Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Duflo, Banerjee, Kremer An diese drei Ökonomen geht der Wirtschaftsnobelpreis

Die Ökonomen Esther Duflo, Abhijit Banerjee und Michael Kremer erhalten den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Der Preis ist mit 830.000 Euro dotiert.
Kommentieren
Die Preisträger Abhijit Banerjee, Esther Duflo und Michael Kremer, abgebildet auf einem Bildschirm. Quelle: AFP
Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften

Die Preisträger Abhijit Banerjee, Esther Duflo und Michael Kremer, abgebildet auf einem Bildschirm.

(Foto: AFP)

Stockholm, Frankfurt Esther Duflo ließ ihrer Verblüffung freien Lauf. „Ich dachte, dass man viel älter sein muss, um sich den Preis zu verdienen“, sagte sie in einer ersten Stellungnahme. Die Französin Duflo ist mit 46 Jahren die jüngste Persönlichkeit, die jemals mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gewürdigt wurde – und die zweite Frau in der Geschichte der Auszeichnung. Allein die Politologin Elinor Ostrom war ihr 2009 vorangegangen.

Zusammen mit ihrem indischen Ehepartner Abhijit Banerjee und dem US-Amerikaner Michael Kremer wird sie „für ihren experimentellen Ansatz zur Milderung der globalen Armut“ geehrt, wie es in der Begründung der königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm heißt.

Duflo lehrt wie ihr Ehemann Banerjee, 58, am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Der 54-jährige Kremer forscht an der Harvard Universität. Der Nobelpreis im Fach Wirtschaftswissenschaften wird von der schwedischen Notenbank gestiftet und mit umgerechnet 830.000 Euro dotiert.

Während Duflo und Banerjee seit längerem als Anwärter auf den Nobelpreis gelten, war der oft mit ihnen gemeinsam arbeitende Harvard-Ökonom Kremer bisher weniger bekannt. Mit dem Bestseller „Poor Economics“ aus dem Jahr 2011 schufen Duflo und Banerjee einen Hype um ihre „radikal andere Art“, das Problem der Armut in Entwicklungsländern anzugehen. Sie bezogen sich dabei auf das experimentelle Vorgehen in der medizinischen Wirkungsforschung.

Ihre Überzeugung ist: Nur mit kontrollierten Feldexperimenten, bei denen die Teilnehmer per Zufall ausgewählt werden, lässt sich herausfinden, ob Hilfsprojekte tatsächlich wirken. So hat Duflo gezeigt, dass Eltern ihre Kinder öfter impfen lassen, wenn sie für den Arbeitsausfall mit Lebensmittelspenden entschädigt werden.

„Unser Ziel ist es sicherzustellen, dass der Kampf gegen Armut auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert“, sagte sie auf einer Pressekonferenz in Stockholm, zu der sie telefonisch zugeschaltet war.

Abhijit Banerjee und Esther Duflo. Quelle: AFP
Preisträger

Abhijit Banerjee und Esther Duflo.

(Foto: AFP)

Duflo und ihre Mitstreiter wollen die Entwicklungspolitik neu organisieren: Statt groß angelegte Hilfsprogramme zu initiieren, sollen sich Hilfsorganisationen und Regierungen auf lokale, gut überwachte Projekte konzentrieren. Nur was in der Praxis funktioniert, soll dabei gefördert werden.

Philanthropen aus dem Silicon Valley, die Wert auf den messbaren Nutzen von Projekten legen, fördern den experimentellen Ansatz intensiv – allen voran die Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates und seiner Frau Melinda. So ist Michael Kremer Inhaber eines von Gates gestifteten Lehrstuhls. Auch die Forschung von Duflo und Banerjee wird von der Stiftung gefördert. Daneben gilt die Weltbank als wichtiger publizistischer und finanzieller Förderer.

„Die Forschung der Preisträger hat unsere Fähigkeit, globale Armut zu bekämpfen, erheblich verbessert“, schreibt das Nobel-Komitee. Und Gabriel Felbermayr, Chef des Instituts für Weltwirtschaft, lobt: „Die entwicklungsökonomische Forschung hat sich dank der drei Preisträger vom Rand ins Zentrum der Volkswirtschaft vorgearbeitet.“

Doch es gibt auch Kritiker. Die verstorbene MIT-Forscherin Alice Amsden ging hart mit der Arbeit ihrer Universitätskollegen ins Gericht. Erfolgreiche Entwicklung funktioniere nicht von unten, sondern nur von oben, etwa durch den Bau von Infrastruktur oder die Förderung der Industrie. Was nütze es, wenn Kinder zur Schule gingen, später aber keinen Arbeitsplatz fänden, weil es zu wenige Unternehmen gebe.

Michael Kremer Quelle: AFP
Ausgezeichnet

Michael Kremer

(Foto: AFP)

Die deutsche Entwicklungshilfeorganisation GIZ erklärte 2012, man werde experimentelle Forschung nicht zur Richtschnur für die eigene Arbeit machen, denn sie eigne sich nur für einen schmalen Anwendungsbereich. Für landesweit wirkende Maßnahmen sei sie kaum anwendbar. Auch der Nobelpreisträger von 2016, Angus Deaton, warnte davor, Entwicklungspolitik im Sinne der Experimentalökonomen auf das zu beschränken, was sich experimentell evaluieren lässt.

Mehr: Friedensnobelpreis geht an äthiopischen Premier Abiy Ahmed – Das Nobelkomitee würdigt Ahmeds Leistung, den Grenzkonflikt mit dem Nachbarland Eritrea beendet zu haben.

Startseite

Mehr zu: Duflo, Banerjee, Kremer - An diese drei Ökonomen geht der Wirtschaftsnobelpreis

0 Kommentare zu "Duflo, Banerjee, Kremer: An diese drei Ökonomen geht der Wirtschaftsnobelpreis"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.