosmetika in die Wege geleitet.

Vor allem die Exportnation Deutschland aber hat kein Interesse daran, die Lage komplett eskalieren zu lassen. Kanzlerin Angela Merkel signalisierte Bereitschaft für neue Gespräche und sagte in Kanada, man könne Trumps Idee eines barrierefreien Welthandels „als Ausgangspunkt für weitere Verhandlungen nehmen”.

Die EU und USA würden in den kommenden zwei Wochen einen „Dialog über den Handel” starten, hieß es aus Charlevoix - wie auch immer dieser aussehen mag.

Nächstes Ziel: Strafzölle auf Autos, auch aus Deutschland

Dass dieser Gipfel explosiv werden würde, hatte sich schon im Vorfeld abgezeichnet. In den 24 Stunden vor seiner Abreise in die Provinz Quebec attackierte Trump seinen Gastgeber Kanada sechs Mal über Twitter wegen „unfairer“ Handelspraktiken und stichelte gegen Frankreich und die EU.

Parallel veröffentlichte Trumps oberster Wirtschaftsberater Peter Navarro einen Meinungsartikel in der „New York Times”, der einer Anklageschrift gegen Deutschland gleichkam. Navarro ließ keinen Zweifel daran, dass sich die USA, wie bereits von Trump versprochen, als nächstes Ziel Auto-Importe vorknöpfen werden.

„Auch wenn deutsche Autohersteller in den USA Anlagen bauen, sind diese sogenannten Fabriken eher wie Montagewerke”, schrieb Navarro. „S.U.V.s in der BMW X-Serie, die in den Vereinigten Staaten montiert werden, enthalten tatsächlich nur 25 Prozent bis 35 Prozent amerikanisch gebauter Inhalte. Die hochwertigen Motoren und Getriebe werden in Deutschland und Österreich hergestellt.”

Die Botschafter der Länder der Europäischen Union veröffentlichten zum Gipfel einen „Offenen Brief zur Handelspolitik”. Allein, dass sich die Spitzendiplomaten für eine gemeinsame Kritik zusammenschließen, ist ein höchst ungewöhnlicher Schritt. Er verdeutlicht, wie verhärtet die transatlantischen Fronten inzwischen sind.

„Tatsache ist, dass beide Seiten vom Handel profitieren. Behauptungen des Gegenteils, einschließlich dessen, dass die USA die Verlierer dieser Beziehung seien, verdienen es, entlarvt zu werden”, schrieben die Botschafter in der „Washington Post”. „Die USA verdienen mehr Geld mit der EU als mit allen anderen Handelspartnern.”

Trump: Gute Beziehung „mit Angela und Emmanuel”

Oberflächlich wollte Trump in Kanada von schlechten Beziehungen nichts wissen. „Mit Angela, mit Emmanuel habe ich eine wunderbare Beziehung”, sagte er über Deutschland und Frankreich. Auf einer Skala von null bis zehn bewerte er das Verhältnis „ganz klar mit einer Zehn”.

Doch nur Sekunden später konterkarierte er seine eigenen Aussagen. „Die EU ist brutal zu den USA”, kritisierte er. „Und die Europäer wissen das. Sie lächeln mir ins Gesicht, wenn wir darüber sprechen. Sie können es selbst nicht glauben, dass sie so lange mit ihrem unfairen Verhalten davongekommen sind.” Harmonie und Wille zur Verständigung klingen anders.

IWF-Chefin Christine Lagarde ist nicht begeistert. Quelle: Reuters
G-7-Gipfel

IWF-Chefin Christine Lagarde ist nicht begeistert.

(Foto: Reuters)

Und auch die Bilder des Gipfels sprachen Bände: Das Foto einer angesäuert drein schauenden IWF-Chefin Christine Lagarde verbreitete sich am Samstag rasant. Trump war 17 Minuten zu spät in ein Meeting zur Geschlechtergerechtigkeit erschienen. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau musste seine Begrüßung ohne Trump beginnen und konnte sich eine Bemerkung über „Nachzügler” nicht verkneifen.

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1 Kommentar zu "Donald Trump: „Die EU ist brutal zu den USA”"

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  • Donald Trump ist offensichtlich eine arme Wurst. Sozialkompetenz ist ihm fremd. Sein Kurzzeitgedächtnis ist stark degeneriert. Er ist tief gefangen in einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.....Aber er ist der amerikanische Präsident. Man wird wohl weiter mit ihm sprechen müssen- zumindest so lange, bis das amerikanische Volk sich anders entscheidet und wieder jemanden an die Macht lässt, der halbwegs gesund ist.

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