Düstere IWF-Einschätzung „Nichts bewegt sich in Griechenland“

In der Zitterpartie um eine Rettung Griechenlands vor der Pleite ist eine Lösung noch immer nicht in Sicht. Der IWF zeigte sich höchst unzufrieden mit den bisherigen Sparbemühungen und richtete harte Worte an Athen.
Update: 19.09.2011 - 18:24 Uhr 18 Kommentare
Akropolis in Athen. Quelle: ap

Akropolis in Athen.

(Foto: ap)

Athen/BerlinGriechenland steht nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Pleite bevor, wenn es nicht den Verkauf von Staatsbesitz vorantreibt. Mit harten Worten warnte der ständige IWF-Vertreter in Griechenland, Bob Traa, am Montag in Vouliagmeni vor weiteren Versäumnissen. Ein wichtiges Telefonat zwischen Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos und den Troika-Experten wurde auf den Abend verschoben.

„Das Bild sieht aus wie das Kardiogramm eines Toten, nichts bewegt sich“, sagte Traa auf einem Symposium in Vouliagmeni nahe Athen mit Blick auf die Fortschritte des hochverschuldeten Landes. Die vereinbarten Privatisierungen in Höhe von 50 Milliarden Euro bis 2015 liegen demnach hinter dem Zeitplan, weil die griechischen Politiker uneins über die Abwicklung seien.

„Wenn Ihr weiter wartet, wird das Land zahlungsunfähig werden“, stellte Traa klar. Zudem werde so der Preis für die Staatsbeteiligungen weiter sinken. Der IWF-Vertreter mahnte zudem eine Reform der Steuerverwaltung an. Er warnte zugleich aber davor, immer höhere Steuern zu erheben. Nach einer Reform des Systems der Steuereintreibung könnten Steuern sogar gesenkt werden.

Die harte Kritik des IWF-Vertreters ist keine gute Nachricht für Venizelos, der ebenfalls an der Diskussion in Vouliagmeni teilnahm und dort versicherte: „Wir wollen Ergebnisse, es muss Ergebnisse geben.“ Weiteres Zögern sei nicht möglich. Venizelos forderte juristische Hilfe der EU. Ein wichtiges Telefonat des griechischen Ministers mit den Chefs der sogenannten Troika aus IWF, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) über die Fortschritte Athens wurde vom Nachmittag auf den frühen Abend verschoben.  Venizelos dann mit den Experten den Sparplan Punkt für Punkt durchgehen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann forderte, den Druck aufrechtzuerhalten und eine Staatspleite nicht von vornherein auszuschließen.

An den Märkten macht sich wegen der Hellas-Krise immer größere Nervosität breit: Viele Anleger kehrten dem Euro den Rücken. Gleichzeitig nahmen die Spekulationen auf einen Zahlungsausfall Griechenlands und anderer hoch verschuldeter Staaten wieder zu. Wegen der zugespitzten Lage hatte Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Samstag seine USA-Reise in letzer Minute abgesagt. Ein Treffen der EU-Finanzminister am Wochenende hatte keine neuen Impulse zur Lösung der Krise gebracht.

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18 Kommentare zu "Düstere IWF-Einschätzung: Griechenland oder das Kardiogramm eines Toten"

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  • @proLinks

    Ist ihnen klar, dass sie die DDR beschreiben (bloß größer)?

    Alle Systeme in denen Faulheit und Korruption gefördert werden, werden scheitern wie die DDR und die EUdSSR ist gerade dabei die Fehler der UdSSR und DDR zu machen.

  • So ähnlich machens auch die Chinesen! Nur mit dem Unterschied, dass das Geld gleich wieder in die Wirtschaft investiert wird und nicht zum Kauf von Ami-Anleihen.
    Macht irgendwie Sinn!!!

  • ...
    8. Einführung einer Wertpapiertransaktionssteuer bzw. eine ernsthafte Prüfung der Umsetzbarkeit einer solchen Steuer
    9. Stärkere Regulierung von europäischen Banken; das Konzept der Universalbanken soll aufgegeben werden
    10. Erarbeitung von Effizienzvorgaben für die öffentlichen Verwaltungen der EU-Staaten
    11. Mechanismen entwickeln bzw. Regelungen einführen, die eine praktische Zah-lungsunfähigkeit der EZB verhindern sollen
    12. Gründung von europäischen Ratingagenturen; diese sind der EZB-Aufsicht unterzuordnen

  • Ich finde auch, dass ein reiner Schuldenschnitt die Probleme der griechen nicht lösen wird. Denn die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands ist mir einem Schuldenschnitt sicher nicht wieder hergestellt.

    Außerdem hat die Euo-Zone mit 110 Mrd. € beim ersten Greece-Rettungspaket für die Kredite gebürgt!

    Was ist von disem 12 Punkte-Konzept zu halten?

    Was haltet Ihr von dem Lösungsansatz:

    Vorgestellt auf www.erfolgznewz.de.

    Grobe Vorstellung des 12 Punkte-Konzepts
    Als Hauptvoraussetzung der neuen Lösung muss der Verzicht auf eine Schuldenfinanzie-rung sein. Deshalb erscheint die
    1. Einrichtung einer permanenten Deviseninterventionsstelle bei der EZB zur Erwirtschaftung von Devisenreserven und Verringerung des Euro/Dollar-Kursniveaus
    2. Investition der Devisenreserven in der Euro-Zone:

    Verteilung der entstandenen Devisenreserven
    a. Aufbau von Devisenreserven: 10 % (der neu entstandenen Reserven)
    b. Erstattung der entstandenen Verluste aufgrund eines Schuldenschnitts (an die EU-Länder): 10 %
    c. Investition in Forschung und Entwicklung: 20 %
    d. Einrichtung eines permanenten Krisenfonds zur Stützung von Banken: 10 %
    e. Konjunktur-Programm für die Länder, die von einem Schuldenschnitt be-troffen sind: 10%
    f. Konjunkturprogramme mit Langfrist- und Kurzfristkomponente (Euro-Zone): 40% (Verteilung nach Anteilen am EU-BIP)

    3. Durchführung eines geordneten Schuldenschnitts in Griechenland; die Verluste der Haftungs-Länder sollen durch die Devisen ausgeglichen werden
    4. Einführung eines europaweiten absoluten Leerverkaufsverbots für alle Wertpapierarten; Voraussetzung für die Auszahlung der Mittel aus Punkt 2
    5. Ausdrückliche Verzichtserklärung zur Einführung von Eurobonds
    6. Außerkraftsetzung des Euro-Rettungsschirms; Voraussetzung für die Auszahlung der Mittel aus Punkt 2
    7. Einführung einer Schuldenbremse in den Euro-Krisenländern; Voraussetzung für die Auszahlung der Mittel aus Punkt 2
    ...

  • Deutsche Presse - ein Trauerspiel
    Nicht EINE Zeitung berichtet (zumindest finde ich online nichts), was im Wall Street Journal zu lesen ist: Dass nämlich Griechenland in 2010/2011 mal wieder 25.000 Staatsbedienstete eingestellt hat!
    Bei uns wird immer nur abstrakt darüber geschwafelt, dass Griechenland seine Verpflichtungen nicht erfüllt habe; im WSJ erfährt man, dass (offenbar) die PASOK mal wieder Pöstchen vergeben hat. Und zahlen soll der deutsche Steuerzahler.

  • Der erste Post schlägt vor, wie man die griechische Wirtschaft wieder in Gang bringen könnte und der zweite betrifft das Schuldenproblem.

    http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/endspiel-um-griechenland.html

    http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/anleitung-zur-griechenland-verhandlung.html

  • Um im Bild zu bleiben: man kann den Griechen bei den Wiederbelebungsversuchen höchstens noch einige Rippen brechen.

  • Falscher Ansatz. Lernen Sie Bilanzen zu lesen. Selbst bei einer völligen Entschuldung würde das derzeitige Griechenland sofort wieder neue anhäufen. Denn Bürokratie und Ineffizienz verschwindet nicht von selbst, ebensowenig die Korruption, von den Bildungsdefiziten gar nicht zu reden. Sorry :-)

  • Der Euro ist die Ursache des Übels. Er hat Deutschlands Bürger massiv entreichert und die Südstaaten der Euroszone in einen Schuldentsunami gestürzt. Und gerade dieses Übel ist es wert gerettet zu werden? Wir sollten schlicht neue nationale Währungen einführen, den Euro parallel totinflationieren und dann billig unsere Staatsschulden tilgen. Das wäre der Königsweg raus aus dem Schlamassel. Alles andere endet im Chaos, in massiven politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen, in einem Auseinanderbrechen jeglicher europäischer Solidarität. Das kann sich Deutschland nicht leisten. Also: ran an die Aufgabe. Wickelt den Euro ab! Gebt Griechenland, Protugal, Spanien, Italien, aber auch Frankreich und Deutschland eine Zukunft!

  • Die Rettung Griechenlands sollte für Europa ein Leichtes sein oder?

    Als erstes wäre da eine Umschuldung und bitte schön keine Insolvenz. Die EZB gewährt Griechenland ein zinsloses Darlehen in Höhe seiner bisherigen Schulden zuzüglich weiterer 100 Milliarden für die nächsten beiden Jahre.

    Die EZB setzt sich aus Notenbanken zusammen und diese können die Geldmenge noch ein ganzes Stück anheben!

    Europa im Gesamten ist mit ca. 80% zum europäischen "BIP" verschuldet. In Amerika sind es 100% und in Japan sogar 200%. Trotzdem hält sich die Inflation in beiden Ländern in Grenzen.

    Dann investieren die Griechen in den Tourismus und in die Infrastruktur, dass senkt die Arbeitslosigkeit und bringt Steuereinnahmen. Parallel wird das Steuersystem überarbeitet und die Steuern auch eingezogen.

    Griechenland hat ein angenehmes Klima und warme Winter. Deutschland hat viele ältere und pflegebedürftige Menschen. Daher unterstützt die EU Griechenland beim Bau von Sanatorien und Kurheimen und Griechenland wird zur europäischen Nummer Eins auf dem Gebiet. Das garantiert Einnahmen und schafft Arbeitsplätze. Da der Lohn in Griechenland niedriger ist, werden parallel z.B. Deutschlands Sozialkassen entlastet.

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