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  4. Organisierte Kriminalität: Schlag gegen Sinaloa-Kartell: Sohn von Drogenboss „El Chapo“ in Mexiko gefasst

DrogenkartelleSchüsse auf Passagierjets, brennende Autos, Straßenschlachten – Mexiko im Ausnahmezustand

Nach der Verhaftung eines Clanchefs kommt es zu kriegsähnlichen Zuständen. Außer Kontrolle geratene Banden bedrohen die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas.Klaus Ehringfeld 06.01.2023 - 20:13 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Nach der Festnahme eines hochrangigen Clanmitglieds blockierten Bandenmitglieder Straßen und attackierten den Flugverkehr.

Foto: dpa

Mexiko-Stadt, Culiacán. Der Zugriff erfolgte im Morgengrauen: In der Nähe der Stadt Culiacán verhafteten Einheiten der mexikanischen Marine und Nationalgarde einen der führenden Köpfe des mächtigen Sinaloa-Kartells. Es handelt sich um Ovidio Guzmán, Spitzname „El Ratón“ (die Maus).

Was auf die Verhaftung folgte, war eine beispielloser Schlagabtausch: Nach der Festnahme lieferten sich im Nordwesten des Landes Bandenmitglieder und Sicherheitskräfte über Stunden hinweg brutale Kämpfe. Kriminelle stellten in Culiacán, der Hauptstadt des Bundesstaates Sinaloa, Busse und Lastwagen auf den Straßen quer und steckten die Fahrzeuge in Brand.

Zahlreiche Schüsse waren zu hören. Die Behörden zählten 19 sogenannte „Narcobloqueos“, Narco-Blockaden. 4500 Soldaten wurden in die Region verlegt, um die Lage unter Kontrolle zu bringen, 19 mutmaßliche Kriminelle und zehn Soldaten seien getötet worden, erklärte die Regierung in einer ersten Bilanz.

Bewaffnete hätten unter anderem den Flughafen und eine Kaserne angegriffen und dabei Passagierflugzeuge und Militärmaschinen beschossen, sagte Verteidigungsminister Luis Cresencio Sandoval. Ziel der Bandenmitglieder sei es gewesen, den Transport des Gefangenen in ein Hochsicherheitsgefängnis zu vereiteln.

Angesichts der Auseinandersetzungen rief Gouverneur Rubén Rocha Moya die Menschen im Bundesstaat Sinaloa auf, in ihren Häusern zu bleiben. Schulen, öffentliche Gebäude und der Flughafen von Culiacán wurden geschlossen. Die US-Botschaft in Mexiko riet von Reisen nach Sinaloa ab. Die Regierung ordnete einen arbeitsfreien Tag an. Krankenhäuser schlossen.

Ovidio Guzmáns Bande sollen nach US-Angaben monatlich bis zu 2200 Kilo der synthetischen Droge Fentanyl herstellen und den Großteil davon in die Vereinigten Staaten schmuggeln. Sie sollen etwa elf Labore zur Herstellung künstlicher Drogen betreiben. Guzmán soll Morde an Informanten, Rivalen und einem Sänger, der nicht auf seiner Hochzeit singen wollte, angeordnet haben.

Er war 2019 bereits einmal festgenommen, später auf Anordnung von Präsident Andrés Manuel López Obrador aber wieder freigelassen worden.

Foto: AP

Er war 2019 bereits einmal festgenommen, später auf Anordnung von Präsident Andrés Manuel López Obrador aber wieder freigelassen worden, um schwere Kämpfe zwischen Kriminellen und Sicherheitskräften zu stoppen.

Ovidio Guzmán wurde nun nach Mexiko-Stadt gebracht und der Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität überstellt. Das US-Außenministerium hatte ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Mexikos Außenminister Marcelo Ebrard sagte nun allerdings, dass Guzmán zumindest nicht sofort an die USA ausgeliefert werde. Ein Gericht in Washington erhob bereits 2018 Anklage wegen Drogenschmuggels gegen ihn.

In der kommenden Woche kommen der mexikanische Präsident López Obrador, US-Präsident Joe Biden und der kanadische Premierminister Justin Trudeau in Mexiko-Stadt zum Nordamerika-Gipfel zusammen. Eines der Themen bei dem Treffen in der mexikanischen Hauptstadt wird auch die gemeinsame Sicherheitspolitik sein.

Guzmans Vater „El Chapo“ war einer der mächtigen Drogenhändler der Welt. Der frühere Chef des Sinaloa-Kartells schmuggelte tonnenweise Kokain und Heroin in die USA und verdiente damit Milliarden. Zudem soll er für bis zu 3000 Morde verantwortlich gewesen sein. Zweimal brach er aus Hochsicherheitsgefängnissen in Mexiko aus. Nach seiner letzten Festnahme wurde er in die USA ausgeliefert und dort zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ovidio Guzmán könne vorerst allerdings nicht ausgeliefert werden, berichtet die Deutsche Presseagentur. Entsprechend urteilte ein Bundesrichter am Freitag in Mexiko.

Am Flughafen in der mexikanischen Stadt Culiacan ist es zu Schusswechseln zwischen mutmaßlichen Bandenmitgliedern und Sicherheitskräfte gekommen. Zuvor wurde der aktuelle Anführer des Sinaloa-Drogenkartells Ovidio Guzman festgenommen.

Für Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador wird die außer Kontrolle geratene Gewalt zum Problem. Er reagiere mit Gleichgültigkeit, Verschwörungstheorien und Schuldzuweisungen an seine Vorgänger auf die Situation, kritisieren Opposition und weite Teile der Medien gleichermaßen.

Dabei wurde der erste linke Präsident Mexikos nur gewählt, weil er versprach, der Gewalt ein Ende zu setzen. Seine Vorgänger hatten versucht, die Kartelle mit dem Einsatz der Streitkräfte zu bekämpfen, allerdings vergeblich.

López Obrador hingegen trat mit einem völlig anderen Ansatz an: „Abrazos no balazos“, also „Umarmungen statt Kugeln“ – ein Konzept, das auf Prävention statt Repression setzte und vor allem auf Angebote an junge Leute, damit sie sich nicht den Kartellen anschließen. Stipendienangebote und Straferlässe für leichte Delikte gehörten zu dem Ansatz.

Doch diese Taktik ist gescheitert, wie sich nun deutlich abzeichnet. Immer größere Teile Mexikos geraten in die Hände der Kartelle. Der Arbeitgeberverband Coparmex warnt: „Die Situation ist unhaltbar, und das Fehlen einer wirksamen Strategie gegen die Unsicherheit, gepaart mit der Gleichgültigkeit auf allen Regierungsebenen, verschärft täglich die Lage.“

Das Jahr hatte bereits düster angefangen. Am Neujahrstag attackierten schwer bewaffnete Angreifer ein Gefängnis und verhalfen dem Chef eines Verbrecherkartells sowie 24 weiteren Häftlingen zur Flucht. 17 Menschen, sieben Insassen und zehn Wärter kamen bei dem Ausbruch ums Leben.

Kriminelle steckten zahlreiche Fahrzeuge in Brand.

Foto: dpa

Was die Ermittler in der Haftanstalt vorfanden, überraschte selbst hart gesottene Gemüter. Inhaftierte Bosse des Caborca-Kartells bewohnten regelrechte VIP-Zellen, in denen es neben zahlreichen Luxusgegenständen auch mit Bargeld gefüllte Safes gab.

Trotz extremer Kriminalitätsraten und der immer stärker zu Tage tretenden Schwäche der aktuellen Regierung bleibt Mexiko jedoch vorerst ein wichtiges Investitionsziele deutscher Unternehmen in Lateinamerika.
Die Unsicherheit koste die nach Brasilien zweitgrößte Volkswirtschaft dieser Weltregion allerdings umgerechnet ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), klagt Coparmex-Präsident José Medina Mora. „Das ist ein hoher Preis, der sich darin widerspiegelt, dass weniger Investitionen kommen und keine Arbeitsplätze entstehen“, beklagt Medina Mora.

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Mexikos BIP belief sich vergangenes Jahr auf 1,3 Billionen Dollar, rund ein Drittel des BIP von Deutschland. Dabei positioniert sich das Land gerade als ein Gewinner der Globalisierung. Wegen Covid und des Handelskonflikts der Vereinigten Staaten mit China sowie der Nähe zum größten Markt der Welt zieht es zunehmend internationale Unternehmen von Asien nach Mexiko.

Mit Agenturmaterial

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