Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Efraim Halevy im Interview Ex-Mossad Chef: Verschärfung der Iran-Sanktionen ist ein Schritt in die falsche Richtung

Der ehemalige Chef des israelischen Geheimdiensts sieht Verhandlungswillen aus Teheran. Die Politik der USA hingegen kritisiert Halevy scharf.
Kommentieren
Ex-Mossad Chef Efraim Halevy: „Teheran will den Dialog“ Quelle: Remko De Waal/EPA/REX
Efraim Halevy

„Der Druck auf der Straße nimmt zu. Die Bevölkerung will ein Ende der Sanktionen.“, so der Ex-Mossad Chef.

(Foto: Remko De Waal/EPA/REX)

Im Tel Aviver Arbeitszimmer von Efraim Halevy hängt ein Kalender, auf dem Dutzende von Tagen markiert sind. Jedes Zeichen bedeute eine Aktion des Mossad, sagt Halevy. Die meisten würden so perfekt ausgeführt, dass sie in der Öffentlichkeit nicht bekannt würden, so Halevy.

Jahrzehntelang stand der Jurist im Dienst des wohl legendärsten Geheimdienstes, den er vier Jahre lang bis 2002 auch leitete. Israel ist das Land, das den Iran mit am besten kennt – allein, weil der Mullah-Staat die größte Bedrohung für Israel darstellt. Trotzdem kritisiert Halevy die Iranpolitik des wichtigsten Verbündeten Israels, der USA.

Herr Halevy, der Iran will demnächst mehr Uran anreichern, als nach dem vor vier Jahren geschlossenen Atomabkommen erlaubt ist. Kritiker des Deals sehen sich bestätigt: Er taugt nichts.
Das sehe ich anders. Teheran will damit Druck auf die USA und auf Europa ausüben, um in einen Dialog zu treten.

Sehen Sie tatsächlich Anzeichen dafür, dass der Iran an einem Dialog mit dem Westen interessiert ist?
Ich bin mir da sicher. Die wirtschaftlichen Bedingungen im Iran verschlechtern sich. Und der Druck auf der Straße nimmt zu. Die Bevölkerung will ein Ende der Sanktionen.

Wie bringt man Teheran zurück an den Verhandlungstisch?
Indem das Land von US-Präsident Trump mindestens so respektvoll behandelt wird wie derzeit Nordkorea.

Trump hat aber die Sanktionen gegenüber dem Iran verschärft. Im Visier ist nun auch Revolutionsführer Ali Khamenei.
Das ist ein Schritt in die falsche Richtung.

Weshalb?
(aufgebracht) Was verspricht sich der Präsident davon? Dass sich Khamenei reumütig auf die Brust klopft und laut sagt, er habe gegen die USA gesündigt? Dass er Amerika um Verzeihung bittet und sich dann schuldbewusst zu Verhandlungen bereit erklärt, um einen Krieg zu verhindern? Ich glaube nicht, dass das hilfreich ist. Denn Trump hat den Konflikt personalisiert ...

… was das Risiko einer Konfrontation Ihrer Meinung nach erhöht?
Es erhöht die Gefahr, dass Entscheidungen gefällt werden, die unter anderen Umständen anders ausgefallen wären.

Immerhin reduzieren die Sanktionen die Finanzkraft des Staates und damit seine Fähigkeit, Terrororganisation wie die Hisbollah zu unterstützen.
Bis zu einem gewissen Grad haben Sie recht. Aber glauben Sie ja nicht, dass sich die Iraner deswegen von diesen Gruppen abwenden werden. Sie werden sie so lange unterstützen, bis der Iran mit den USA und der freien Welt ernsthafte Verhandlungen führen kann.

Solche Verhandlungen gab es allerdings bereits. Sie führten im Jahre 2015 zum Atomdeal, der eine Aufhebung der Sanktionen beinhaltete.
Bei diesem Abkommen ging es aber ausschließlich um die iranischen Nuklearaktivitäten. Andere Bereiche waren nicht Teil des Abkommens – weder Raketen noch Unterstützung für Terrorgruppen oder Cyberangriffe.

Höre ich da eine Kritik am Abkommen?
Es wurden mit Absicht Themen ausgeklammert. Israel war an den Verhandlungen zwar nicht beteiligt, hatte aber ebenfalls kein Interesse daran, dass die Gespräche mit dem Iran zu einem umfassenden Deal führen würden. Wer also heute behauptet, das Abkommen aus dem Jahr 2005 sei schlecht, weil es die Iraner nicht daran hindert, mit ihren Terrorangriffen fortzufahren oder das Raketenprogramm voranzutreiben, dem antworte ich: Das wurde überhaupt nicht diskutiert. Es war damals der Wunsch der freien Welt, die Nuklearfrage nicht mit anderen Themen zu vermischen. Das war wie gesagt auch die Position der israelischen Regierung, weil sie verhindern wollte, dass man mit dem Iran plötzlich auch über die Zukunft Syriens, des Libanon, der Hisbollah oder der Hamas verhandeln würde.

Premier Netanjahu hatte versucht, das Abkommen zu verhindern.
Ja, aber nicht er, sondern die USA haben es unterschrieben. Und zwei Jahre später hat Trumps Regierung beschlossen, sich aus dem Abkommen zurückzuziehen. Ich halte es, nachdem sich die USA vom Deal zurückgezogen haben, für unlogisch, jetzt den Iranern zu sagen: Wir verlangen von euch A, B, C, D und E – also Themen, die im bisherigen Abkommen nicht geregelt worden waren.

Trump und Netanjahu sagen, dass der Iran unter keinen Umständen eine Atombombe haben wird. Wie lässt sich das verhindern?
Das weiß ich nicht, und ich weiß nicht einmal, ob Trump oder Netanjahu wissen, wie sie das verhindern können.

In der Vergangenheit wurden in Jerusalem Militäroperationen diskutiert, um die Atomanlagen auszuschalten.
Israels Politik zielt darauf ab, alles zu unternehmen, um eine iranische Bombe zu verhindern. Aber wie das geschehen soll, wann es geschehen soll und ob man es im Alleingang oder zusammen mit anderen tun soll, ist offen.

Handelt die iranische Regierung aus Ihrer Sicht rational?
Natürlich handelt sie rational. Jede Regierung muss an das Wohl der Bürger und an die nationalen Interessen denken.

Wie erklären Sie es sich dann, dass die Regierung in Teheran in der Atomfrage nicht nachgibt, obwohl sie damit die Sanktionen verhindern und so das Los der Bevölkerung verbessern könnte?
Selbstverständlich könnte sie das. Aber ich meine, dass auch die USA ein Interesse daran haben müssten, den Iran an den Verhandlungstisch zurückzuholen. Doch wie bereits gesagt: Wenn die USA die Iraner und neuerdings sogar den Revolutionsführer erniedrigen, wird das kaum möglich sein.

Viele befürchten, dass es im Mittleren Osten zu einem Flächenbrand kommen könnte. Wie würde sich Israel in dieser Situation verhalten?
Solche Fragen sind hypothetisch. Denn wichtige Akteure, auch Trump, sind unberechenbar. Nur so viel: Israel hat kein Interesse an einem regionalen Krieg, ist aber sehr besorgt über die Art und Weise, wie sich Teheran aufführt. Doch die Iraner schauen derzeit auf die USA und weniger auf Israel.

Neulich trafen sich in Jerusalem die Sicherheitsberater Russlands, der USA und Israels. Wie beurteilen Sie die Position Moskaus in dieser Krise?
Russland ist am ehesten in der Lage, mit allen involvierten Playern einen Dialog zu führen, und hat von allen externen Mächten den größten Einfluss im Mittleren Osten. Die USA sind in der Region militärisch zwar stärker als Russland, haben aber bedeutend weniger Gewicht.

Herr Halevy, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Durch den Austritt aus dem Atomabkommen wollte Trump den Iran unter Druck setzen – und riskiert dadurch eine Eskalation im Mittleren Osten. Der US-Präsident hat seinen Zug nicht zu Ende gedacht, kommentiert Annett Meiritz.

Startseite

Mehr zu: Efraim Halevy im Interview - Ex-Mossad Chef: Verschärfung der Iran-Sanktionen ist ein Schritt in die falsche Richtung

0 Kommentare zu "Efraim Halevy im Interview: Ex-Mossad Chef: Verschärfung der Iran-Sanktionen ist ein Schritt in die falsche Richtung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote