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Dumpingvorwurf EU-Kommission leitet Untersuchung gegen türkische Stahlexporteure ein

Brüssel nimmt türkische Hersteller wegen möglicher Dumpingpreise unter die Lupe. Das zeigt: Die schwache Lira ist auch für europäische Rivalen ein Problem.
14.05.2020 - 18:40 Uhr Kommentieren
Europäische Hersteller leiden ohnehin unter mangelnder Nachfrage. Jetzt wächst die Konkurrenz aus der Türkei. Quelle: dpa
Hochöfner am Stahlofen

Europäische Hersteller leiden ohnehin unter mangelnder Nachfrage. Jetzt wächst die Konkurrenz aus der Türkei.

(Foto: dpa)

Istanbul Die türkische Wirtschaft leidet unter der schwachen Lira. Die Landeswährung hat zum Euro rund 13 Prozent an Wert verloren, was ausländische Waren in der Türkei teurer macht.

Doch die Lira-Schwäche hat auch eine Kehrseite: Exporte aus der Türkei – darunter Stahl aus türkischen Werken – verbilligen sich. Und das ruft nun die EU-Kommission auf den Plan.

Brüssel droht mit Zöllen auf Stahl aus der Türkei, nachdem sich vor allem die europäischen Hersteller ArcelorMittal und Thyssenkrupp wegen möglicher Billigimporte aus der Türkei an die Kommission gewandt hatten.

Die Brüsseler Behörde hat daraufhin eine Untersuchung eingeleitet. Diese soll klären, ob türkische Exporteure sogenannten Warmwalz-Stahl in der EU zu günstig angeboten haben. Das geht aus dem Amtsblatt der vom 14. Mai hervor. Die Lira-Schwäche ist also längst nicht nur ein Problem der Türkei, sondern hat auch Folgen für die darbende europäische Stahlbranche.

Es geht um viel Geld: Im Jahr 2019 wurde in Europa Stahl für rund 17 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Türkische Hersteller steuerten dabei Waren im Wert von rund 1,5 Milliarden US-Dollar bei.

Der Vorgang zeigt nicht nur, wie die EU heimische Hersteller schützt – das ist eine durchaus gängige Praxis, zu der die Kommission sogar verpflichtet ist. Interessant ist auch, wie es überhaupt zu dem Vorwurf kommen konnte.

Türkischer Stahl ist nämlich vor allem deshalb so billig, weil die Lira an Wert verloren hat. Die Schwäche macht längst nicht nur der türkischen Wirtschaft zu schaffen. Sondern auch den Konkurrenten in den Exportmärkten, die mit den niedrigen Preisen kaum mithalten können.

Umstrittene Expansionsstrategie

Dabei hat die europäische Stahlindustrie ohnehin mit der Krise durch die Covid-19-Pandemie zu kämpfen. ArcelorMittal hat bereits Hochöfen abgeschaltet, und auch Thyssenkrupp drohen enorme Probleme, wenn die Nachfrage nach Stahl nicht schnell wieder anzieht. Danach sieht es derzeit nicht aus. Der günstige Stahl aus der Türkei verschlimmert die Situation und dürfte die Hersteller schlussendlich dazu veranlasst haben, sich an die EU-Kommission zu wenden.

Doch die Türkei kann den Stahl dank ihrer schwachen Landeswährung immer günstiger anbieten. Bereits Anfang März machten Meldungen die Runde, wonach der starke Euro Stahlimporte attraktiver mache. Italienische Käufer hätten demnach bereits vor über zwei Monaten Rabatte von türkischen Herstellern verlangt.

Türkische Exporteure nutzen zum Teil gezielt die schwache Landeswährung, um Marktanteile im Ausland zu gewinnen. Bereits 2019, als die Lira zu Euro und Dollar abwertete, verdrängten türkische Produzenten ihre europäischen Konkurrenten, etwa beim Verkauf von Kirschen. Einzelne Kirschbauern in Deutschland und im Nicht-EU-Land Schweiz blieben auf ihrer Ernte sitzen, weil sie nicht mit den Kampfpreisen türkischer Landwirte mithalten konnten.

Im Tourismus kann die Türkei schon seit Längerem ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten als andere Mittelmeerländer. Auch das liegt zum Teil am Wechselkurs. „Jetzt zählen nicht nur der Gewinn und Effizienz“, erklärte der Präsident der Istanbuler Handelskammer ITO, Sekib Avdagic, Ende April. „Jetzt zählt vor allem Durchhaltevermögen.“ Anders ausgedrückt: Wenn die türkischen Unternehmen jetzt durchhalten, können sie wichtige Marktanteile erlangen.

Die Einnahmen aus dem Stahlexport waren zuletzt für 7,7 Prozent aller türkischen Ausfuhren verantwortlich. Der Sektor ist wichtig für die Industrie, und damit auch für die Regierung in Ankara. Gleichzeitig ist Stahl als Grundprodukt für viele europäische Wirtschaftszweige unentbehrlich, etwa für den Autobau oder die Baubranche.

Im Zuge der Corona-Pandemie sind die Exporte der Türkei eingebrochen. Im März lag das Leistungsbilanzdefizit der türkischen Ökonomie bei 4,92 Milliarden US-Dollar. Das waren 4,8 Milliarden Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Die Regierung in Ankara setzt alles daran, die Unternehmen des Landes zu unterstützen, damit Exporterlöse ins Land fließen. Die EU-Kommission könnte dem nun einen Riegel vorschieben.

Mehr: Warum die Tourismusbranche in der Türkei auf eine Erholung hofft

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