Container im Hamburger Hafen

Container-Umschlag in Hamburg: Nach dem Ausblick der OECD wird sich das weltweite Wachstum in diesem und im kommenden Jahr fortsetzen.

(Foto: dpa)

Economic Outlook OECD stellt sich gegen Wachstums-Pessimisten und fordert mehr Steuern auf Besitz und Vermögen

Die OECD stemmt sich gegen den verbreiten Pessimismus und prophezeit ein weltweites Wachstum. Die Volkswirte benennen aber auch einige Risiken.
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ParisDie Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD), der Think Tank der 37 reichsten Länder der Erde, stellt sich gegen den verbreiteten Pessimismus. Die Volkswirte sagen für 2018 ein stärkeres weltweites Wirtschaftswachstum voraus.

Von 3,7 Prozent im vergangenen Jahr werde es auf 3,8 ansteigen und 2019 gar 3,9 Prozent betragen. Getragen wird der Aufschwung von den USA, Russland und großen Schwellenländern wie Brasilien, Indien, Indonesien und Mexiko.

Aussichten für die Euro-Zone

Etwas schwächer wird die Konjunktur den Volkswirten der in Paris ansässigen Organisation zufolge in der Euro-Zone, in China und Japan verlaufen. Einen dramatischen Einbruch sehen sie nicht, eher einen leichten Rückgang auf ordentlichem Niveau: In der Euro-Zone werde die Rate 2,6 Prozent in 2017 über 2,2 auf 2,1 Prozent in 2019 sinken.

Deutschland werde dem Durchschnitt folgen, Frankreich mit 1,9 Prozent in den Jahren 2018 und 2019 darunterliegen. Recht skeptisch ist die OECD für Italien, wo sie nur noch 1,4 Prozent in diesem und 1,1 Prozent Wachstum im nächsten Jahr sieht. In China werde die Rate 6,7 und 6,4 Prozent betragen.

Risiken und Herausforderungen

So zuversichtlich die Organisation auch ist, so klar klingt dennoch ihre Warnung: es gebe „große Risiken in den kommenden Jahren, durch den Ölpreis, zunehmende Handelsspannungen und die Schwankungen auf den Finanzmärkten.“ Steigende Zinsen würden eine große Herausforderung für hochverschuldete Länder, Haushalte und Unternehmen bilden.

Konsequenterweise erwartet der Think Tank, dass sich der weltweite Austausch von Gütern und Dienstleistungen abschwächen wird. Im vergangenen Jahr hatte sich das Wachstum des Welthandels fast verdoppelt, auf fünf Prozent. Im laufenden werde es knapp darunterliegen und 2019 noch bei 4,5 Prozent, erwarten die Volkswirte.

Die Fiskalpolitik stützt das Wachstum: In fast allen Regionen der Welt hat sie sich im vergangenen Jahr gelockert, und das wird sich auch im laufenden so fortsetzen. Dagegen könnten ein steigender Ölpreis und die steigenden Zinsen das Tempo der Expansion drücken.

Was die Verschuldung von Unternehmen außerhalb des Finanzsektors angeht, stechen zwei Länder hervor, China und Frankreich. In China entspricht die Schuldenlast der Unternehmen 160 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes, in Frankreich immerhin 135 Prozent. Der G20-Durchschnitt liegt bei 95 Prozent, in Deutschland sind es 55 Prozent. Der Unternehmenssektor von China und Frankreich ist also äußerst verwundbar durch einen Anstieg der Zinsen.

Die OECD warnt auch vor der Gefahr von Schocks durch die verstärkte finanzielle Integration: Die Summe der ausländischen Guthaben und Verbindlichkeiten beläuft sich auf fast 250 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung; das ist fast derselbe Wert wie vor der Finanzkrise.

Einmal mehr äußert sich die OECD besorgt darüber, dass die Globalisierung „inklusiver“ ablaufen müsse, also allen zu Gute kommen müsse. Doch dann wiederholt sie die altbekannten Rezepte: Handelsschranken senken, Strukturreformen beschleunigen, bessere Bildung, Regulierung vereinfachen, Abgabenbelastung von Beziehern niedriger Einkommen senken. Nicht falsch, aber einfach nicht ausreichend, wenn der Generalsekretär Angel Gurría selbst sagt, man habe sich in der Vergangenheit „zu wenig darum gekümmert, dass die Globalisierung ungerecht abläuft“.

Mehr Steuern auf Besitz und Vermögen

Immerhin schwimmt die OECD mit einer Forderung gegen den Strom: Sie verlangt, mehr Steuern auf Besitz und Vermögen zu erheben. Weltweit zeigt sich ein gegenläufiger Trend, die Belastung von Vermögensbesitzern nimmt eher ab. Erst im vergangenen Jahr hat Frankreich die Vermögensteuer weitgehend abgeschafft.

Die gesunkene Arbeitslosigkeit in den USA, Kanada, Deutschland, Polen, der tschechischen Republik und Ungarn führt der OECD zufolge bereits zu Knappheiten auf dem Arbeitsmarkt. Der Lohnanstieg beschleunige sich, bleibe insgesamt aber noch maßvoll. Die EU ist im Vergleich zu den USA und Japan der Wirtschaftsblock mit dem geringsten Anteil der Erwerbsbevölkerung an der arbeitsfähigen Bevölkerung, dennoch ist die Arbeitslosigkeit hier deutlich höher.

In ihren Bemerkungen zur Bundesrepublik erwartet die OECD eine leicht expansive Finanzpolitik. Angesichts der stark wachsenden Staatseinnahmen werde der Budgetüberschuss aber bleiben. Die Organisation rät Deutschland dazu, deutlich mehr auszugeben für Investitionen in schnelles Internet, öffentliche Verkehrsmittel mit geringen Emissionen und für das Bildungssystem. Alle drei Ansätze würden die Produktivität steigern und damit der alternden Republik nützen. Bezieher niedriger Einkommen sollten kräftiger entlastet werden. Erhöhen solle Deutschland dagegen die Umweltsteuern und Abgaben auf Immobilien.     

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