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Coffeeshops dürfen kein Gras kaufen

Coffeeshop-Betreiber Federico Tucci: „Wir sind auf Dealer angewiesen.“ (Foto: Anna-Sophie Barbutev/Orange by Handelsblatt)

Drogenpolitik In Holland darfst du kiffen, aber Coffeeshops dürfen kein Gras kaufen

Holland ist für seine lockere Drogenpolitik bekannt. Was viele nicht wissen: Coffeeshops kaufen ihr Gras bei illegalen Dealern. Sie haben keine Wahl. Doch das könnte sich bald ändern.
  • Anna-Sophie Barbutev, Viviene-Jana Gaida
08.08.2018 Update: 28.10.2020 - 15:43 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 08. August 2018 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen und wurde am 28.10.2020 aktualisiert.

Federico Tucci betreibt sein Geschäft in ständiger Angst. „Von einem Tag auf den anderen könnte unser Shop geschlossen werden“, erzählt der 33-Jährige. Er ist Manager des Bagheera Coffeeshops, einem von insgesamt 173 Kifferstuben in Amsterdam. Die verkaufen zwar Cannabis in allen möglichen Sorten – doch ihr Geschäft läuft zur Hälfte illegal.

Cannabis in Holland: Konsum ist legal, Anbau und Ankauf sind verboten

Das liegt an den widersprüchlichen Drogengesetzen in den Niederlanden. Zwar ist der Konsum von Cannabis ab 18 Jahren seit 1976 erlaubt. Auch der Besitz von bis zu fünf Gramm pro Person ist legal. Die Behörden tolerieren auch den Verkauf im Coffeeshop. Anbau und Ankauf von Cannabis in großen Mengen sind aber verboten.

Händler wie Federico arbeiten damit in einer Grauzone. „Wer einen Coffeeshop betreibt, bewegt sich rechtlich auf dünnem Eis. Es gibt keinen staatlich kontrollierten Cannabisanbau“, sagt er, während er einen Joint rollt. Das bedeute: „Wir sind auf Dealer angewiesen.“ Das Gesetz zwinge ihn und die anderen Betreiber, etwas Verbotenes zu tun.

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    Sein Laden liegt im zentralen Viertel Nieuwmarkt. Mit Ausnahme eines Tisches sind an diesem sonnigen Samstagmittag alle Plätze des Außenbereichs besetzt. Süßlicher Geruch liegt in der Luft. Die Gäste rauchen mit Blick auf den Kloveniersburgwal, eine der ältesten Grachten Amsterdams. Über dem Tresen hängt das „Menü“ mit Sorten wie 24K Gold Kush, Rolex OG oder Bagheera Special Haze.

    Cannabis in Holland: Coffeeshops kaufen bei illegalen Dealern

    Die Ware stammt aus einem illegalen Netzwerk aus Zulieferern, das sich über Jahre aufgebaut hat. Federico muss jede Lieferung einzeln prüfen. Es gibt keine staatliche Kontrolle und keinen rechtlichen Standard, auf den er sich berufen kann. „Wenn jemand konventionelle Tomaten als Bio verkauft, kann er verklagt und bestraft werden. Aber wie kann ich mich bei Cannabis vor Betrug schützen, wenn der Ankauf illegal ist?“, klagt Federico.

    Gutes Cannabis anzubieten sei nicht einfach. Selbst angebliche Labortestergebnisse könnten gefälscht sein. Ihm bleibe also nur eine Möglichkeit, die Qualität zu prüfen: „Du musst es genau anschauen und rauchen.“ Frederico kifft seit er 17 ist. Die jahrelange Erfahrung helfe ihm bei seinem Geschäft. Und das scheint sogar zu funktionieren. 2017 hat eine Sorte aus seinem Laden beim Amsterdamer Cannabis Cup eine Auszeichnung erhalten.

    Dabei wünscht sich der Italiener nichts mehr als klare Regeln – so wie in einigen Bundesstaaten der USA. „Ich wünschte, ich könnte den gleichen Service wie in den Vereinigten Staaten anbieten. Dort können Verkäufer Cannabis selbst anbauen und somit die Qualität kontrollieren.“

    Niederlande: staatliches Cannabis in Teststädten ab 2021

    Der Wunsch könnte sich erfüllen, doch dafür braucht der Händler noch Geduld. Die niederländische Regierung beginnt eine Testphase in zehn Städten ab 2021. Über vier Jahre erfolgt das Experiment in den Städten Arnhem, Almere, Breda, Groningen, Heerlen, Hellevoetluis, Maastrich, Nimwegen, Tilburg und Zaanstad. In den 79 Coffeeshops vor Ort wird ausschließlich Marihuana von staatlich geprüften Bauern verkauft. In den Anlagen wird Cannabis industriell hergestellt und verpackt. Diese Testphase soll illegale Geschäfte auflösen und gesundheitliche Risiken für Konsumenten minimieren.

    Da Amsterdam keine der zehn ausgewählten Städte ist, bleibt der Konsum dort in der Grauzone. Frederico muss weiter täglich fürchten, dass die Behörden seinen Laden schließen. „Wenn sie das wollen, finden sie einen Weg“, sagt er. Wie unsicher der Status niederländischer Coffeeshops ist, zeige die Einführung des „Wiet-Pas“ im Jahr 2012.

    Damit wollte die Regierung alle Coffeeshops in geschlossene Clubs umwandeln, um den Drogentourismus einzudämmen. Nur registrierte und in den Niederlanden gemeldete Mitglieder sollten fortan legal kiffen dürfen. Nach Protesten wurde der in grenznahen Provinzen eingeführte „Wiet-Pas“ wieder abgeschafft. Seitdem entscheiden Städte und Gemeinden selbst, ob Coffeeshops Cannabis an Ausländer verkaufen dürfen.

    In Maastricht ist das zum Beispiel verboten. Den Haag hat Cannabis als erste niederländische Stadt sogar teilweise verbannt, nachdem sich Bürger über Kiffer beschwert hatten. Seit Anfang Mai droht beim Konsum in der Innenstadt eine Geldstrafe. Amsterdam gilt dagegen weiter als „das Herz der liberalen Drogenpolitik“, wie es Federico Tucci nennt. Der Coffeeshop-Betreiber aus der Innenstadt hofft, dass das zumindest so bleibt.

    Mehr: Amsterdam will den Massentourismus bändigen – mit Hilfe von KI

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