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Elaine Chao US-Verkehrsministerin taucht in der Boeing-Krise ab und erntet Kritik

Im Kabinett von Donald Trump agiert US-Verkehrsministerin Elaine Chao geräuschlos. In der Boeing-Krise wird das zum Problem.
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Auftritte der US-Verkehrsministerin in der Öffentlichkeit sind eher selten. Quelle: Getty Images
Elaine Chao

Auftritte der US-Verkehrsministerin in der Öffentlichkeit sind eher selten.

(Foto: Getty Images)

WashingtonAls der Rest der Welt den Einsatz von Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max 8 verbot, zögerten die USA. Donald Trumps Verkehrsministerin Elaine Chao bestieg nach dem tödlichen Absturz in Äthiopien sogar eines der umstrittenen Flugzeuge. Chao war auf dem Rückweg von der Tech-Konferenz SXSW im texanischen Austin nach Washington, die sich parallel zuspitzende Krise der Luftfahrt kommentierte sie nicht.

Diese Verschwiegenheit zählt zu den Wesenszügen der 65-jährigen Ministerin, die schon in vier US-Regierungen arbeitete. Doch in der Boeing-Krise geht Chaos defensive Strategie nicht auf. Ihr Ministerium, das auch die für den Luftraum zuständige Federal Aviation Administration (FAA) verwaltet, gerät zunehmend in die Kritik.

Dass schließlich erst eine direkte Anordnung aus dem Weißen Haus die Nutzung der Boeing-Maschinen untersagte, bezeichneten US-Medien als ungewöhnlich: Normalerweise würden solche zentralen Entscheidungen der FAA oder dem Verkehrsministerium überlassen.

Inzwischen wirft die Boeing-Krise täglich neue Fragen auf, doch noch immer ist von der Fachministerin nichts zu hören. Ihr letzter Tweet stammt aus dem Jahr 2017, Auftritte von Elaine Chao sind rar.

Der Verkehrsexperte Jim Hall zählt zu denen, die ausgesprochen irritiert sind über das kommunikative Vakuum im Verkehrsministerium. Trumps Anordnung sei „ein notwendiger Schritt“ gewesen, sagt der frühere Vorsitzende der US-Transportsicherheitsbehörde. „Er hätte jedoch von der zuständigen Bundesbehörde kommen sollen.“ Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow betonte hingegen, alle Entscheidungen zu Boeing lägen in der Hand „unserer brillanten Elaine Chao“.

Der geschützte Konzern

Bisher legte Chao ihren Fokus auf den Schienen- und Autoverkehr, in die Belange der Luftfahrt hingegen mischte sie sich kaum ein. Und auch jetzt ist kaum absehbar, mit welchen regulatorischen Maßnahmen ihr Haus auf die Boeing-Katastrophen reagieren wird. Traditionell genießt der exportstarke Flugzeughersteller den Schutz der US-Regierung.

Trägt die US-Flugaufsicht eine Mitschuld?

Hinzu kommt, dass die FAA als führungslos gilt. Die Vorsitzenden Daniel Elwell und Victoria B. Wassmer sind nur vorübergehend auf ihren Posten, die Stellen sind vakant. Chao hat dabei auch Probleme geerbt, die sie nicht verantwortet.

So übertrug die FAA schon vor Jahren mehr Autonomie an den Hersteller, wenn es um die Zulassung neuer Flugzeuge ging. Boeing kann zum Beispiel Mitarbeiter, die Sicherheitsprüfungen ausführen, selbst auswählen.

Auch der US-Kongress, in dem viele Abgeordnete und Senatoren auch dank Spendengeldern von Boeing sitzen, lockerte die Aufsichtsregeln. An politischer Erfahrung mangelt es Chao nicht, was ihre Zurückhaltung schwer erklärbar macht. Die Republikanerin war von 2001 bis 2009 Arbeitsministerin unter Präsident George W. Bush und damit die erste asiatischstämmige US-Amerikanerin, die ins Bundeskabinett berufen wurde.

Chao wuchs in Long Island auf und besuchte als junge Erwachsene die Harvard Business School. Ihr Vater, ein chinesischer Einwanderer, ist Gründer einer Schifffahrtsgesellschaft. Bevor sie in die Politik ging, arbeitete Elaine Chao für verschiedene Banken und war zeitweise im Vorstand der konservativen Denkfabriken Heritage Foundation und Hudson Institute. 1993 heiratete sie Mitch McConnell, heute Mehrheitsführer der Republikaner im US-Senat.

Zum Streit um Flüchtlingskinder, die von ihren Eltern getrennt untergebracht wurden, verlor die Ministerin öffentlich kein Wort. Dabei ist Chao selbst Migrantin, mit acht Jahren kam sie mit ihrer Mutter an Bord eines Frachtschiffs in die USA. Chao bezeichnet sich selbst als „außerhalb des politischen Mainstreams“.

Als eine von sechs Töchtern hätten sich ihre Eltern oft Witze über teure Mitgiften anhören müssen. „Aber sie gaben uns das Vertrauen, dass wir alles erreichen können.“ Als Krisenmanagerin könnte Chao nun gezwungen sein, aus ihrem Schatten zu treten, denn Boeing dürfte das prägende Thema ihrer verbleibenden Amtszeit werden.

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