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Harvard-Studentin Christin Victoria Brutsche

Sie hat zwei Klassen übersprungen und mit 17 ihr Abitur gemacht. Danach hat sie Wirtschaftswissenschaften studiert und anschließend drei Jahre lang bei Siemens gearbeitet. Dann ging es nach Havard.

Elite-Universität Wie du es nach Harvard schaffst? Christin verrät’s dir!

Das Studium in Harvard ist der Traum vieler junger Menschen, doch nur die Wenigsten schaffen es. Doch es gibt Ausnahmen wie Christin. Sie erzählt, ob sich die Bewerbung lohnt.
22.01.2018 - 10:15 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 22. Januar 2018 Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Viele deutsche Unis bilden ihre Studenten gut, breit und praxisnah aus – und genießen deshalb bei Personalchefs einen hervorragenden Ruf, wie das Hochschulranking der WirtschaftsWoche zeigt. Trotzdem zieht es nach Angaben des Statistischen Bundesamts 137.300 deutsche Studenten an Unis im Ausland. Besonders begehrt sind die wenigen Plätze an internationalen Elite-Unis.

Die Harvard University gilt als eine der besten Universitäten der Welt

Dazu zählen unter anderem die renommierten Universitäten von Oxford oder Cambridge, die US-Hochschulen Harvard, Yale oder Stanford, oder auch die Straßburger Hochschule ENA, an der unter anderem die beiden französischen Präsidenten François Hollande und Emmanuel Macron ausgebildet wurden.

Was versprechen sich deutsche Studierende vom Studium an einer Elite-Uni im Ausland? Und welche Vorteile bringt ein solches Auslandsstudium tatsächlich für die Karriere?

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    Christin Victoria Brutsche kommt ursprünglich aus Nürnberg. Sie hat zwei Klassen übersprungen und mit 17 ihr Abitur gemacht. Danach hat sie Wirtschaftswissenschaften studiert und anschließend drei Jahre lang bei Siemens gearbeitet.

    Jetzt studiert die 24-Jährige an der Harvard Business School in Cambridge, Massachusetts. Die HBS belegt regelmäßig Spitzenplätze in internationalen MBA-Ranglisten.

    Bekannte Absolventen sind der ehemalige US-Präsident George W. Bush oder der Unternehmer und ehemalige Bürgermeister von New York City, Michael Bloomberg. Hier ist ihre Erfahrung im O-Ton:

    Lohnt es sich, in Harvard zu studieren?

    „Harvard war schon immer meine Traum-Uni. Ich habe vor dem MBA (Master of Business Administration) als Finanzanalystin und Controllerin international gearbeitet, aber wollte langfristig in die Unternehmensberatung wechseln. Für mich stand fest: Wenn ich meiner Karriere nochmal einen Richtungswechsel geben möchte, dann am besten mit einem MBA-Studium im Ausland, am liebsten in Harvard.

    Für den MBA ist die Harvard Business School (HBS) eine der weltweit führenden Business Schools. Außerdem ist Harvard unglaublich international: an der Business School sind 90 Nationen vertreten. Jedes Jahr schaffen es zwölf bis 14 Deutsche an die Uni.

    Die HBS ist meines Wissens die einzige Universität, die Wissen nur über Fallstudien vermittelt. Dadurch ist das Studium extrem praxisorientiert. Wir lernen, uns in die unterschiedlichsten Perspektiven hineinzuversetzen. Zum Beispiel ging es im Unterricht um den Untergang der Ölplattform „Deepwater Horizon“ in Mexiko. Wir sollten dann diskutieren: Was wäre gewesen, wenn wir in der US-amerikanischen Administration gesessen hätten? Welche Schritte hätten wir eingeleitet?

    Ganz oft gehe ich aus dem Unterricht heraus und denke mir: „Wow, so habe ich das vorher noch nie gesehen.“ Solche Aha-Momente hatte ich mir von einem Studium an der HBS versprochen – und wurde nicht enttäuscht.

    Harvard: Das Auswahlverfahren

    Jedes Jahr bewerben sich mehr als 10.000 Menschen auf 930 Plätze an der HBS. Allerdings gibt es schon vor der Bewerbung einige Hürden, die Bewerber nehmen müssen, um überhaupt für einen Studienplatz in Frage zu kommen: Sie sollten beim Englisch-Sprachtest TOEFL und möglichst auch beim GMAT-Test, mit dem die Eignung für BWL-Masterstudiengänge gemessen wird, eine gewisse Punktzahl erreichen. Außerdem sollten sie im Schnitt drei Jahre Berufserfahrung vorweisen.

    Nach der Registrierung startet dann ein mehrstufiges Auswahlverfahren. Ich musste einen Aufsatz schreiben, die Fragestellung war: „Stell dir vor, es ist dein erster Tag an der Harvard Business School und du lernst deine Kommilitonen kennen. Wie würdest du dich ihnen vorstellen?“ Natürlich ist auch der Lebenslauf wichtig. Außerdem musste ich zwei Empfehlungsschreiben von früheren Arbeitgebern einreichen.

    „Dear Christin, the answer is yes.“

    Die Uni hat sich dann nochmal bei meinen ehemaligen Chefs gemeldet und konkret nachgefragt, wie ich mich in gewissen Arbeitssituationen verhalten habe und wie sie mein Potenzial für die Zukunft einschätzen. Knapp drei Wochen später bekam ich eine Einladung zum Bewerbungsgespräch. Dafür bin ich nach Boston geflogen – ich hätte das Interview allerdings auch in anderen Städten führen können, zum Beispiel in London.

    Das Gespräch hat eine halbe Stunde gedauert. Ich musste Fragen zu meinem Lebenslauf beantworten, aber auch Fragen zu meiner Persönlichkeit: Wie würden mich meine Familie, meine Kollegen und meine Freunde in drei Worten beschreiben? Was war die größte Niederlage meines Lebens? Mit solchen Fragen wollen die Interviewer herausfinden, ob man zum Profil der Universität passt.

    Zur Vorbereitung auf das Gespräch habe ich meine komplette Wohnzimmerwand mit Plakaten tapeziert und auf zwölf Quadratmetern alles aufgeschrieben, was mir zu mir eingefallen ist: Wer bin ich? Was will ich aus meinem Leben machen? Was treibt mich an?

    Nach dem Interview musste ich noch einen Essay schreiben und innerhalb von 24 Stunden nach dem Gespräch einreichen. Darin sollte ich beschreiben, wie das Gespräch aus meiner Sicht gelaufen ist und was ich gerne anders gemacht hätte. Und dann hat das Warten begonnen. Am 30. März 2016 hatte ich dann endlich eine Mail im Postfach: „Dear Christin, the answer is yes.“ Ich habe mich riesig gefreut.

    Harvard-Studium: zwölf Fallstudien pro Woche

    Der MBA dauert zwei Jahre. Die Struktur des ersten Jahrs ist fest vorgeschrieben. Alle belegen die gleichen Fächer und beginnen jeden Morgen um 9:10 Uhr. Im zweiten Jahr dürfen wir uns die Fächer selbst auswählen.

    Meine Klasse besteht aus 94 Studenten aus 33 verschiedenen Nationen. Das Studium an sich besteht vor allem aus Fallstudien. Um mich auf eine Fallstudie vorzubereiten, brauche ich ungefähr zwei Stunden. Der Unterricht beginnt in der Regel mit dem gefürchteten „Cold Call“: Der Professor nimmt einen Studenten dran und fordert ihn auf, den Fall vorzustellen und zu erklären, wie er in dieser Situation vorgehen würde. Danach folgt eine Diskussion.

    Im Schnitt müssen wir zwölf Fallstudien pro Woche vorbereiten. Aber es gibt auch andere Kurse: Eins meiner Highlights war das Fach „Field Global Immersion“: Da schickt die Uni ihre Studenten ins Ausland, um sich weiterzuentwickeln. Ich wurde nach Ghana geschickt, um einem Kirchen-Start-up zu helfen, neue Märkte zu erschließen.

    In meinem zweiten Jahr war ich in Tokio bei einem Start-up, das künstliche Sternschnuppen durch Satelliten aus dem All produziert. Ich habe dem Gründerteam dabei geholfen, das Produkt auf den Markt zu bringen. Du siehst: Wenn man möchte, kann man als Harvard-Student viel herumkommen.

    Auch außerhalb des Unterrichts gibt es ganz viele Angebote auf dem Campus. Ich bin zum Beispiel Mitglied im Management Consulting Club, gehöre zur Führungsriege der German Speaking Society und engagiere mich im Governmental Club, im Bitcoin und Crypto Currency Club und im LGBT-Club – einem Club für lesbische, schwule, bisexuelle und Transgender-Studenten.

    Die Kosten für ein Studium an der Harvard Universität sind schwer zu bestimmen

    Die Harvard Business School hat ein sogenanntes Financial Aid Program. Das sind Stipendien, auf die man sich bewerben kann, wenn man unter einem gewissen Betrag im Jahr verdient. Da ich aus der deutschen Industrie kam, lag ich weit unter diesem Limit. Deshalb habe ich von Harvard einen Großteil der Studiengebühren erlassen bekommen. Außerdem hatte ich noch ein Stipendium der Deutschen Harvard Business School Alumni.

    Insgesamt musste ich von den anfänglichen Studiengebühren nur noch einen kleineren Teil bezahlen. Den Rest meiner Studiengebühren und meine Lebenshaltungskosten habe ich mit Ersparnissen und durch Leihgaben meiner Eltern gestemmt.

    Anmerkung der Redaktion: Die Harvard Business School empfiehlt auf ihrer Internetseite, pro Studienjahr 106.800 US-Dollar einzuplanen.

    Wie verbessert ein Harvard-Studium die Karriere und die Jobchancen?

    Das Studium in Harvard beginnt Ende August. Bereits ab Oktober starten die Unternehmen ihren Rekrutierungsprozess an der Uni. Viele Firmenvertreter kommen auf den Campus und laden uns Studenten zum Abendessen ein. Sie wollen uns überzeugen, im Sommer ein Praktikum bei ihnen zu machen. Denn zwischen dem ersten und zweiten Jahr liegt eine dreimonatige Pause, die wir möglichst für ein Praktikum nutzen sollten.

    Ich wollte unbedingt in die Beraterbranche, deshalb bin ich vor allem zu Veranstaltungen von großen Unternehmensberatungen gegangen. Mein Praktikum habe ich dann bei einer großen Unternehmensberatung in Deutschland gemacht. Am Ende des Praktikums hat man mir eine Festanstellung angeboten, die ich angenommen habe. Sobald ich meine letzte Prüfung geschrieben und meine Abschlussfeier hinter mir habe, starte ich dort als Unternehmensberaterin.“

    Mehr: So gelingt die Bewerbung für ein MBA-Programm

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