Donald Trumps trotzige Abrechnung Alternative Fakten aus einer alternativen Welt

US-Präsident Donald Trump arbeitet bereits an seiner eigenen Dolchstoß-Legende - für den Fall, dass er scheitert. Der Schuldige ist bereits gefunden: Die Presse, die nicht über seine Erfolge schreibt. Eine Analyse.
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Trump: „Ich bin die am wenigsten rassistische Person“

San FranciscoEigentlich hatte Donald Trump gehofft, am Donnerstag ein neues Kabinettsmitglied vorstellen zu können. Doch der von ihm zuvor dafür vorgesehene Multimillionär war ihm unverhofft abhandengekommen. Er hatte unter anderem eine illegale Einwanderin als billige Haushaltshilfe beschäftigt. Das kommt nicht gut an bei Wählern, die selbst oft unter Lohndumping leiden, in Billigjobs zu Mindestlöhnen schuften und von Trump eine Verbesserung erwarten.

So präsentierte der US-Präsident auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz in wenigen Worten Alexander Acosta als neue Wahl und wünschte ihm alles Gute auf seiner Reise durch den Senat. Damit war das Thema Arbeitsmarkt abgehandelt. Und Donald Trump konnte sich wieder seinem Lieblingsthema zuwenden: Sich selbst, wie erfolgreich er ist und warum das niemand weiß.

Es geriet zu einer Abrechnung zwischen Trotz und Weinerlichkeit: Weil die Medien ohnehin nicht die Wahrheit sagen werden, sei er angetreten, um diese direkt an die Bürger weiterzuleiten, stellte er fest. Die Pressekonferenz sei eine „Veranstaltung für die Bürger, in Anwesenheit der Presse“. Vielleicht, so Trump, kämen er und die Medien hinterher besser miteinander aus, wenn nicht, „auch gut“.

Trotz aller Negativmeldungen – ein vor Gericht einkassiertes Einreiseverbot; eine Beraterin, die im TV öffentlich Werbung für die (in China produzierte) Mode von Trumps Tochter macht; der unfreiwillige Abgang von Sicherheitsberater Michael Flynn - sieht er seine Regierung auf Erfolgskurs. Das Weiße Haus laufe rund wie eine „gut geölte Maschine“, es berichte nur niemand darüber. Um genau zu sein: Wahrscheinlich sei „noch niemals in der Geschichte“ ein US-Präsident „so schnell so erfolgreich gewesen“ wie er, so Trump. Er habe alle Wahlversprechen eingehalten, die gekippte Einwanderungsorder werde bald durch eine neue ersetzt, bekräftigte er. Er erfahre Wohlwollen und Unterstützung in der ganzen Welt. Alternative Fakten aus einer alternativen Welt.

Wahrscheinlich hat ohnehin keiner seiner Wähler im ländlichen North Carolina oder irgendwo in einer verarmten Kleinstadt mit Industrieruinen diese Pressekonferenz verfolgt, weil sie zu beschäftigt damit sind, sich und ihre Familien finanziell über Wasser zu halten. Aber wenn doch, dann hätten diese Mühe gehabt, sich klarzumachen, warum ihr Präsident so erfolgreich ist, wenn indes nichts davon bei ihnen ankommen ist. Mit Ausnahme der Abschaffung der Krankenversicherung „Obamacare“.

So funktioniert Händeschütteln mit Trump

Die würde bald kommen, versicherte Trump. Immerhin 64 Prozent aller Antragsteller für die Obama-Krankenversicherung im Januar 2017 kommen aus Bundesstaaten, die Trump während der Wahl gewonnen hat. Was die Versicherung ersetzen soll, das ist für die Betroffenen auch nach dieser Pressekonferenz unklar.

Freuen können sich derweil andere. Die Wall Street klettert auf immer neue Rekorde. Vor allem Banken hoffen darauf, endlich die Fesseln abschütteln zu dürfen, die ihnen nach der Finanzkrise 2008 angelegt worden waren. Wie das den Maisbauern und arbeitslosen Öl-Arbeitern helfen soll, ist nicht klar.

Doch worauf konzentriert sich der Präsident? Zumindest an diesem Tag wieder einmal auf die angeblich schlechte und unehrliche Presse. Besonders skurril wurde die Pressekonferenz, als Trump anmerkte, er fände es schrecklich, dass Dinge illegal aus dem Weißen Haus an die Öffentlichkeit geraten seien, die eigentlich geheim hätten bleiben sollen. „Auf einmal wussten die Leute genau, was passiert ist“, beschwerte er sich über Berichte zu Telefongesprächen mit anderen Staatschefs und Vorgängen um den geschassten Sicherheitsberater Michael Flynn.

Gleichzeitig teilte der Präsident aber auch mit, alle nach außen getragenen Geschichten seien „fake news“, also falsch, wie etwa die Geschichte der „New York Times“ über Kontakte von Trumps Wahlkampfteam nach Russland. Zusammengefasst sagte Trump also, dass es Quellen im Weißen Haus gebe, die vertrauliche Informationen nach außen tragen – gleichzeitig aber sei alles, was an die Öffentlichkeit gerate, von der Presse erfundene Geschichten.

Diese beiden Aussagen passen irgendwie nicht ganz zusammen. Das passt schon, meint Trump, weil er schließlich dabei gewesen sei und die Wahrheit kenne. So wie bei seiner Bemerkung, er sei mit der größten Anzahl von Stimmen des Wahlmänner-Gremiums seit Ronald Reagan gewählt worden. Was sich leicht wiederlegen ließ, ein Reporter ratterte die Liste der Präsidenten - inklusive Bill Clinton und Barack Obama - herunter, die mehr Stimmen als Trump bekommen hatten. Was war Trumps Antwort? Schulterzucken: Irgendjemand „habe ihm die Informationen gegeben“, genaugenommen habe er sie „irgendwo gesehen“.

Welche Staatschefs Trump getroffen hat
Trump und Theresa May
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Den ersten Staatsgast, den der neue US-Präsident getroffen hat, war die britische Premierministerin Theresa May. May warb bei Trump für ein gemeinsames Freihandelsabkommen – und wurde erhört.

Quelle: dpa, handelsblatt.com

Nato und UN
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Bei dem gemeinsamen Treffen betonte die britische Premierministerin, dass Großbritannien und die USA zusammenhalten müssten – man dürfe sich nicht aus den Institutionen Nato und UN zurückziehen.

Brexit
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Trump beglückwünschte Großbritannien zum Brexit, dieser sei „eine wunderbare Sache“, schließlich habe er selbst erlebt, wie bürokratisch die EU sein könne.

Kritik im Vorfeld
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Die Kritik an Japan war im Vorfeld groß: Trump kritisierte Japans Export- und Währungspolitik, unter anderem, dass US-Autobauer einen zu geringen Zugang zum japanischen Markt hätten. Und drohte mit einem Strafzoll. Insbesondere japanischen Firmen warf Trump vor, dass diese Arbeitsplätze in den USA vernichten würden.

Frieden und Stabilität
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Eine stabile Beziehung zwischen den USA und Japan sei eine Grundbasis für Frieden und Stabilität, so Trump nach dem Treffen. Der US-Präsident lud Abe zum Schluss noch zum Golfen nach Florida ein.

Trump und Justin Trudeau
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Der US-Präsident und der kanadische Premierminister Justin Trudeau (r.) fanden bei ihrem ersten Treffen versöhnliche Worte füreinander. Sie bekräftigen ihre wirtschaftlichen Beziehungen, obwohl die Handelspartnerschaft zwischen Kanada und den USA – wegen dem Protektionismus' Trumps – gerade ein heikles Thema ist.

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34 Kommentare zu "Donald Trumps trotzige Abrechnung: Alternative Fakten aus einer alternativen Welt"

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  • @Herr Tomas Maidan

    dA Sie es anscheinend nicht besser wissen - es handelt sich nicht um Bots (Plural), sondern um den foristisch terrorisierenden, rechtsnationalen und den tumben Höcke verehrenden Typen, der eigentlich beim Amtsarzt zwangsvorgeführt werden müsste.

  • Jetzt versuchen offenbar Bots hier immerzu das Wort "Test" hereinzuschreiben, damit keine zustimmenden Postings mehr gemacht werden können. Das bestätigt den Inhalt des Artikels. Trump Unterstützer versuchen, die Medien anzugreifen. Die sonderbaren Jubel-Postings für Trump wirken bereits seit langem wie aus einer anderen Welt. Wer zum beispiel gestern Abend Markus Lanz gesehen hat, der kann eigentlich keine Zweifel mehr über Trump haben. Trump befindet sich im Krieg gegen die Demokratie, gegen die Medien und er erhält Unterstützung aus Moskau.

  • Der SIEG TRUMP war ein SIEG der ALTERNATIVE.++

    Jetzt hat das Establishment Angst, dass auch Europa fällt...

    DESWEGEN soll TRUMP kaputt gemacht werden um die ALTERNATIVE aufzuhalten.

    Alle außerhalb des Mainstreams werden als Rechtspopulisten beschimpft!

    Das momentan Etablierte System ist nicht mehr von einer DIKTATUR zu unterscheiden und versteckt sich hinter dem Begriff DEMOKRATIE.

    "Man muss die DEMOKRATIE verteidigen" Welche DEMOKRATIE???

  • Trump ist keine Marionette der Medien wie es die Clintons und Obama waren. Selbst Bush war NIE so frei in seinen Handel und Sagen, wie es Trump ist.
    Trump ist weder eine Marionette des medialen und politischen Establishment noch muss Trump irgendwelchen Wahlkampf-Geldgebern Rechenschaft in Form von Gefälligkeiten leisten.
    Darum kann Trump der Trump sein, der er ist...weil er Frei von Jedermann (Medien, Wahlkampfspendern, Gönnern und Förderen ist). Trump ist mit einen Programm = Great again und American First angetretten...dies wird er mit seinen Team Schritt für Schritt umsetzen.

  • @Joachim Nettelbeck
    Das Spiel mit den Medien nennt man sowas, was Trump da abzieht. Trump geht voran und setzt die Themen für die Medien. Trump hat seit seinen Wahlkampf die Oberhoheit über die Medien. Die Medien wollen Trump....die Medien bekommen Trump. Die Medien bekommen aber Trump nach den Spielregeln von Trump.
    Wie schon mal geschrieben...."Handle bevor Du selbst gehandelt wirst".....Trump handelt und setzt immer wieder neue Akzente = Themen für die Medien, denen die Medien dann immer hinterlaufen müssen. Trump geht voran und die Medienmeute hinterher...ganz nach dem Geschmack eines Trump.

  • Establishement vs Trump

    Trump wird gewinnen, weil das Establishment abgewirtschaftet hat....

  • Die Presse berichtet nicht über seine Erfolge? Sorry, aber das ist wirklich ein hübscher Euphemismus für "die Presse ist ein einziger kollektiver Hassprediger geworden" ...

  • Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Hoffentlich ist es wirklich so, wie Sie schreiben: Dass Trump einzig an einer Dolchstoßlegende arbeitet, um seinen nahenden Abgang schönzureden.

    Leider muss man aber fürchten, dass er andere Ziele verfolgt - und sich bei deren Durchsetzung von seinen Freunden aus Russland beraten lässt. Dass er nämlich Munition sammelt, um die Presse EINZUSCHRÄNKEN. Wenn es jeden Tag "Ärger mit der Presse" gibt, wenn "zuviele Lügen im Umlauf" sind, dann muss gehandelt werden, so das Szenario. Dann kann man Zensur und Verbote durchsetzen. So hat es Putin in Russland getan. Und der Erfolg gibt ihm recht.

  • Bitte bleiben Sie sachlich.

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