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Eine Arbeiterin in einer Fabrik im chinesischen Hangzhou

In Chinas verarbeitendem Gewerbe ist die Stimmung auf einem Tiefpunkt.

(Foto: AP)

Einkaufmanagerindex Stimmung in Chinas Industrie fällt wegen des Coronavirus auf Rekordtief

Der wichtige Einkaufsmanagerindex PMI ist heftig abgesackt. Wie es um die Wirtschaft Chinas steht und mit welchen Restriktionen die Unternehmen derzeit kämpfen.
29.02.2020 - 11:03 Uhr Kommentieren

Peking Chinas Industrie ist infolge des Coronavirus noch stärker eingebrochen als erwartet. Der amtliche Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (PMI) sank im Februar auf 35,7 Punkte, wie das chinesische Statistikamt am Samstag mitteilte – und damit auf ein Rekordtief. Selbst während der Finanzkrise 2008/2009 war er nicht so tief gefallen. Im Januar lag er noch bei 50 Punkten. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten für Februar mit einem Abrutschen auf 46 Punkte gerechnet.

Der heftige Einbruch zeigt, wie stark die chinesische Wirtschaft bereits von der Coronavirus-Krise getroffen ist. Der staatlich ermittelte Index bildet vor allem die Einschätzungen von großen und staatlichen Unternehmen ab und wird monatlich ermittelt. Ein Wert über 50 zeigt eine Expansion an, während alles unter 50 auf eine Kontraktion hinweist.

„Der schlechteste PMI in China in der Geschichte wird die Märkte am Montag schockieren”, schreibt Iris Pang, die für China zuständige Volkswirtin der ING Bank.

Auch die anderen Indikatoren, die am Samstag von der chinesischen Statistikbehörde veröffentlicht wurde, sehen düster aus. So fiel der PMI für den Dienstleistungssektor im Februar auf 29,6 Punkte, nach 54,1 Zählern im Januar.

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    Bislang haben sich allein in China mehr als 79.000 Menschen mit dem Krankheitserreger angesteckt, mehr als 2800 Menschen sind an den Folgen der Erkrankung gestorben.

    Interessant wird es auch am Montag, wenn der Caixin PMI veröffentlicht wird, ein Indikator, der von einem privaten Medienunternehmen erhoben wird und mehr auf kleinere private Unternehmen fokussiert ist als der staatlich ermittelte offizielle PMI.

    Im Folgenden die wichtigsten Fragen und Antworten zur Krise und wie sie die Wirtschaft in China trifft.

    Wie steht es derzeit um die Wirtschaft in China?
    Die Wirtschaft in China leidet sehr unter der Krise. Bei vielen Unternehmen standen wochenlang die Geschäfte still, hinzu kommt der Rückgang beim Konsum. Manche Ökonomen rechnen mit einem Einbruch des Wirtschaftswachstums im ersten Quartal auf 3,5 Prozent. Im vierten Quartal 2019 hatte das Wachstum noch bei 6 Prozent gelegen. Je länger die Krise dauert, desto mehr Analysten korrigieren ihre Prognosen nach unten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet inzwischen, dass das Wirtschaftswachstum in China im Gesamtjahr um 0,3 Prozentpunkte einbrechen könnte. Da die Bedeutung des chinesischen Wirtschaftswachstums in den vergangenen Jahren insgesamt enorm gestiegen ist, wirkt sich das auch auf das Weltwirtschaftswachstum aus.

    Welche Branchen sind besonders betroffen?
    Neben den Industrieunternehmen hat die Krise besonders hart Unternehmen der Gastronomie- und Touristikbranche getroffen. Ihnen ist das wichtige Geschäft um die chinesischen Neujahrsfeiertage wegen der massiven Verunsicherung in der Bevölkerung entgangen. Auch jetzt haben die meisten Restaurants und Hotels geschlossen. Und die, die geöffnet haben, haben nur wenige Kunden.

    Auch die Autobranche ist von einem großen Nachfragerückgang betroffen. Laut einem Bericht des Branchenverbands PCA ist der Markt in den ersten beiden Februarwochen um 92 Prozent eingebrochen. Schon im Januar hatte der PCA von einem Minus von 22 Prozent berichtet. Der Verband erwartet für den gesamten Februar einen Rückgang des Marktes von rund 70 Prozent.

    Besonders hart trifft es die kleinen und mittleren Unternehmen in China, die häufig nicht über ausreichend Kapitalpolster verfügen, um solche Krisen zu überstehen. „Die kleinen und mittleren Unternehmen gehören wahrscheinlich zu den am stärksten exponierten Unternehmen“, heißt es in einer aktuellen Analyse der Ratingagentur Fitch. Große staatliche Unternehmen, die sich auf die Unterstützung der Regierung verlassen können, seien dagegen besser positioniert - selbst in Sektoren, in denen die Auswirkungen auf die Unternehmen erheblich sein könnten.

    Auch international hat die Krise Folgen: Viele Firmen sehen ihre Lieferketten bedroht. Laut einer aktuellen Umfrage der EU-Handelskammer gemeinsam mit der deutschen Außenhandelskammer sind inzwischen alle europäischen Unternehmen mit Geschäften in China von der Krise betroffen. Laut der Umfrage unter rund 600 Unternehmen sehen fast 60 Prozent sogar „schwere“ und weitere 30 Prozent „mittelschwere“ Folgen für ihr Geschäft in China. Fast die Hälfte der insgesamt 577 Teilnehmer der Befragung erwartet infolge der Krise einen Umsatzrückgang im ersten Halbjahr von bis zu 20 Prozent und darüber hinaus. 46 Prozent wollen ihre Gesamtjahresziele nach unten korrigieren.

    Mit welchen Restriktionen müssen die Unternehmen in China derzeit umgehen?
    Aufgrund der staatlichen Struktur ist das sehr unterschiedlich je nach Region. Die Zentralregierung in Peking gibt lediglich die grobe Richtung vor, wenn es um Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus geht. Welche Restriktionen sie im Einzelnen erlassen, entscheiden die Provinz- und Stadtregierungen weitgehend selbst.

    Schwierigkeiten bereitet den Unternehmen unter anderem der Transport von Waren durch China. Für die Beförderungen müssen spezielle Genehmigungen eingeholt werden. Zudem bereitet vielen Unternehmen die Regel Schwierigkeiten, dass Menschen, die in eine andere Provinz einreisen, zunächst 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden. EU-Handelskammer-Präsident Jörg Wuttke klagt über einen „Flickenteppich widersprüchlicher Regeln“. Die Reiserestriktionen und Quarantäneauflagen bereiten den Unternehmen auch Schwierigkeiten, weil so viele Mitarbeiter nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können.

    Grundsätzlich müssen überall spezielle Hygienemaßnahmen ergriffen werden, die zum Teil vorher überprüft werden, bevor die Firmen ihre Arbeit wieder aufnehmen dürfen. So geben die Provinzen und Städte vor, wie oft die Räume desinfiziert werden müssen und wie oft bei den Mitarbeitern die Temperatur gemessen werden muss. Unternehmen müssen regelmäßig berichten, wie häufig sie ihre Räume desinfizieren und welche Mitarbeiter bei ihnen ein- und ausgehen. Mancherorts sind Meetings komplett verboten.

    Welche staatlichen Hilfen gibt es für betroffene Unternehmen?
    China hat bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um vor allem kurzfristig mehr Liquidität in den Markt zu bringen. So wurden in den vergangenen Wochen mehrere Referenzzinssätze gesenkt, Banken werden dazu angehalten, großzügiger Kredite auszugeben und bei fälligen Forderungen ein Auge zuzudrücken.
    Den größten Hebel hat China aber noch nicht betätigt: Die Senkungen der Anforderungen bei den Mindesteinlagen („RRR“). Es wird aber erwartet, und ist auch bereits angekündigt, dass die chinesische Zentralbank die Anforderungen an die Mindestreserve senken wird. Je niedriger diese Mindesteinlagen sind, desto mehr Liquidität haben die Banken zur Kreditvergabe zur Verfügung – die sie dann an Unternehmen weitergeben können.
    Daneben gibt es viele Maßnahmen auf Provinzebene in China: So werden Unternehmen Sozialabgaben erlassen, Steuern dürfen später bezahlt werden, teilweise gibt es auch Subventionen für forschende Unternehmen und Mieterlasse.

    Wie wird es weitergehen?
    Das hängt davon ab, wie lange die Krise noch andauert und ob die Restriktionen in China noch weiter aufrechterhalten werden – und wie stark der Rest der Welt von dem Virus betroffen sein wird. Die oberste chinesische Führung hat die Maßgabe vorgegeben, dass die Provinz- und Stadtregierungen die Restriktionen so anpassen sollen, dass die Unternehmen zur Arbeit zurückkehren können. Laut Daten der Nationalen Statistikbehörde, die am Samstag veröffentlicht wurden, haben 85,6 Prozent der großen Produktionsunternehmen ihre Arbeit wieder aufgenommen. Experten geben dennoch keine Entwarnung. „Das ist nicht so positiv, wie es sich anhört“, schreibt Ing-Analystin Iris Pang. Selbst wenn sich die chinesische Fabrikproduktion im März erholen kann, bestehe die Gefahr, dass die Exportaufträge gering ausfallen werden. „Der Grund dafür ist, dass die Lieferkette weiterhin unterbrochen sein wird, diesmal in Südkorea, Japan, Europa und den USA, wo sich Covid-19 auszubreiten begonnen hat“, so Pang. Laut offiziellen Daten von Ende Februar sieht es bei den kleinen und mittelgroßen Unternehmen in China zudem noch schlechter aus. Demnach liegt deren Produktion derzeit nur bei rund einem Drittel.
    Vieles hängt auch davon ab, ob die Situation in China tatsächlich unter Kontrolle ist. In den vergangenen Tagen zeigt die Zahl der Neuinfizierte in China einen Abwärtstrend. Es ist jedoch die Frage, ob die Zahl der Neuinfizierten wieder steigt, sobald die Restriktionen zur Eindämmung des Erregers wieder großflächig aufgehoben werden. „Es besteht sicherlich die Möglichkeit, dass die Fallzahlen wieder steigen, wenn sich die politischen Maßnahmen ändert“, sagt Christl Donnelly, Professorin für statistische Epidemiologie am Imperial College London. Jeder Schritt in diese Richtung müsse daher sehr vorsichtig und sorgfältig überwacht werden.

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