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Ebola-Hilfe „Die Belastung ist extrem hoch“

Regine Reim hat mehr Angst vor den Straßen in der Eifel als vor ihrem Einsatz im Ebola-Krisengebiet: Die 46-Jährige fliegt als freiwillige Helferin nach Liberia. Ein Gespräch über Risiken, Furcht und den letzten Willen.
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Regine Reim fliegt bald ins Ebola-Krisenland Liberia.
Vor Ort helfen

Regine Reim fliegt bald ins Ebola-Krisenland Liberia.

DüsseldorfInsgesamt 22.500 Menschen erkrankten bislang an Ebola, 9000 raffte die Epidemie dahin. Ein Drittel aller Erkrankten starb in Liberia. Genau dahin will Regine Reim. Sie ist eine von 1105 Freiwilligen, die sich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) für einen Einsatz im Ebola-Gebiet gemeldet haben. Ihr Lebenspartner Mario Lennartz war bereits im November 2014 im Ebola-Einsatz in Sierra Leone.

Die 46-Jährige wird in der liberianischen Hauptstadt Monrovia das Behandlungszentrum des DRK bei der Bekämpfung des Ebola-Virus und anderen schweren Infektionskrankheiten unterstützen. Der Einsatz ist wichtig. Denn obwohl die Ebola-Kranken gerade in Liberia weniger werden, ist die Zahl der Neuinfektionen in ganz Afrika in diesem Jahr zum ersten Mal wieder gestiegen.

Im Kampf gegen das Ebola-Virus starben bereits mehrere Helfer. Sie haben sich freiwillig gemeldet. Wie begegnen Sie diesem Risiko?
Mit einem gewissen Respekt, aber ohne Angst, weil ich weiß, wie genau und gewissenhaft gearbeitet wird. Das heißt: Vor Ort wird alles getan, um eine Infektion der Helfer zu vermeiden. Das beruhigt, vor allem wenn man es am konkreten Beispiel mitbekommt.

Haben Sie ein spezielle Trainings für den Einsatz im Ebola-Gebiet durchlaufen?
Ja, ich habe über die letzten zwei Jahre an verschiedenen Trainings des Deutschen Roten Kreuzes teilgenommen, die sich speziell auf die Themen Trinkwasseraufbereitung, Seuchenvorsorge und sogenannte Hygiene-Promotion beziehen. Außerdem werde ich am kommenden Wochenende ein dreitägiges Ebola-Training am Missionsärztlichen Institut in Würzburg absolvieren.

Was wird Ihre genaue Aufgabe in Liberia sein?
Ich werde als Koordinatorin für „Infection Prevention and Control“ (IPC) tätig sein und für Hygiene und Desinfektion zuständig sein. Ich schule Techniker, das Pflegepersonal und Hygieniker im Umgang mit Ebola und anderen schweren Infektionskrankheiten. Außerdem stimme ich mich mit anderen Organisationen vor Ort ab und muss den einen oder anderen Bericht schreiben – sozusagen eine gesunde Mischung aus verschiedensten Tätigkeiten.

Worum geht es dabei genau?
Zu meinem Bereich gehören die richtige Handhabung der Schutzkleidung, die Entsorgung virusverseuchten Materials, die Desinfizierung der Station und die Dosierung von Chlorlösungen zur Desinfizierung. Im Endeffekt geht es dabei um die Begleitung und Kontrolle aller Abläufe, bei denen potenziell ein Krankheitserreger übertragen werden kann. Viele dieser Tätigkeiten werden von örtlichen Kräften übernommen. Ich werde als Koordinatorin die Mitarbeiter unterstützen und anleiten. Außerdem ist es meine Aufgabe, Berichte zu schreiben und die Gesamtsituation im Blick zu haben.

Die Helfer vor Ort sind im Dauereinsatz. Ist es überhaupt möglich, unter diesen Umständen in jedem Moment haargenau auf jede Kleinigkeit zu achten?
Nein, das ist nicht möglich. Die Leute vor Ort sind seit Monaten im Einsatz. Wenn man das seit Monaten macht, schleichen sich Fehler ein oder zumindest die Wahrscheinlichkeit dafür steigt. Das ist ganz normal. Da ist man mit einem frischen Blick von außen durchaus eine Hilfe.

„Jetzt gilt es, die Menschen vor Ort nicht schlagartig alleine zu lassen“

Die „Robert Koch“ startet ihre Rettungsmission
Evakuierungsflugzeug «Robert Koch»
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Deutschland verfügt ab sofort über ein Rettungsflugzeug zum Transport von Ebola-Patienten. Ein entsprechend umgebauter Lufthansa-Airbus wurde am heutigen Donnerstag in Dienst gestellt.

(Foto: dpa)
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Nach Angaben der Lufthansa handelt es sich um das weltweit bislang erste Evakuierungs-Flugzeug, in dem schwerkranke Ebola-Patienten während des Flugs umfassend intensivmedizinisch betreut werden können. Die bisher im Einsatz befindlichen Flugzeuge sind kleiner und bieten deshalb keine vergleichbaren Behandlungsmöglichkeiten

(Foto: AFP)
Evakuierungsflugzeug «Robert Koch»
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„Wir müssen zugeben, dass wir als internationale Staatengemeinschaft ein wenig zu spät gekommen sind. Umso mehr sind wir gefordert, jetzt das uns Mögliche zu tun“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (l.), hier mit Gesundheitsminister Hermann Gröhe bei der Besichtigung der Maschine.

(Foto: dpa)
Evakuierungsflugzeug «Robert Koch»
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Der Airbus A340-300 „Robert Koch“ ist ein knapp 64 Meter langes Langstreckenflugzeug, das vorher im normalen Flugbetrieb unterwegs war und von den Technikern der Lufthansa für seinen neuen Einsatzzweck umgebaut wurde. An der Entwicklung war neben der Bundesregierung und der Lufthansa auch das Robert-Koch-Institut beteiligt.

(Foto: dpa)
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Die Passagiersitze und die übrige Kabineneinrichtung wurden entfernt und durch eine „Patient Transport Isolation Unit“ ersetzt. Dabei handelt es sich um eine Art fest im Innenraum verbautes luftdichtes Spezialzelt mit vorgelagerten Schleusenzelten für Mediziner und Pflegepersonal. Diese arbeiten im Inneren der Isoliereinheit in Schutzanzügen.

(Foto: AFP)
huGO-BildID: 40477610 View into a special tent in the medevac plane "Robert Koch" for Ebola patients which was unveiled by the German gover
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Innerhalb des Zeltes kann ein Ebola-Patient wie in einer Spezialklinik durchgehend intensivmedizinisch betreut werden, ohne dass die übrige Besatzung gefährdet wird oder Erreger entweichen können. Daneben bietet das Flugzeug Platz für bis zu 19 Begleiter, etwa Techniker für die Spezialausrüstung, Behördenvertreter und Ärzte.

(Foto: ap)
Frank-Walter Steinmeier, Hermann Groehe
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Die Bundesregierung hat das Evakuierungsflugzeug bei der Lufthansa zunächst für sechs Monate geleast mit der Option auf drei Monate Verlängerung. Das Flugpersonal stellt die Lufthansa. Mehr als 700 Piloten und Flugbegleiter hätten sich freiwillig für den Einsatz gemeldet, teilte das Unternehmen mit.

(Foto: ap)

Wie nahe werden Sie mit Ebola-Kranken in Kontakt kommen?
Aktuell sind die Ebola-Infektionen in Liberia erfreulicherweise gesunken. Im Behandlungszentrum des DRK in Monrovia werden derzeit keine Ebola-Kranken aufgenommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit Ebola-Patienten in Kontakt komme, ist also gering. Ganz ausschließen kann man das aber nicht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass das DRK-Zentrum mit anderen schweren Krankheiten konfrontiert wird.

Was sind das für Krankheiten?
Das sind Infektionskrankheiten, die genauso gefährlich sind wie das Ebola-Virus, etwa Cholera, Malaria, Lassa- und Dengue-Fieber. Oder nehmen Sie zum Beispiel das Lassafieber. Das ist ein Virus, das hier in Deutschland in Hochsicherheitslaboren behandelt werden muss.

Das heißt, Sie kommen wahrscheinlich gar nicht mit Ebola-Patienten in Kontakt?
Jein, denn es kommen verschiedene Patienten zur Behandlung in das DRK-Zentrum in Monrovia. Um welche Erkrankung es sich dabei genau handelt, kann man vor der Behandlung nicht genau sagen. Das heißt: Es besteht schon die Möglichkeit, dass ich in Kontakt mit einem Ebola-Patienten komme.

Wieso ist es wichtig, dass das DRK ein Behandlungszentrum eingerichtet hat, obwohl dort derzeit keine Ebola-Kranken aufgenommen werden?
Es ist wichtig, selbst wenn derzeit keine Ebola-Kranken dort behandelt werden. Die Behandlung von schweren Nicht-Ebola-Infektionskrankheiten wie Cholera, Malaria, Lassa- und Dengue-Fieber ist mindestens genauso wichtig. Jetzt gilt es, das angeschlagene Gesundheitssystem Liberias wieder zu stärken und die Menschen vor Ort nicht schlagartig alleine zu lassen.

Zuletzt stiegen die Ebola-Neuinfektionen in ganz Afrika wieder. Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko bei Ihnen?
Gering. Erstens bin ich geschult, zweitens arbeiten wir mit Schutzkleidung und drittens stehen die Abläufe, zum Beispiel beim An- und Ausziehen, unter genauer Kontrolle. Ich darf mich nicht allein ausziehen. Es steht immer jemand daneben, um sicherzustellen, dass ich nicht unbeabsichtigt Fehler begehe, die eine Infektion ermöglichen könnten.

Wie ist es, in den Tropen täglich mit einem Schutzanzug aus dickem Kunststoff arbeiten zu müssen? Haben Sie dafür ein besonderes Training bekommen?
Ja, ich habe eine spezielle Vorbereitung durchlaufen. Zum einen eine tropenmedizinische Untersuchung und zum anderen die sogenannte G26. Das ist eine Untersuchung, die zum Beispiel für Taucher und Feuerwehrleute vorgesehen ist und die Arbeit mit Schutzgeräten simuliert. Außerdem wird der Umgang mit dem Schutzanzug im dreitägigen Ebola-Training noch einmal intensiv geübt. Dann werden auch die Hitzebedingungen für den Ernstfall simuliert.

„Wer soll gehen, wenn nicht ich?“

Die Ebola-Helfer aus Deutschland
Ebola Training Würzburg
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Zwei Tage Training in Würzburg (Foto) oder im schleswig-holsteinischen Appen sollen die Helfer aus Deutschland fit machen für den Einsatz in Westafrika.

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Einer von ihnen ist der 47-Jährige ist schon lange beim Roten Kreuz aktiv. Der Auslandseinsatz in Westafrika, zu dem er am Samstag aufbricht, ist sein dritter.

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Kein Millimeter Haut bleibt unbedeckt: Diplom-Ingenieur Mario Lennartz beim Training für seinen Einsatz im Ebola-Gebiet.

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Haiti Krankenhaus nach Erdbeben Luftbild
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Mario Lennartz hatte bereits zwei Auslandseinsätze: In Pakistan – und Haiti, wo er nach dem Erdbeben 2010 beim Aufbau eines Krankenhauses half.

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In Pakistan stellte Lennartz gemeinsam mit zwei weiteren Deutschen und vielen einheimischen Kräften die Trinkwasserversorgung für eine ganze Stadt wieder her.

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In Rajanpur in Pakistan leistete Lennartz außerdem noch Aufklärungsarbeit. Der Ingenieur ist in Bonn beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) angestellt.

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Wie werden Sie vor Ort leben? Ist ein normales Leben eigentlich möglich oder sind Sie den ganzen Tag im Einsatz?
Die Helfer vor Ort werden in Schichten eingeteilt. Die Belastung ist extrem hoch – mental und körperlich. Zwölf Stunden durcharbeiten, das geht dort nicht. Außerdem werden die Einsätze im Schutzanzug genauestens beobachtet. Keiner bleibt länger als eine Stunde im Schutzanzug. Meine genauen Arbeitszeiten kenne ich aber noch nicht.

Sie sagen, die Belastung sei extrem hoch. Das schreckt viele Helfer ab. Warum haben Sie sich freiwillig gemeldet?
Ich habe die Ausbildung dafür über Monate hinweg erworben, ich habe keine Kinder und mein Lebenspartner ist auch als Helfer vor Ort gewesen. Das heißt: Ich weiß aus erster Hand, was mich erwartet. Außerdem habe ich bereits im Ausland in der Entwicklungszusammenarbeit gearbeitet. Insofern stelle ich mir die Frage: Wer soll gehen, wenn nicht ich?

Jetzt sind Sie meiner Frage ausgewichen und haben eher Ihre Voraussetzungen beschrieben. Mich würde aber interessieren, wie Ihre Familie dazu steht. Was passiert da emotional bei Ihnen, bevor Sie in das Ebola-Gebiet fliegen?
Eigentlich war mir schnell klar, dass ich vor Ort helfen will. Insofern war es von Beginn an eine rationale Entscheidung, die ich mit meiner Familie und meinem Partner besprochen habe. Ich schaue nicht nur zu und will was tun. Es ist sehr befriedigend für mich, sagen zu können: Ich schaue nicht weg, ich tue wirklich was. Deswegen fahre ich dorthin.

Was ist, wenn Sie sich selbst infizieren?
Sowohl bei einer Infektion als auch bei dem schlichten Verdacht wird man sofort aus dem Dienst genommen. Dann wird man sofort getestet, um schnell Gewissheit zu haben. Außerdem gibt es eine medizinische Evakuierung. Wenn sich also ein Verdacht bewahrheitet, werden wir ausgeflogen.

Trotzdem könnte es dann schon zu spät sein. Haben Sie sich mit dem Gedanken auseinandergesetzt, zum letzten Mal ihre Liebsten zu sehen?
Natürlich. Vor einer halben Stunde habe ich mein Testament geschrieben und Vorsorgevollmachten erteilt. Das muss man in petto haben. Andererseits ist das Risiko, auf der Straße überfahren zu werden, größer als das Risiko, was ich vor Ort haben werde. Die Straßen in der Eifel sind gefährlicher.

Ebola ist also eine diffuse Angst in Europa und in Liberia mittlerweile unter Kontrolle?
Wenn man alle Vorsichtsmaßnahmen befolgt, dann ist Ebola auf jeden Fall kontrollierbar und die sinkenden Neuinfektionszahlen zeigen das. In Europa herrscht bei Ebola-Panik und ein deutliches Nicht-Wissen.

Spenden an das Deutsche Rote Kreuz für die Ebola-Hilfe an das Konto: IBAN DE63370205000005023307; BFSWDE33XXX (Bank für Sozialwirtschaft) oder alternativ an das Konto 41 41 41, Bankleitzahl 37020500 mit dem Stichwort Ebola.

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