Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Drohender Handelskrieg mit den USA EU-Handelskommissarin Malmström lotet Ausnahmen von Strafzöllen aus

Die EU sucht im Streit um Strafzölle zunächst das Gespräch mit den USA. Darauf setzt auch Kanzlerin Merkel.
Update: 10.03.2018 - 14:49 Uhr Kommentieren
Die EU-Handelskommissarin trifft sich mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer. Quelle: AP
Cecilia Malmström

Die EU-Handelskommissarin trifft sich mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer.

(Foto: AP)

Washington/Brüssel EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström lotet mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer mögliche Ausnahmen bei den von den USA angekündigten Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium aus. An dem Gespräch am Samstagmittag in Brüssel nahm auch Japans Handelsminister Hiroshige Seko teil. Vor dem Treffen hieß es in Kreisen der EU-Kommission, man erwarte, dass die EU ohne Vorbedingungen oder Verhandlungen voll von den Maßnahmen ausgenommen werde. Dies werde der US-Seite auch so vermittelt.

Die Gespräche in Brüssel begannen zwei Stunden später als erwartet, weil sich die US-Delegation verspätet hatte. Eine Erklärung mit dem Tenor des Gesprächs war für den Nachmittag erwartet worden. Brüssel pocht darauf, dass die EU – wie Kanada und Mexiko - von den geplanten Maßnahmen ausgenommen wird. Die Europäer dürften in dem Gespräch unter anderem betonen, dass die EU ebenfalls ein enger Verbündeter sei und keine Gefahr für die Sicherheit der USA.

Trump hatte am Donnerstag seiner Ankündigung Taten folgen lassen und zwei Proklamationen unterzeichnet. Damit sollen Stahleinfuhren mit 25 Prozent Zoll, die von Aluminium mit 10 Prozent belegt werden. Die Regelung tritt binnen 15 Tagen in Kraft. Ausgenommen sind zunächst nur die Nachbarn und Freihandelspartner Mexiko und Kanada. Beide stehen zusammen für ein Viertel der US-Stahlimporte. Alle anderen Länder lud Washington zu Einzelfallverhandlungen ein. Sollten sie nachweisen können, auf andere Art zur nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten beizutragen, könnten auch sie Nachlässe erhalten. Indem er die nationale Sicherheit bemüht, konnte er am Kongress vorbei alleine die Entscheidung treffen. Trump will zudem Australien von den US-Schutzzöllen ausnehmen.

Damit dringt die EU im Handelsstreit mit den USA weiter darauf, ebenso wie Kanada und Mexiko von den geplanten Maßnahmen ausgenommen zu werden. Die Europäer dürften in dem Gespräch unter anderem betonen, dass die EU ebenfalls ein enger Verbündeter sei und keine Gefahr für die Sicherheit der USA.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte von einer ernsten Situation gesprochen. Die Zölle seien nicht sachgerecht, hatte sie am Freitagabend betont. Es gebe weltweit ein gegenseitig vereinbartes System von Einfuhrzöllen: „Was jetzt hier passiert, sind einseitige Aktionen, und die muss man entsprechend beantworten.“ Merkel sprach sich erneut für Gespräche aus. Wenn man sich in eine Spirale hineinbewege, komme man nicht voran: „Aber wir müssen unsere eigenen Interessen schützen.“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnte Trump, dass mit der Einführung von Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte aus Europa ein verlustreicher Handelskrieg riskiert werde. In einem Telefonat mit Trump räumte Macron nach Angaben des Élysée-Palastes ein, dass die USA über unfaire Handelspraktiken besorgt seien.

Maßnahmen aber gegen Verbündete wie die EU seien keine wirksame Methode, um diesen zu begegnen, betonte Macron. Bei einem Handelskrieg wären alle beteiligten Länder die Verlierer. Macron fügte den Angaben zufolge hinzu, dass Europa in klarer und in proportionaler Weise auf jede unbegründete Praxis reagieren werde, die den Regeln des Welthandels widerspreche.

EU plant Strafzölle – auch auf diese zehn ungewöhnlichen US-Exportschlager
10. Platz: Kau- und Schnupftabak
1 von 10

In Deutschland gibt es den einen oder anderen prominenten Schnupftabak-Fan. Wer Nationaltorhüterlegende Sepp Maier (r.) kennt, weiß, dass er leidenschaftlich gerne „schnupft“. Auch der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering erlaubt sich hier und da mal ein „Näschen“. Dabei hätte die EU das Genussmittel beinahe verboten. Ein gewisser Edmund Stoiber, heute CSU-Ehrenvorsitzender, machte sich in Brüssel dafür stark, dass die Prisen legal bleiben. Im vergangen Jahr wurden Schnupf- und Kautabakerzeugnisse im Wert von insgesamt 200.000 Euro aus den USA nach Europa importiert.

(Foto: Picture Alliance)
9. Platz: Wasserpfeifentabak
2 von 10

Immer weniger junge Menschen greifen in Deutschland regelmäßig zur Zigarette. Aktuelle Zahlen belegen jedoch auch, dass bunte und peppige Wasserpfeifen und Shishas eine große Anziehungskraft auf Kinder und Jugendliche ausüben – eine besorgniserregende Entwicklung. Beim Konsum in geschlossenen Räumen kann es zu lebensgefährlichen Kohlenmonoxid-Vergiftungen kommen. Zuletzt gab es in der ganzen Republik mehrere schwere Zwischenfälle. Das hat einige Städte und Kommunen dazu veranlasst, neue Regeln für „Shisha-Bars“ einzuführen, um die unsichtbare Gefahr zu bannen. Im Jahr 2017 wurde aus den Vereinigten Staaten Wasserpfeifentabak im Wert von 1,75 Millionen Euro in die EU eingeführt.

(Foto: Picture Alliance)
8. Platz: Aufblasbare Boote
3 von 10

Eine Seglerin fährt auf der „boot“ in Düsseldorf eine aufblasbare Segeljolle. Die Messe gilt als das Mekka der internationalen Wassersportszene. Rund 1900 Aussteller aus 65 Ländern stellten im Januar auf der „boot“ Neuigkeiten für den Wassersport vor. US-Importe von aufblasbaren Booten zu Sport- und Vergnügungszwecken in die Europäische Union beliefen sich im vergangenen Jahr auf einen Wert von zwei Millionen Euro.

(Foto: Picture Alliance)
7. Platz: Jeans
4 von 10

Das beliebte Bekleidungsstück hat in der EU-Kommission seine eigene Kategorie: Lange Hosen aus Denim, einschließlich Kniebundhosen. Hiervon wurden Waren im Wert von 5,75 Millionen Euro aus den USA importiert.

(Foto: Picture Alliance)
6. Platz: Orangensaft
5 von 10

Der Frühstücksklassiker ist mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 7,5 Litern neben Apfelsaft der meistgetrunkene Saft in Deutschland. Nicht nur als purer Saft macht er sich gut auf dem Frühstückstisch, sondern auch als Zutat im morgendlichen Smoothie oder den derzeit schwer angesagten „Overnight Oats“. Laut EU-Kommission wurde im Jahr 2017 Orangensaft aus den Vereinigten Staaten im Wert von über 15 Millionen Euro in Europa eingeführt.

(Foto: Picture Alliance)
5. Platz: Erdnussbutter
6 von 10

Amerikaner lieben die hellbraune Creme in allen Varianten. Die Firma „Peanut Butter & Co.“ stellt eine ganze Palette unterschiedlicher Erdnussbutterprodukte her. Bis zum Jahr 2016 betrieb das Unternehmen auch ein Restaurant in New York, den „Peanutbutter & Co. Sandwich Shop“. Auch die Europäer lecken sich die Finger nach dem gehaltvollen Aufstrich. Aus den USA wurde vergangenes Jahr Erdnussbutter im Wert von fast 23 Millionen Euro eingeführt.

(Foto: Picture Alliance)
4. Platz: Arbeits- und Berufslatzhosen
7 von 10

Generationen von jungen TV-Zuschauern sind mit diesem Latzhosenträger großgeworden. In „Löwenzahn“ erklärte der inzwischen verstorbene Peter Lustig (r.) die Welt, 25 Jahre lang. Mit spannenden Experimenten führte er seine Zuschauer an Natur und Technik heran. Ob er sein Lieblingskleidungsstück aus den Vereinigten Staaten bezog, ist nicht überliefert. Sicher ist jedoch, dass die Amerikaner letztes Jahr Arbeitslatzhosen und Berufslatzhosen für knapp 26 Millionen Euro in die Staatengemeinschaft einführten.

(Foto: Picture Alliance)

Im Kurznachrichtendienst Twitter hatte Trump mitgeteilt, der australische Premierminister Malcolm Turnbull sei „sehr fairen und beiderseitigen Militär- und Handelsbeziehungen“ verpflichtet: „Wir arbeiten sehr rasch an einem Sicherheitsabkommen, damit wir unserem Verbündeten, der großen australischen Nation, keine Stahl- oder Aluminiumzölle aufbürden müssen!“

Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) erklärte, Strafzölle könnten sowohl den USA als auch den Ländern der Europäischen Union schaden: „Die Zeche würden Verbraucher in der EU und den USA zahlen. Soweit darf es nicht kommen.“ Das regelbasierte Welthandelssystem biete für solche Fälle erprobte Verfahren - etwa die Streitschlichtung vor der Welthandelsorganisation WTO. „Die EU muss diese Instrumente nutzen“, forderte der Verbraucherschützer.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, warnte, wenn es zu einem Handelskrieg und einer Protektionismus-Spirale kommen sollte, gefährde das die exportorientierte deutsche Wirtschaft. „Vor allem von Strafzöllen auf Autos würde eine erhebliche Gefahr ausgehen„, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die EU-Kommission plane zu Recht gezielte Nadelstiche mit Strafzöllen auf ausgewählte US-Produkte.

Auch der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Dennis J. Snower, sagte: „Niemand kann wirklich einen Handelskrieg wollen. Wir wissen aus der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen, was daraus erwachsen kann. Die restliche Welt ist deshalb gut beraten, sich mit Gegenmaßnahmen zurückzuhalten“, sagte er der Funke Mediengruppe.

  • dpa
  • ap
Startseite

Mehr zu: Drohender Handelskrieg mit den USA - EU-Handelskommissarin Malmström lotet Ausnahmen von Strafzöllen aus

0 Kommentare zu "Drohender Handelskrieg mit den USA: EU-Handelskommissarin Malmström lotet Ausnahmen von Strafzöllen aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote