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Doppelte Krise Russlands BIP bricht um 28 Prozent ein

Im Vergleich zum Vorjahr ist das russische Bruttoinlandsprodukt im April um fast ein Drittel geschrumpft. Der sinkende Ölpreis wirkt fast so schlimm wie die Coronakrise.
19.05.2020 - 15:01 Uhr Kommentieren
Die Coronakrise ist nicht der einzige negative Einfluss auf die Wirtschaft. Quelle: REUTERS
Desinfesktionsmaßnahmen in russischem Bahnhof

Die Coronakrise ist nicht der einzige negative Einfluss auf die Wirtschaft.

(Foto: REUTERS)

Moskau An diesem Dienstag melden die russischen Gesundheitsbehörden 9263 Neuinfektionen. Das sind zwar 300 Fälle mehr als am Montag. Allerdings hatte die Zahl noch vor rund einer Woche über 11.000 gelegen.

Laut verschiedener mathematischer Modelle hat Russland am 18. Mai den Höhepunkt der Krise erreicht. Experten warnen allerdings vor einer möglichen zweiten Welle, sollten die Eindämmungsmaßnahmen zu früh aufgehoben werden.

Wie groß die Gefahr ist, verdeutlichen Nachrichten aus der russischen Kaukasus-Region Dagestan: Dort hat der Gesundheitsminister Dschamaludin Gadschiibragimow die offiziellen Zahlen quasi selbst dementiert. Laut Statistik gibt es in der Region 27 Corona-Tote, Gadschiibragimow sprach von fast 700 Toten, die an einer Lungenentzündung gestorben seien. Auch die Ansteckungszahlen sind seinen Angaben nach um fast das 20fache höher als die offiziell bestätigten 657 Coronafälle.

Der Kreml hat sich trotzdem schon vor Tagen für eine schrittweise Lockerung der als „freie Tage“ umschriebenen Quarantänemaßnahmen entschieden. Russlands Präsident Wladimir Putin hob die über einen Monat geltende landesweite Schließung aller Betriebe und Organisationen, die nicht als strategisch wichtig gelten, auf.

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    Nun müssen die Provinzgouverneure auf regionaler und lokaler Ebene über die Schließungen entscheiden. Vielerorts wurde die Produktion eilig wieder angeworfen. Denn die Wirtschaft ist bereits in gefährliche Schieflage geraten.

    Im April ist das nominale Bruttoinlandsprodukt um 28 Prozent gefallen, heißt es im Monatsbericht des russischen Finanzministeriums. Demnach lag der Wert aller produzierten Waren und Dienstleistungen bei 6,3 Billionen Rubel (knapp 80 Milliarden Euro) – ein Rückgang von 2,4 Billionen Rubel gegenüber April 2019.

    In Anbetracht der Tatsache, dass der Rubel im Vergleichszeitraum gegenüber Euro und Dollar um über 15 Prozent abgewertet hat, fällt das Minus im internationalen Vergleich sogar noch deutlicher aus. Ein schlechtes Monatsergebnis war erwartet worden. Im Vergleich zum März betrug der BIP-Rückgang sogar rund ein Drittel.

    Auch andere Volkswirtschaften haben unter dem erzwungenen Produktionsstopp für viele Industriezweige gelitten. Einer Berechnung der OECD nach haben die meisten Industrienationen durch den ersten Schock der Quarantänemaßnahmen zwischen 20 und 25 Prozent in dem jeweiligen Monat verloren.

    Bei Russland kommt zu den von Wladimir Putin für den April verhängten Isolationsmaßnahmen als Problem noch der deutlich gefallene Ölpreis hinzu. Im April 2019 kostete ein Barrel der russischen Marke Urals 71,50 Dollar, in diesem Jahr waren es gerade einmal 18,20 Dollar. Laut Jewgenia Slepzowa, Senior Analystin bei Oxford Economics, ist der Anteil der Quarantänemaßnahmen am BIP-Verfall etwas größer als der des Ölpreisverfalls. Ihrer Berechnung nach liegt das Verhältnis bei 3:2.

    Damit dürften die nun geplanten Lockerungen auch das Ergebnis für den Mai verbessern. Zwar galt bis zum 11. Mai noch der Shutdown für die Wirtschaft, da in Russland aber die erste Maihälfte ohnehin von Feiertagen geprägt ist, fällt dies weniger ins Gewicht als noch im April. „Die schrittweise Lockerung der Quarantänebedingungen sollte dabei helfen, dass der Einbruch der Wirtschaftsaktivität weniger stark ausfällt als ursprünglich erwartet“, hoffen die Analysten der Alfa-Bank.

    Auf voller Kraft arbeitet die russische Wirtschaft aber noch lange nicht. Restaurants und Hotels bleiben mindestens bis Juni noch geschlossen. Die Ölbranche freut sich zwar über langsam steigende Preise, muss aber zu deren Stützung seit Anfang Mai die Produktion drosseln. Aufgrund der oft veralteten Anlagen ist schon jetzt klar, dass sich die Förderung nicht an allen Standorten wiederbeleben lässt.

    Der russische Automobilproduzent Avtovaz hat zwar am Montag die seit Wochen stillstehenden Fließbänder wieder in Gang gesetzt, doch gleichzeitig bekanntgegeben, dass es zu massiven Entlassungen kommen wird. Ähnliche Pläne hat der VW-Konzern für sein Werk in Kaluga bekannt gegeben. Die Automobilbranche ist eine der am schwersten getroffenen. Viele Fabriken haben wegen der Krise Kurzarbeit eingeführt.

    Einer Umfrage der Moskauer Higher School of Economics unter 28 Volkswirten ergab, dass die russische Wirtschaft im zweiten Quartal wohl um 10,7 Prozent einbrechen wird. Etwas besser soll es in der zweiten Jahreshälfte werden. Der Rückgang wäre dann mit Minus vier im dritten Quartal und minus 2,8 Prozent im vierten Quartal trotzdem deutlich.

    Laut der Prognose der Zentralbank sinkt das BIP im Gesamtjahr lediglich zwischen vier und sechs Prozent. Auf Vorkrisenniveau soll das russische BIP erst 2022 wieder zurückkehren.

    Mehr: Putins Versprechen sind mehr Geste als Krisenmanagement

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