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Ekrem Imamoglu Dieser Politiker könnte Istanbuls Bürgermeister werden – und Erdogans Abgesang einleiten

Bei der Bürgermeisterwahl in Istanbul hat Imamoglu einen kleinen Vorsprung. Der Oppositionspolitiker könnte die Allmacht des türkischen Präsidenten brechen.
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Ekrem Imamoglu: Die Hoffnung der Opposition in der Türkei Quelle: Joris van Gennip/laif
Ekrem Imamoglu

Nach derzeitigem Stand hat der CHP-Politiker mehr Stimmen als die AKP erhalten.

(Foto: Joris van Gennip/laif)

IstanbulEkrem Imamoglu ist die neue Hoffnung der türkischen Opposition. Im Rennen um den neuen Bürgermeisterposten in Istanbul liegt der Oppositionspolitiker mit hauchdünnem Vorsprung vorne. Mit Imamgoglu hat die türkische Opposition einen Mann gefunden, der die Allmacht von Präsident Erdogan brechen könnte – und das, obwohl er sich kaum vom Staatschef abgegrenzt hat.

Nach der derzeitigen Auszählung führt Imamoglu mit 25.000 Stimmen vor dem Kandidaten der AKP, Ex-Premier Binali Yildirim, bei über acht Millionen abgegebenen Stimmen. Die AKP ficht das Ergebnis nun an, es wird neu gezählt.

Doch Imamoglu selbst gilt für eine Hälfte der Bevölkerung bereits als Sieger. Die Wirtschaftskrise in dem Land erhöhte den Frust auf Erdogans AKP. Auch viele Kurden wählten den CHP-Politiker, was ungewöhnlich war. Den größten Ausschlag dürfte Imamoglu selbst gegeben haben: Er ist Mitglied der Atatürk-Partei CHP, hat jedoch einen stark konservativen Hintergrund. Im Wahlkampf hat er beides kombiniert.

Wie Erdogan stammt Imamoglu aus dem konservativen Nordosten des Landes. Seine Eltern waren mittellose Landwirte, der Sohn wurde in einem zerfallenen Bauernhaus zur Welt gebracht. Während des Studiums der Betriebswirtschaft spielte Imamoglu Fußball – ebenfalls wie Erdogan. Er trat sogar einer konservativen Partei bei. „Dann merkte ich, dass ich eher ein Sozialdemokrat mit konservativen Wurzeln bin.“ Seit 2008 ist er in der CHP, gewann 2014 bereits überraschend den Bürgermeisterposten eines Istanbuler Distrikts.

An der Universität erkannte Imamoglu, wie polarisiert das Land damals schon war. „Ich konnte alle Seiten erkennen und verarbeiten, weil wir das alles auch in meiner Familie haben“, sagte er im Dezember. Anschließend besuchte er Erdogan. Während des Wahlkampfes vermied er es, das Staatsoberhaupt offen zu kritisieren.

Wer ihn beobachtet hat, konnte kaum glauben, dass dieser Kandidat in einem politisch aufgeladenen Land wie der Türkei eine Chance hat. Imamoglu führte einen relativ leisen Wahlkampf, kam immer etwas schüchtern daher.

In seinem ersten Wahlkampfvideo unterhält sich der 50-Jährige mit seiner Mutter, die ein Kopftuch trägt. Auf einer Gedenkveranstaltung für die Opfer eines Anschlags auf eine Moschee in Neuseeland zitierte er vor laufenden Kameras Koranverse. Bis vor wenigen Jahren wäre das für einen Politiker der extrem-säkularen CHP der politische Tod gewesen.

Heute holt man damit Mehrheiten. Dies zeigt auch, wie sehr der konservative türkische Staatschef Erdogan die politische Kultur im Land geprägt hat. Religion ist kein Tabuthema mehr. Manche lieben Erdogan dafür, manche hassen ihn. Imamoglu hat die Tatsache schlicht erfolgreich genutzt.

Imamoglu verkörpert damit einen Politiker-Typ, der nicht vorgesehen ist, obwohl es Millionen gibt, die wie er sind. Viele Oppositionswähler sind tief religiös, mögen Erdogan aber aus einem anderen Grund nicht. Bei der ultra-säkularen und elitären CHP fanden sie jedoch keinen Anschluss. Imamoglu, dessen Nachname „Sohn des Imam“ bedeutet, bietet diesen Menschen eine neue politische Heimat.

Ob er sein Amt antreten kann, hängt von der neuen Auszählung ab. Imamoglu zeigt aber schon jetzt, dass es mit der richtigen Strategie möglich ist, Staatschef Erdogan die Stirn zu bieten.

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