Durchbruch auf dem Gipfel in Brüssel EU einigt sich mit Türkei auf Flüchtlingsabkommen

Die EU und die Türkei haben sich auf ein Abkommen verständigt. Damit soll der Flüchtlingsstrom nach Europa gebremst werden. Schon ab Sonntag werden Migranten aus Griechenland in die Türkei zurückgeschickt.
Update: 18.03.2016 - 17:13 Uhr 25 Kommentare
Die EU will nun in der Flüchtlingskrise an einem Strang ziehen. Quelle: AP
EU-Gipfel einigt sich

Die EU will nun in der Flüchtlingskrise an einem Strang ziehen.

(Foto: AP)

BrüsselDer EU-Gipfel hat nach zweitägigem Ringen den Flüchtlingspakt mit der Türkei gebilligt. Die 28 EU-Staats- und Regierungschefs und der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hätten die Vereinbarung „einstimmig“ angenommen, teilte EU-Ratspräsident Donald Tusk am Freitag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Türkei gegen eine Reihe von Gegenleistungen ab Sonntag alle neu in Griechenland ankommenden Flüchtlinge zurücknimmt.

Die EU spricht von irregulären Migranten – de facto meine das aber fast alle an den griechischen Ägäis-Inseln ankommenden Menschen, sagten Diplomaten. Es solle keine Massenabschiebungen geben, sagte ein Diplomat. Griechenland solle jeden Einzelfall prüfen.

Laut der Abschlusserklärung hat die EU insgesamt 72.000 Plätze zur legalen Aufnahme von Syrern aus der Türkei angeboten. Falls diese Zahl überschritten werde, solle die Regelung zunächst ausgesetzt werden, berichtete der Diplomat. Der Pakt sieht vor, dass für jeden syrischen Flüchtling, den die Türkei zurücknimmt, ein anderer Syrer aus dem Land auf legalem Wege in die EU kommen kann.

Demonstranten kritisieren das geplante EU-Türkei-Abkommen in der Flüchtlingskrise. Quelle: AFP
Proteste in Brüssel

Demonstranten kritisieren das geplante EU-Türkei-Abkommen in der Flüchtlingskrise.

(Foto: AFP)

EU-Ratspräsident Tusk hatte mit weiteren EU-Vertretern und Davutoglu am Freitagvormittag über verhandelt. Am frühen Nachmittag kamen dann die 28 EU-Staats- und Regierungschefs zusammen, um das Ergebnis zu bewerten. Sie hatten sich in der vergangenen Nacht bereits auf eine gemeinsame Verhandlungsposition verständigt, obgleich eine Reihe von Fragen offen blieb.

Ankara hatte der EU beim letzten Brüsseler Gipfel überraschend angeboten, alle neu auf den griechischen Inseln eintreffenden Flüchtlinge zurückzunehmen. Im Gegenzug soll die EU für jeden so abgeschobenen Syrer einen syrischen Flüchtling aus der Türkei auf legalem Wege einreisen lassen. Außerdem verlangte Ankara das Ende des Visazwangs für türkische Bürger ab Juni und die Ausweitung der EU-Beitrittsverhandlungen.

Ein besonders schwieriger Punkt bei den Verhandlungen war die Ausweitung der Beitrittsverhandlungen. Der Gipfel-Kompromiss sieht nun vor, dass bis Ende Juni der Verhandlungsbereich 33 („Finanz- und Haushaltsbestimmungen“) geöffnet werde, berichtete der Diplomat.

Was Ankara in den Verhandlungen durchsetzte
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25 Kommentare zu "Durchbruch auf dem Gipfel in Brüssel: EU einigt sich mit Türkei auf Flüchtlingsabkommen"

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  • Ein Kuhhandel wie er im Buche steht...

    Freue mich auch schon auf die nächsten Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, sowie auf die Bundestagswahl 2017.

  • Und nur nochmal der Vollständigkeit halber. Ohne Zaun in Mazedonien gäbe es gar niemand zum zurückschicken. Denn dann wären die alle in einer Endloskarawane auf der Balkanroute bereits zu uns unterwegs. Merkel profitiert also jetzt von einem Zaun den sie selber abgelehnt hat.

  • Ich fürchte, wir werden von Menschen regiert, die selten an die frische Luft kommen - anders kann ich mir manches nicht erklären !

  • Jedes Land hat die Regierung, die es verdient! Merkel ist nicht durch einen Putsch an die Regierung gekommen!

  • Was ist eigentlich mit den 160.000 die noch in der EU umverteilt werden sollten und von denen irgendwie so um die 328 bisher verteilt wurden? Kommen die 72.000 da oben drauf? Und wird das dann genau so erfolgreich umverteilt wie bisher, also gar nicht?
    Das muß doch auch alles umgesetzt werden. Aber von wem? Da müssen in Ämtern und Behörden Menschen sitzen und entscheiden!!! Da stelle ich mir so einige Länder in der EU vor in deren Behörden erstmal gar nichts entschieden wird. Das ist einfach, denn dann wird auch kein Flüchtlnig aufgenommen werden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie achlich.

  • Ja. genauso stelle ich mir das auch vor. Und Merkel verkauft den depperten Deutschen das dann als "europäische Lösung". Eine Schande, was hier läuft.

  • Ja, so ungefähr. Da eine Verteilung der Flüchtlinge noch nicht geregelt ist, erfolgt sozusagen eine Zwischenlagerung zunächst in der BRD und eine spätere Auslagerung wird nicht oder nur alibihalber zu einem kleinen Bruchteil erfolgen. Gleicher Erfolg für Merkel wie immer, nämlich keiner.
    Freuen wir uns, daß der Alterspyramide somit wirksam begegnet ist.
    Ärgern wir uns, daß trotzdem der Niedergang nicht aufzuhalten ist.
    Bald wird die BRD nicht wieder zu erkennen sein, denn die Bevölkerungsexplosion wird auch hier stattfinden.

  • Bravo, ein Sieg auf der ganzen Linie, für die Türkei. Ich bin auf die Bilder und Schlagzeilen gespannt, wenn die Illegalen Zwanderer in die Türkei zurück gebracht werden. Ob die sich das so einfach gefallen lassen werden?

  • m Gegenzug soll die EU für jeden so abgeschobenen Syrer einen syrischen Flüchtling aus der Türkei auf legalem Wege einreisen lassen.

    Was hat die EU ins besondere Dtl. damit gewonnen, statt illegale kommen dann legale „Syrer“ und was ist mit allen anderen die bereits hier sind und mit dem Rest der Illegalen aus anderen Ländern, (Irak, Afghanistan u.a.??), denn die werden sich auch in Zukunft nicht vom Kommen abhalten lassen. Es müssen weniger in der Summe kommen, ob Syrer oder Andere und mehr abgeschoben werden.
    Nach einigen Monaten eher früher wird sich die TR dann melden: „Wir brauchen mehr Geld die Kosten sind höher als gedacht und für 6Mrd. nicht zu schaffen die Kosten sind leider bedeutend höher.“

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