Einigung mit der Ukraine Russland dreht den Gashahn wieder auf

Durchbruch im Dauerkonflikt zwischen Russland und der Ukraine: Der Streit um Gaslieferungen ist beigelegt, beide Länder einigten sich auf ein Winterpaket. Kann die Ukraine es auch bezahlen?
Update: 31.10.2014 - 08:53 Uhr 14 Kommentare

Russland liefert für´s Erste bis 2015 Gas

BrüsselDer monatelange Streit um russische Gaslieferungen hat ein Ende: Die Ukraine und Russland haben sich auf die Versorgung für die Wintermonate geeinigt. Das sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am späten Donnerstagabend nach zweitägigen Marathonverhandlungen in Brüssel. Dabei geht es um die Gaslieferungen bis zum März 2015, um Preise und die Begleichung alter Schulden der Ukraine an Russland.

„Dies ist ein wichtiger Schritt für unsere gemeinsame Energiesicherheit auf dem europäischen Kontinent“, sagte Barroso. „Es gibt jetzt keinen Grund dafür, dass die Menschen in Europa es in diesem Winter kalt haben.“

Kurz vor dem Winter atmet Europa auf

Das Winterpaket soll die Gasversorgung der Ukraine – und damit letztlich auch Europas – sichern. Die Energieminister beider Länder sowie die Chefs der Versorger Gazprom und Naftogaz unterzeichneten gemeinsam mit Oettinger in Brüssel zwei entsprechende Abkommen. „Wir können den Bürgern Europas heute sagen: die Versorgungssicherheit ist gewahrt“, sagte Oettinger. Die Verhandlungen seien hart, aber sachorientiert gewesen. „Wir haben in kriegsähnlichen Zuständen klug gehandelt“, erklärte der CDU-Politiker.

Auch Russlands Energieriese Gazprom begrüßte die Beilegung des Gasstreits. Von dem „Kompromiss“ gehe die „klare Botschaft“ aus, dass Verträge eingehalten und Schulden beglichen werden müssen, erklärte der Konzern am Freitag. Mit der Einigung für die Wintermonate werde „mit etwas Glück ein neues, konstruktiveres Kapitel in den Gasbeziehungen zwischen der EU, Russland und der Ukraine“ aufgeschlagen.

Barroso mahnte: „Ich erwarte von allen Parteien, sowohl Lieferanten als auch Transitländern, dass die sich in vollem Umfang an die Regeln halten, die sie jetzt miteinander vereinbart haben.“ Der russische Minister Nowak beruhigte: „Ich will versichern, dass Russland immer ein verlässlicher Energieversorger für Europa und für andere Kunden gewesen ist, das ist es gewesen, und das wird es bleiben.“

Zur Begleichung alter Schulden soll die Ukraine bis Ende des Jahres 3,1 Milliarden US-Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) an den russischen Energieversorger Gazprom zahlen. Offen war bis zuletzt gewesen, wie das quasi insolvente Land seine Rechnungen begleichen kann.

Wie wird die Ukraine das Gas bezahlen?
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Einigung mit der Ukraine - Russland dreht den Gashahn wieder auf

14 Kommentare zu "Einigung mit der Ukraine: Russland dreht den Gashahn wieder auf"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Ukraine in der EU und in der NATO, das kostet eben. Die im Vergleich bankrotte »DDR« hat bisher 2 Billionen gekostet. Aber Deutschland ist dadurch wenigstens wieder »Groß« geworden und der Großdeutsche Traum vom Lebensraum im Osten wird endlich wahr und wir dürfen uns auf einen Ukraine-Soli freuen ;–))

  • Aber so hat es die EU doch gewollt.
    Wenn die EU von USA dazu gezwungen wurde, solle es die Hosenschei..er doch sagen.

  • "...dass die Menschen in Europa es in diesem Winter kalt haben..."
    --> falsch.
    Richtig wäre gewesen: ... dass einige Menschen in der Ukraine es in diesem Winter kalt haben...

    "...gehe die 'klare Botschaft' aus, dass Verträge eingehalten und Schulden beglichen werden müssen..."
    --> Richtig.

    Man merkt dass immer nur eine Seite Demogagie und Wortverdrehungen benutzt, die verschlagene Seite eben.

  • Sieg weil sie ihre verlorene Kohle von einem Pleitestaat wiedersehen. Wer wäre sonst so blöd gewesen Ukraine weitere Kredite zu geben. Das kann doch nur die EU sein.

    Jetzt gibts einen weiteren Staat dauerhaft zu alimentieren.

    Da ist Russland ihre Sorgen los auch weil die Lieferungen in den Westen nicht mehr gefährdet sind. Klaut wieder Ukraine dann kann Putin sagen, hey es ist euer Parter, redet mit ihm.

  • Um den Sachverhalt beurteilen zu können, fehlt in dem Bericht meines Erachtens die wichtigste Information:

    Welche Preise haben im Betrachtungszeitraum alle anderen Kunden von Gazprom bezahlt? Wie sieht das heute aus? Wäre schön das genauer zu wissen. Soweit ich mich erinnere, lag der Preis für die Ukraine höher als der Marktpreis.
    Ohne diese Informationen lässt sich diese Geschichte weder nachvollziehen noch vernünftig und sachlich kommentieren.


  • Ich stelle jetzt mal eine Rätselfrage:

    wer wird kurzfristig, mittelfristig und langfristig die Gasrechnung der Ukrainer übernehmen? Hmm?
    Richtig! Die EU bzw. schwerpunktmäßig der deutsche Steuerzahler!
    War nicht schwierig, nicht?

    Die ersten 500 Mio. € hat Merkel schon rübergewunken, verbrämt als "Bürgschaft", aber der Betrag ist schon mal versenkt.

    Für das Ukraine-Abenteuer der USA wird Deutschland noch lange und teuer bezahlen,

  • "Spiel, Satz und Sieg für Gazprom und Rußland."

    warum ist es ein Sieg für Gazprom oder für Russland? Als Gazprom würde ich überhaupt nicht mehr liefern. Wer mir 1 Jahr lang Geld schuldet (vergessen wir nicht, es geht um 5,3 Mrd.$ Schulden), der mich erpresst, meine Ware an andere Partner zu blockieren, dem würde ich nie im Leben was liefern!
    Gazprom wurde von der Regierung gezwungen dies zu tun, weil es Staatsinteressen betrifft und über die einzelne Unternehmensinteressen hinweg greift. Mehr auch nicht! Ich würde kein Tropfen liefern!
    Erst Schulden begleichen, dann bitte Vorauskassa! Ich muss auch meine Rechnungen zahlen. Oder möchte hier jemand ein Jahr lang umsonst arbeiten? Bitte meldet euch, stelle ich sofort ein! :-)))

  • .."die eigentlich für den Wiederaufbau bestimmt waren"...

    Sie sollten noch erwähnen "für Waffenkäufe verwendet werden".

  • Nachtrag - und Schalke kann aufatmen.

  • Spiel, Satz und Sieg für Gazprom und Rußland.

    Verlierer sind das ukrainische Volk, dessen Schulden immer größer werden, und die EU-Steuerzahler, die letztlich für die Gasrechnung aufkommen müssen.

    Denn das dürfte klar sein: Wenn jetzt bereits zugesagte Finanzhilfen für die Ukraine, die eigentlich für den Wiederaufbau bestimmt waren, für die Bezahlung der Gasrechnung zweckentfremdet werden, werden die Lücken früher oder später von der EU wieder aufgefüllt werden.

    Es paßt ins Bild, daß der Euro an den Devisenmärkten erneut einen Schwächeanfall erleidet. Ich vermute, daß irgendwann in absehbarer Zeit die Finanzmarktteilnehmer erkennen werden, daß der Euro eine Schuldenwährung ist, hinter der als "Sicherheit" nur ein ständig wachsender Schuldenberg (PIGS, Ukraine) steht.

Alle Kommentare lesen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%