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Donald Trump in Großbritannien Queen empfängt Trump – US-Präsident verspottet noch vor Landung Londons Bürgermeister

US-Präsident Trump ist in Großbritannien zu Gast. Auf Twitter lockt er mit einem „großen Handelsvertrag“ und attackiert den Londoner Bürgermeister – dieser antwortet prompt.
Update: 03.06.2019 - 21:48 Uhr Kommentieren

Trumps Großbritannien-Besuch sorgt für „Karneval des Widerstands“

London Die britische Königin Elizabeth II. hat US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania am Montag zum Auftakt eines dreitägigen Staatsbesuchs im Buckingham-Palast empfangen. Das Präsidentenpaar landete mit einem Hubschrauber auf dem Gelände des Palasts in London.

Thronfolger Prinz Charles und Herzogin Camilla kamen dem US-Präsidenten und seiner Frau im Garten entgegen und führten sie zur Veranda des Palasts, wo die Königin sie im mintfarbenen Kostüm in Empfang nahm. Melania trug ein weißes Kostüm mit Hut, Camilla hatte ebenfalls ein helles Outfit mit Hut gewählt. Begleitet wurde der Empfang von Salutschüssen.

Vor einem gemeinsamen Mittagessen wurden Donald und Melania Trump im Garten des Palasts mit militärischen Ehren empfangen. Für den Abend war ein Staatsbankett im Buckingham-Palast angesetzt. Auf dem Menü standen unter anderem Lamm mit Frühlingsgemüse, Heilbutt-Filet mit Spargelspitzen und Erdbeertörtchen.

Seine Gastgeber lobte Trump in höchsten Tönen: Die Queen und die gesamte Königsfamilie seien „fantastisch“, und die Verbindung zu Großbritannien sei sehr stark, teilte er via Twitter mit. Es gebe dort in riesiger Zahl Menschen, die die USA liebten. „Ich habe bis jetzt keine Proteste gesehen, aber ich bin sicher, dass die Fake News sich sehr bemühen werden, welche zu finden“, schrieb Trump weiter: „Viel Liebe überall.“

Zugleich stellte er Großbritannien ein bilaterales Handelsabkommen in Aussicht. „Ein großer Handelsvertrag ist möglich, wenn das Vereinigte Königreich seine Fesseln loswird“, twitterte das Staatsoberhaupt. „Wir haben bereits begonnen, darüber zu sprechen.“

Sein Werben für einen harten Brexit kann Trump an diesem Dienstag mit der politischen Prominenz besprechen. Ein Zweiertreffen des Präsidenten mit der britischen Premierministerin Theresa May ist allerdings nicht geplant.

Die beiden würden sich im Beisein ranghoher Mitarbeiter in Mays Amtssitz treffen und die Churchill War Rooms besichtigen, das unterirdische Hauptquartier von Premierminister Winston Churchill während des Zweiten Weltkriegs, teilte ihr Büro mit. Für Freitag ist Mays Rücktritt vom Vorsitz der Konservativen Partei geplant. In wenigen Wochen dürfte Großbritannien einen neuen Regierungschef haben.

Bereits vor seiner Landung hatte Trump für einen Eklat gesorgt: So verspottete er den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan als „Verlierer“. Khan, der nach allem, was man höre, furchtbar schlechte Arbeit als Bürgermeister von London geleistet habe, sei auf törichte Weise „gemein“ zu ihm gewesen, twitterte Trump am Montagmorgen. Dabei seien die USA der bei Weitem wichtigste Bündnispartner des Vereinigten Königreiches. „Er ist ein eiskalter Verlierer, der sich auf das Verbrechen in London konzentrieren sollte, nicht auf mich“, schrieb Trump weiter.

Khan erinnere ihn an „unseren sehr dummen und inkompetenten“ Bürgermeister von New York, Bill de Blasio – allerdings sei der Londoner Bürgermeister „nur halb so groß“, so der US-Präsident. Dabei schrieb Trump den Namen des britischen Labour-Politikers mit pakistanischen Wurzeln mit verdrehten Buchstaben als „Kahn“ statt „Khan“. Nichtsdestotrotz freue er sich auf seinen Besuch in Großbritannien, wo er gleich landen werde.

Khan und der US-Präsident haben sich schon häufiger öffentliche Scharmützel geliefert, unter anderem um den Umgang des Londoner Bürgermeisters mit Terrorismus sowie Trumps Arbeitsbesuch in Großbritannien im vergangenen Sommer. Am Sonntag hatte Khan nachgelegt und die Sprache des US-Präsidenten mit der von „Faschisten des 20. Jahrhunderts“ verglichen. Trump sei zunehmend eine „globale Bedrohung“, sagte der Londoner Bürgermeister.

Sadiq Khan antwortete auf die Attacken der US-Präsidenten mit einem Twitter-Video und gibt ihm Nachhilfe in Sachen Frauenrechte. „Ihre Werte und wofür Sie stehen sind das genaue Gegenteil der Werte Londons und der Werte in diesem Land“, sagte der Labour-Politiker in dem knapp zweiminütigen Video. Vielfalt sei eine Stärke, keine Schwäche. „Wir respektieren Frauen und denken, dass sie Männern ebenbürtig sind“, fuhr Khan fort. Trump hat sich in Großbritannien mit seinen frauenfeindlichen Äußerungen viel Kritik eingehandelt.

Auch der Demokrat de Blasio ist ein erklärter Trump-Kritiker. Der New Yorker Bürgermeister konterte ebenfalls mit einem eigenen Tweet, in dem er Trump den „Zwilling“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin nannte – „nur wird seine Präsidentschaft kürzer sein“. De Blasio ist einer von mehr als 20 Bewerbern, die für die Demokratische Partei 2020 gegen den Republikaner Trump in die Präsidentschaftswahl ziehen wollen.

Anders als ein normaler Arbeitsbesuch wird eine Staatsvisite mit dem ganzen Pomp des Königshauses zelebriert. Normalerweise wird die Militärparade auf dem Exerzierplatz Horse Guards Parade abgehalten, der Staatsgast reist per Kutsche mit der Queen aus dem Buckingham-Palast über die Prachtstraße „The Mall“ an. Doch für Trump wurde das gesamte Zeremoniell hinter die Mauern des Palasts verlegt.

Touristen vor dem Palast konnten keinen Blick auf den Präsidenten und die Queen erhaschen. Die meisten wussten ohnehin nichts von seinem Besuch und waren überrascht, als er mit dem Hubschrauber einflog.

Die Visite ist höchst umstritten. Es wird mit massiven Protesten gerechnet. Millionen Briten unterzeichneten eine Petition, um den Staatsbesuch zu verhindern. Vor Trump bekamen nur zwei US-Präsidenten eine Staatsvisite in Großbritannien: George W. Bush und Barack Obama.

Queen Elizabeth führt ihre Gäste durch den Buckingham-Palace. Quelle: Reuters
Rundgang

Queen Elizabeth führt ihre Gäste durch den Buckingham-Palace.

(Foto: Reuters)

Trumps Tochter Ivanka meldete sich kurz nach der Landung der US-Delegation zu Wort. Sie freue sich, dabei zu sein, twitterte sie. Ob noch weitere Trump-Kinder mitreisten, war zunächst unklar. Medien hatten berichtet, der US-Präsident wolle seine vier erwachsenen Kinder mitbringen.

Trump selbst hatte sich kurz vor seinem Besuch in aufsehenerregenden Interviews britischer Zeitungen in die Brexit-Debatte eingemischt. Er tat darin unter anderem seine Sympathie für den exzentrischen Brexit-Hardliner Boris Johnson als Mays Nachfolger kund und empfahl notfalls einen ungeregelten EU-Ausstieg. Damit verstieß er gegen grundlegende diplomatische Konventionen. Das sorgte für Irritationen.

Anders als ein normaler Arbeitsbesuch wird eine Staatsvisite mit dem ganzen Pomp des Königshauses zelebriert. Quelle: dpa
Queen's Guard

Anders als ein normaler Arbeitsbesuch wird eine Staatsvisite mit dem ganzen Pomp des Königshauses zelebriert.

(Foto: dpa)

Kurz vor seiner Abreise in Washington hatte Trump seine Äußerungen verteidigt und gesagt, er bekomme Fragen gestellt – und die beantworte er. Zugleich stellte Trump in Aussicht, es könne sein, dass er Johnson während seines Besuchs treffen werde. „Wir sind befreundet“, sagte Trump. „Wir haben eine sehr gute Beziehung.“

Trump lobte erneut auch den umstrittenen Chef der neuen Brexit-Partei und EU-Abgeordneten Nigel Farage. Auch mit Farage habe er eine sehr gute Beziehung, sagte Trump. Beide wollten ein Treffen. „Wir werden sehen, was passiert.“ Die neue Brexit-Partei wurde in Großbritannien aus dem Stand heraus stärkste Kraft bei der Europawahl.

Vor dem Buckingham-Palace demonstrieren zahlreiche Menschen gegen den Besuch des US-Präsidenten. Quelle: AFP
Proteste

Vor dem Buckingham-Palace demonstrieren zahlreiche Menschen gegen den Besuch des US-Präsidenten.

(Foto: AFP)

Der Staatsbesuch dürfte allerdings von Protesten überschattet werden. Schon bei seinem Arbeitsbesuch in England im vergangenen Jahr machten auf Londons Straßen zahlreiche Demonstranten gegen den umstrittenen Präsidenten mobil. Vor dem Parlament ließen Aktivisten einen Riesenballon aufsteigen, der Trump als Baby mit Windeln zeigte. Trump seinerseits sorgte damals auf der Insel für eine Kontroverse, als er kurz vor seiner Ankunft in Großbritannien May in einem Interview der Boulevardzeitung „The Sun“ für ihren Brexit-Kurs rügte.

Erstmals in seiner Präsidentschaft will Trump am Mittwoch nach Irland reisen. Den Zwischenstopp will er für ein Treffen mit Ministerpräsident Leo Varadkar und zum Golfspielen in seinem Klub in Doonbeg an der Atlantikküste nutzen.

Im Zentrum von Trumps Besuch stehen die zweitägigen Veranstaltungen rund um den sogenannten D-Day am 6. Juni 1944 – der 75. Jahrestag der Landung alliierter Truppen an den Stränden der Normandie im von Deutschland besetzten Frankreich. Eine erste Zeremonie ist für Mittwoch im südenglischen Portsmouth geplant. Tags darauf soll es eine weitere Veranstaltung in Frankreich geben, wohin die Trumps von Großbritannien aus reisen wollen.

Das Präsidentenpaar wurde von der britischen Königsfamilie empfangen. Quelle: AP
Donald Trump, Melania Trump, Camilla, Prince Charles

Das Präsidentenpaar wurde von der britischen Königsfamilie empfangen.

(Foto: AP)

Mehr: Kommentar: Vor seinem Staatsbesuch hat der US-Präsident den Wunsch geäußert, dass Boris Johnson neuer britischer Premier wird. Einen Gefallen hat er ihm damit nicht getan.

  • dpa
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