Einreiseverbot Trump zerstört Träume von Somaliern

Salad Rage Salah wollte in den USA Lastwagen fahren. Das war seine Vorstellung von Freiheit nach seinem bisherigen Leben in einem Flüchtlingslager. Trumps Einreiseverbot hat seine Hoffnung zerstört.
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Salad Rage Salah lebt seit er zwei Jahre alt ist in Flüchtlingslagern in Kenia. Ende Januar hätte er in die USA fliegen sollen, nach einem jahrelangen Verfahren wurde sein Flug nach dem von US-Präsidenten Donald Trump eingeführtem Einreiseverbot abgesagt. Quelle: dpa
Einreiseverbot

Salad Rage Salah lebt seit er zwei Jahre alt ist in Flüchtlingslagern in Kenia. Ende Januar hätte er in die USA fliegen sollen, nach einem jahrelangen Verfahren wurde sein Flug nach dem von US-Präsidenten Donald Trump eingeführtem Einreiseverbot abgesagt.

(Foto: dpa)

Nairobi„Ich habe kein Leben, keine Hoffnung“, sagt Salad Rage Salah. Er sitzt in einem Transitzentrum in Kenias Hauptstadt Nairobi. Alles, was der 29-jährige Somalier noch besitzt, ist in einen Koffer gepackt. 25 Kilogramm. So viel hätte er in die USA mitnehmen dürfen.

Jetzt wird sein Gepäck nach Sprengstoffen durchsucht und abgewogen. Nicht für den Flug nach Kansas im US-Bundesstaat Missouri, sondern die Reise zurück in das Flüchtlingslager in Kakuma, im Norden Kenias. Nachdem US-Präsident Donald Trump ein Einreiseverbot für mehrere islamische Länder verordnet hat, sieht es für Somalier schlecht aus - trotz Visums.

Es geht ein wenig chaotisch zu auf dem Parkplatz des Geländes, das von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) geleitet wird. Mehr als 100 Flüchtlinge sind in dem Transitlager. Koffer werden in einen Lastwagen gehoben. Dann werden sie wieder herausgezerrt. Sie müssten noch einmal kontrolliert werden, sagt eine junge Somalierin erklärend und rollt mit den Augen.

Salah war zwei Jahre alt, als seine Eltern ihn aus Somalia nach Dadaab brachten. Dadaab ist das größte Flüchtlingslager der Welt im Nordosten Kenias. Derzeit leben dort nach Angaben der Vereinten Nationen rund 275 000 Menschen, die größtenteils aus Somalia stammen. Salah kam 1992, kurz nach dem Fall des Regimes von Siad Barre, als Somalia in einen blutigen Bürgerkrieg verfiel. 16 Jahre später wurde er umgesiedelt, in Kenias zweitgrößtes Flüchtlingslager nach Kakuma. Seine Eltern waren in Dadaab gestorben.

Christelle van Rosmalen vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Dadaab sagte bereits in der vergangenen Woche, dass alle IOM-Flüge für somalische Flüchtlinge gestrichen wurden. Für die kommenden Monate würden Verfahren zur Aufnahme von Flüchtlingen in den USA stillgelegt. Hinzu kommt, dass die kenianische Regierung plant, Dadaab in den kommenden Monaten aufzulösen.

Salah hätte bereits 2012 in die USA reisen sollen. Damals wie heute hatte er ein Ticket und wartete in Nairobi auf den Abflug. Dann gab es noch ein letztes Gespräch mit einem Arzt, um seinen Geisteszustand zu testen. „Er fragte mich so Dinge wie: „Wie viel sind 1000 minus 7? Und ich musste Gegenstände, die auf dem Tisch lagen, benennen“, erzählt er unter kopfnickender und murmelnder Bestätigung der Umstehenden. „Immer wieder.“

Er weiß nicht mehr, wie oft er die Worte Stift, Notizblock, Telefon, Computer, Stift, Heftklammer, Stift, Papier - wiederholt hat. Am Ende hätten sie ihm gesagt, dass er psychisch labil sei. Es ging wieder zurück nach Kakuma.

Die Umstehenden lachen. „Ich wurde auch für verrückt erklärt“, ruft ein anderer junger Mann und löst noch größeres Gelächter aus. Er habe Farben von Gegenständen zu langsam identifiziert - und manchmal habe er auch falsch geantwortet. Dass er farbenblind ist, habe er selbst nicht gewusst. Das neue Verfahren hätte wiederum Jahre gedauert.

Als Salah am nächsten Morgen aufbricht, ist es noch dunkel. In Kakuma wartet nichts auf ihn. Er habe Bekannten seine Bleibe überlassen, eine einfache Lehmhütte mit Wellblechdach, als er Kakuma am 23. Januar verließ, erzählt er.

Seither haben diese für ein paar Euro seine Matratze verkauft. Auch das Wellblechdach ist inzwischen weg. Er werde heute wohl auf dem Lehmboden schlafen, erzählt er nach seiner Ankunft in Kakuma am Telefon.

Seine Karte für Lebensmittelrationen habe er gleich bei der Ankunft in dem Flüchtlingslager wieder erhalten, ruft er gegen den Lärm im Hintergrund an. Hoffnung mache ihm das keine.

Die größten Krisenherde der Welt
Syrien
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Der Syrien-Krieg ist der wohl schlimmste Konflikt der Gegenwart. Eine friedliche Lösung ist noch nicht in Sicht. Die Unruhen haben im Frühjahr 2011 mit Protesten gegen den Staatspräsidenten Assad begonnen. Die zunächst friedlichen Demonstranten wehrten sich gegen die Unterdrückung durch das Regime und forderten mehr Freiheit. Seitdem kämpfen Anhänger der Regierung, die Opposition und auch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ um die Macht im Land. Mittlerweile sind bei dem Konflikt schon mehr als 250.000 Menschen ums Leben gekommen. Knapp zwölf Millionen Menschen haben ihr Zuhause verloren.

Irak
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Die Terrormiliz Islamischer (IS) Staat hat immer noch Teile des Irak unter ihrer Kontrolle. Die Befreiung des Landes vom IS ist laut dem dortigen UN-Gesandten Jan Kubis allerdings nicht mehr weit entfernt. Militäreinsätze gegen den IS würden „in der eher nahen absehbaren Zukunft“ zu einem Ende kommen, sagte Kubis vor dem Weltsicherheitsrat in New York. Die Tage der Terrororganisation seien gezählt. Das Land ist seit dem Sturz Saddam Husseins im Jahr 2003 destabilisiert. Die Vereinten Nationen schätzen, dass alleine im vergangenen Jahr knapp 7000 Zivilisten durch den Krieg ums Leben gekommen sind. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.

Afghanistan
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Im Jahr 2001 sind die USA in das Land einmarschiert, um das Terrornetzwerk Al-Kaida auszulöschen und die Taliban von der Macht zu vertreiben. Doch die beiden Gruppen töten weiter. Afghanistan steckt immer noch tief in der Krise. Mit rund 11.500 Toten und Verletzten hat die Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 3498 Zivilisten getötet und 7920 verletzt worden. Das sind etwas mehr als im Vorjahr. Unter anderem haben die Anschläge der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) deutlich zugenommen: Die Opferzahl durch IS-Angriffe hat sich im Vergleich zum Vorjahr verzehnfacht. Insgesamt gingen 61 Prozent der zivilen Opfer den Vereinten Nationen (UN) zufolge auf regierungsfeindliche Gruppen, wie die radikalislamischen Taliban und den IS zurück. Laut UN gab es zunehmend Selbstmordattentate etwa in Moscheen.

Ukraine
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Die Ostukraine erlebt derzeit die schwersten Gefechte seit Monaten. Innerhalb einer Woche sind in den Reihen der Regierungstruppen und der prorussischen Separatisten jeweils mehr als 15 Kämpfer getötet worden. Manche Beobachter sehen die Schuld bei Russland. Mit einer gezielten Eskalation durch die moskautreuen Separatisten wolle Russland die Reaktion der neuen US-Regierung testen, heißt es. Andere machen die Ukraine verantwortlich. Kiew wolle die Aufmerksamkeit des Westens wieder auf den Konflikt lenken und zudem eine mögliche Lockerung der westlichen Sanktionen gegen Russland verhindern, heißt es. Seit Beginn der Aufstände im Jahr 2014 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens knapp 10.000 Menschen ums Leben gekommen.

Nigeria
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Die Islamistengruppe Boko Haram sorgt in Nigeria seit dem Jahr 2011 für Terror. Ihr Ziel ist es, einen eigenen Islamischen Staat zu gründen, dazu ermordet sie Christen und Muslime. Militärisch hat Nigeria die Boko Haram zurückgedrängt. Doch die sunnitschen Extremisten führen immer noch Anschläge im Nordosten des Landes aus. Mehr als zwei Millionen Nigerianer sind vor der Gewalt geflohen und leben in Flüchtlingslagern, wie zum Beispiel hier in Maiduguri. Im Nordosten des Landes sind den Vereinten Nationen zufolge fünf Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, rund zwei Millionen von ihnen gelten bereits als mangelernährt.

Mali
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er Norden Malis und die angrenzenden Gebiete der Sahelzone sind ein Rückzugsgebiet für Rebellen und islamistische Terroristen. Seit dem Sturz der Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré im März 2012 herrscht Chaos im Land. Neben Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) sind die Terrorgruppen Ansar Dine und Al Mourabitoun in dem Land aktiv. Die Islamisten zwingen der Bevölkerung in den von ihnen besetzten Städten eine fundamentalistische Form der Scharia auf. Zuletzt gab es auch vermehrt Anschläge im Zentrum des Landes. Zuletzt sind am 18. Januar mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Bis zu 15.000 UN-Blauhelmsoldaten und Polizisten bemühen sich um eine Stabilisierung des Landes. Deutschland beteiligt sich mit rund 500 Bundeswehrsoldaten an dem Einsatz - bald sogar mit bis zu 1000 Soldaten.

Südsudan
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Die jüngste Nation der Welt steht auf der Kippe. Das Land stürzte Ende 2013 in einen blutigen Bürgerkrieg. Auf der einen Seite stehen die Anhänger von Präsident Salva Kiir, auf der anderen die seines früheren Stellvertreters Riek Machar. Der Streit hat auch eine ethnische Komponente. Die beiden Männer gehören den beiden größten Volkgruppen des Landes, den Dinka und den Nuer, an. Die Vereinten Nationen warnen vor einem Völkermord. Etwa 13.000 Blauhelmsoldaten bemühen sich um eine Stabilisierung des ostafrikanischen Landes, die Entsendung von weiteren 4000 ist schon beschlossen. Der Ende 2013 ausgebrochene Konflikt hat Zehntausende Menschenleben gefordert; knapp drei Millionen Menschen sind auf der Flucht vor der Gewalt. Nach UN-Angaben haben rund 4,8 Millionen Menschen - also etwa jeder dritte Südsudanese - nicht genug zu essen.

  • dpa
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