Einsatz im Eurotunnel Deutsche Zugtechnik entzweit Paris

Geht es nach Eurostar und der Deutschen Bahn, sollen bald Siemens-Züge durch den Eurotunnel unter dem Ärmelkanal fahren. Doch das setzt voraus, dass die britisch-französische Regierungskommission die Sicherheitsregen ändert.
  • H. Alich, A. Höpner, K. Slodczyk
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Ein Eurostar-Zug verlässt den Eurotunnel: Letztlich würde auch Frankreich von einer Änderung der Sicherheitsregeln profitieren. Quelle: Reuters

Ein Eurostar-Zug verlässt den Eurotunnel: Letztlich würde auch Frankreich von einer Änderung der Sicherheitsregeln profitieren.

(Foto: Reuters)

PARIS/MÜNCHEN/LONDON. Es geschah in der Nacht auf Sonntag, eine Stunde nach Mitternacht bei Kilometer-Marke 55. 270 britische und deutsche Fahrgäste mussten den ICE-Zug der Deutschen Bahn so schnell wir möglich verlassen, mitten im Eurotunnel unter dem Ärmelkanal. Die Übung war ein wichtiger Test dafür, ob deutsche Bahntechnik für den Tunnel zwischen Frankreich und Großbritannien zugelassen werden kann. "Die beiden Tests sind sehr gut verlaufen", erklärte eine Eurotunnel-Sprecherin am Sonntag.

Dürfen Züge made in Germany durch den Eurotunnel fahren? Diese Frage ist in den vergangenen Tagen zu einem Politikum geworden und hat vor allem in Frankreich hohe Wogen geschlagen. Der Anlass: Eurostar, Betreiber von Hochgeschwindigkeitszügen im Ärmelkanal, will zehn neue Züge bei Siemens bestellen und nicht mehr bei dem französischen Hersteller Alstom. Die Deutsche Bahn will Eurostar Konkurrenz machen und ebenfalls Züge des Münchener Konzerns im Eurotunnel einsetzen.

All das setzt voraus: Die französisch-britische Regierungskommission, die die Sicherheitsbestimmungen für den Tunnelverkehr festlegt, muss einige Regeln ändern. Unter anderem soll sie Züge mit einem über die gesamte Länge verteilten Antrieb zulassen. Derzeit ist das nicht erlaubt. Ein Zug muss über zwei klassische Lokomotiven verfügen und zudem 400 Meter lang sein, damit Fahrgäste im Extremfall einen der Notausgänge erreichen können, die sich im Abstand von 375 Metern befinden.

Innerhalb der Kommission gilt das Konsensprinzip. Grundsätzlich könnte Frankreich also die Zulassung der neuen Antriebstechnik und Anpassung der Sicherheitsauflagen jederzeit verhindern. Und offiziell gibt sich Frankreichs Transportminister Dominique Bussereau auch streitbar: Die Absicht von Eurostar, Siemens-Züge zu bestellen, sei "null und nichtig", polterte er.

Sein Ministerium dagegen signalisiert Kompromissbereitschaft. "Sollte es mit der Sicherheit der Züge keine Probleme geben, werden wir eine Änderung der Sicherheits-Regeln nicht blockieren", heißt es dort. Es dürfte allerdings bis 2012 dauern, bis genügend Studien vorliegen, um über eine Zulassung der Siemens-Züge zu entscheiden.

Letztendlich würde auch Frankreich davon profitieren. Denn die neuen Schnellzüge von Alstom basieren ebenfalls auf einer Technik mit verteilten Motoren. Experten sehen darin kein Sicherheitsrisiko; schließlich fährt die Pariser Metro bereits seit Jahrzehnten ohne Probleme mit dieser Technik.

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