„Eindeutige Mahnung“ Moody's entzieht Großbritannien Top-Rating

Nachdem die Börsen sich ins Wochenende verabschiedet hatten, fiel der Rating-Hammer auf Großbritannien: Wegen schwachen Aussichten, lahmem Wachstum und einem wachsenden Schuldenberg verlieren die Briten die Bestnote.
Update: 23.02.2013 - 04:35 Uhr 13 Kommentare
Das Moody's-Logo am New Yorker Hauptquartier der Rating-Agentur. Quelle: Reuters

Das Moody's-Logo am New Yorker Hauptquartier der Rating-Agentur.

(Foto: Reuters)

WashingtonGroßbritannien zahlt den Preis für eine hartnäckige Wirtschaftsflaute und ist erstmals in der Geschichte von einer großen Rating-Agentur herabgestuft worden. Moody's entzog dem Königreich am Freitag das wertvolle Spitzenrating „AAA“ und überreichte so gleichzeitig die Quittung für den explosiven Anstieg der staatlichen Verschuldung seit der Finanzkrise.

Damit schrumpft in der EU die Gruppe der „AAA“-Länder um Deutschland weiter - Frankreich hatte erst im vergangenen Jahr seine Bestnote eingebüßt. Für Finanzminister George Osborne und seinen unbeliebten Sparkurs ist das Urteil ein herber Rückschlag: Er war 2010 mit dem Versprechen gewählt worden, das Spitzenrating zu verteidigen. Die Opposition sprach von einer „Demütigung“ für Osborne.

Moody's bewertet die Bonität Großbritanniens nun nur noch mit der Note „AA1“. Damit könnten sich neue Kredite für das Land verteuern, falls die Finanzmärkte einen höheren Risikoaufschlag verlangen. Auch die USA haben im Zuge der Finanzkrise eine „AAA“-Note bereits verloren. Bei diesen beiden Ländern hatte der Schritt jedoch bislang keine größeren Auswirkungen auf die Kreditkosten.

Moody's erklärte am Freitagabend nach US-Börsenschluss, die britische Rückstufung erfolge auch wegen der anhaltenden Schwäche bei den mittelfristigen Wachstumsperspektiven des Landes. Diese werde wohl auch noch einige Jahre hinziehen.

Das liege an einer schwächeren Weltwirtschaft und den Folgen des Sparkurses von Regierung und Unternehmen. Gleichwohl mache die grundsätzlich vorhandene Wirtschaftskraft des Landes und ein politischer Wille eine finanzielle Konsolidierung in Großbritannien möglich. Der Ausblick für das neue Rating „AA1“ sei jedenfalls stabil.

Der britische Finanzminister George Osborne sagte, die Entscheidung von Moody's sei eine „eindeutige Mahnung“ bezüglich der Schuldenprobleme in Großbritannien und zugleich eine klare Warnung für alle, die dächten, sie könnten diesen Problemen ausweichen.

Für die Finanzmärkte kam die Nachricht nicht ganz überraschend: Neben Moody's hatten auch Standard & Poor's sowie Fitch Großbritannien bereits mit einem Entzug der Bestnote gedroht. Deshalb dürften sich die Kursreaktionen nach Einschätzung von Börsianern zum Handelsstart am Montag zunächst in Grenzen halten. Das Pfund reagierte bereits mit einem Wertverlust von knapp einem US-Cent auf 1,5160 Dollar.

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13 Kommentare zu "„Eindeutige Mahnung“ : Moody's entzieht Großbritannien Top-Rating"

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  • Bin mir nicht sicher, was mir unsympathischer ist.

    Das arrogante, kundenverdummende Geschäftsmodell der Ratingagenturen, die von dem was sie aussagen wollen, so gar keine Ahnung haben. Typisch amerkanischer, oberflächlicher Murks.

    Oder der Stolz der Inselbewohner, der vor einigen Jahrhunderten noch berechtigt gewesen sein mag. Die haben den Schuß noch immer nicht gehört.

    Und nun schießen die auch noch gegeneinander. Das wird spassig.

  • Das System beschei.t sich gegenseitig.
    Frisst sich selbst mit Haut und Haaren,- einige machen das mit Besteck, die anderen ohne. Das alles legal und in Nadelstreifen.

  • @Marco99
    Das Geschäftmodell ist nicht zu "verstehen", solange man glaubt, daß es wirklich um Bewertung geht. Es geht um Finanzmacht (und natürlich "im Kleinen" ums Geld verdienen, das Machtinstrument soll sich ja selbst tragen).

    Die Logik: die Ratingagenturen verbreiten nur "Meinungen" - wegen Meinungsfreiheit sind sie aber nicht haftbar zu machen. Gleichzeitig haben sie aber eine offizielle "Lizenz" der Regierungen, so daß z.B. Fondsmanager an diesen Bewertungen schon aus rechtlichen Gründen nicht vorbeikommen - egal was sie persönlich von diesen "Meinungen" halten, vermutlich nichts.

  • Fortsetzung:
    ... Zusammenfassend kann man wohl sagen, es läuft derzeit ein verzweifelter Kampf ums Überleben zwischen den Staaten (Bonds, Währung) und Banken(systemen)- auch dem kontinentaleuropäischen Block. Diesen Machtkampf können wir als unbedarfte Privatanleger nicht wirklich verstehen, und schon gar nicht auf Basis der HB-"Informationen". Also, besser in Deckung gehen.

  • @Mario53: Warum nur Moodys und warum so spät?

    Es ist klar, daß die Ratingagenturen ein rein politisches Instrument der anglo-amerikansichen Finanzmafia sind und daher ist die mangelnde Objektivität diesen Ländern gegenüber keine Überraschung sondern systematisch.
    Genauso übrigens wie die beiden angloamerikanischen Finanzzentren die Medien (jedenfalls die Finanzpresse) weltweit kontrollieren und die Nachrichtenagenturen und damit die jeweils aktuelle Markteinschätzung lenken. Kein Zufall, sondern Machtinstrument.

    Die Überraschung ist/war eher, daß S&P seinerseits die USA herabgestuft haben (ebenfalls alleine) - weswegen sie jetzt auch dort angeklagt wurden (formal natürlich nicht wegen der Herabstufung, sondern wegen anderer angeblicher Sünden -Strafe muß sein). Daher war S&P sicher nicht erste Wahl für einen Angriff auf die Kreditfähigkeit von UK, zumal die dort Einfluß zu haben scheinen. Fitch ist sowieso zu europäisch (französiche und englische Anteile).
    Moodys hingegen erscheint mir sowieso die "amerikanischste" der Ratingagenturen zu sein (dh. NY/mitBuffet kontrolliert mehr davon als die City), daher machen sie wohl jetzt bei UK den Anfang.

    Ich haben schon seit längerem den Eindruck, daß die Harmonie zwischen den beiden großen Finanzzentren massiv gestört ist, siehe unter anderem die Geldwäscheanklagen gegen vorwiegend City-kontrollierte Banken in den USA, siehe die EURO-Unterstützung aus den USA bei ständigem Quertreiben aus London (die "Örtlichkeit" muß nicht so streng gesehen werden, es ist mehr die Zugehörigkeit zur jeweiligen Bankmafiafamilien, die in der City bzw. NY/Washington jeweils dominieren).

  • Wer im großen Stil Ratings gegen Geld verkauft, muss für seine Produkte HAFTBAR gemacht werden. Und der Spuk ist ganz schnell vorbei

  • Ich werde nie verstehen, warum Organisationen derern Geschäftsmodell darin besteht, käufliche Produkte nach Kundenwunsch zu vertreiben "Ratings" genannt und die nachweislich bis zuletzt im Vorfeld der Finanzkrise in massivster Mittäterschaft gegen viel Geld ihre absurd falschen, von ihren Kunden - den Herstellern von Finanzprodukten - mit-entworfenen Ratings abgaben, überhaupt eine Bühne gegeben wird.

    Es ist so wie wenn wenn der albanische Gebrauchtwagenhändler um die Ecke zu seinem Arbeitskollegen geht und bei ihm ein Gutachten in Auftrag gibt, welches über die Kaufwürdigkeit eines seiner Autos Auskunft gibt. Und die lokale Stadtzeitung berichtet...darüber was für ein guter Kauf doch dieses Auto wäre. Und es wäre jetzt ein wenig billiger zu haben, weil es ja schon ein paar Tage steht. Sagt der Arbeitskollege. Laut des Gutachtens.

  • boah, na sowas aber auch!
    Wen interessiert das eigentlich noch?
    GB ist für mich schon lange auf Ramsch-Niveau, da ist ja Spanien besser, da helfen die alten Kolonien auch nicht mehr.
    Zeigt wohl eher das diesen Agenturen der Allerwerteste auf Grundeis geht, könnte ja sein das sie endlich mal ihre Existenzberechtigung unter Beweis stellen woll(t)en.

  • "When giants fall" ist ein langer geschichtlicher Prozess. Für Großbritannien dauert dieser Abstieg schon hundert Jahre und ist längst noch nicht zu Ende. Die USA sind auf dem Weg seit 1991. 9/11 war zwar nur ein Nadelstich, wird aber später in der Geschichtsschreibung als das Fanal der Wende gelten. Das timing hätte nicht besser sein können. Oder war es Zufall?

  • Ist diese Meldung erwähnenswert?

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