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Embargo gegen Katar Anatomie der Krise am Golf

Auf der arabischen Halbinsel haben sich die Kontrahenten Saudi-Arabien und Katar ineinander verkeilt. Noch nie hat es am Golf ein solch schweres Zerwürfnis gegeben – und der superreiche Zwergstaat wird nicht nachgeben.
06.06.2017 - 16:48 Uhr 4 Kommentare
Menschen kaufen in einem Supermarkt in Katars Hauptstadt Doha auf Vorrat ein. Mehrere arabische Golfstaaten und Ägypten haben die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Quelle: dpa
Hamsterkäufe in Katar

Menschen kaufen in einem Supermarkt in Katars Hauptstadt Doha auf Vorrat ein. Mehrere arabische Golfstaaten und Ägypten haben die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen.

(Foto: dpa)

Binnen Stunden war alles Gerede von den arabischen Mitbrüdern verdampft, wutentbrannt liegen sich die betuchten Kontrahenten an der Gurgel. Noch nie seit der Existenz der Ölstaaten gab es ein solches Zerwürfnis am Golf. Kuwaits Emir reiste am Dienstag nach Riad, um zu vermitteln. Doch ein schneller Erfolg ist nicht in Sicht, zu tief eingenistet haben sich das Misstrauen und die gegenseitigen Frustrationen der verfeindeten Ölprinzen.

Vor drei Jahren inszenierte Saudi-Arabien schon einmal einen neunmonatigen diplomatischen Boykott Katars. Diesmal jedoch hat das konzertierte Vorgehen eine ganz andere Dimension, weil die aufgebrachten Nachbarn versuchen, Katar von allen Verkehrsverbindungen abzuschneiden, es wirtschaftlich zu isolieren und so zur politischen Kapitulation zu zwingen. Der Flugverkehr liegt am Boden, die Grenzen sind dicht. Menschen in Doha kaufen in Panik die Supermärkte leer.

Die Gründe für diese plötzliche Eskalation sind nicht einfach zu ermitteln in den verschwiegenen und intransparenten politischen Milieus der Herrscherclans. Offenbar kommt bei dem Zornausbruch des saudischen Nachbarn über den widerspenstigen Halbinselstaat vieles zusammen, angefangen von Katars freundlichen Beziehungen zum Iran, über seine Finanzierung der TV-Sender „Al Dschasira“ und „Al Araby Al Jadeed“ bis hin zu seiner Rolle als Schutzpatron der Muslimbrüder, der Hamas-Bewegung und sonstiger Vertreter des politischen Islams in der Region.

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    Das Fass zum Überlaufen brachte im April wohl eine Lösegeldzahlung Katars von einer Milliarde Dollar, um im Südirak zwei Dutzend katarische Falkenjäger aus den Händen schiitischer Milizen sowie in Syrien 50 Gefangene radikaler Dschihadisten freizukaufen. 700 Millionen gingen an iranhörige Milizen, die übrigen 300 Millionen an Al-Qaida-Terrorkommandos. Der Löwenanteil floss damit quasi direkt an den Islamischen Staat, und das ausgerechnet zu einer Zeit, als Saudi-Arabien zum großen Showdown gegen den schiitischen Erzrivalen blies.

    Lösegeldzahlungen gelten in den nahöstlichen Wirren schon immer als Methode zur indirekten Finanzierung von Extremisten. Die Unterhändler stehen mit sauberen Händen da und die Auftraggeber – darunter auch westliche Staaten – sind froh, ihre Landsleute vor dem Tod gerettet zu haben. Eine solch enorme Summe jedoch, wie für die entführte Jagdgesellschaft des Emir-Clans sowie die Al-Qaida-Geiseln, ist bisher noch nie geflossen. Allerdings steht Katar bei der Finanzierung radikaler Gruppen keineswegs allein. Auch reiche Bürger und religiöse Stiftungen aus Kuwait und Saudi-Arabien gelten als wichtige Sponsoren in der Unruheregion, wo viele Transaktionen noch immer in bar abgewickelt werden.

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    4 Kommentare zu "Embargo gegen Katar: Anatomie der Krise am Golf"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Otto Berger - 06.06.2017, 19:26 Uhr Durch die Inbetriebnahme einer Erdgasverflüssigungsanlage wird der wirtschaftliche Abtransport des Flüssigerdgases (LNG) ermöglicht. Die Hauptabnehmer sind die GCC-Staaten---(und Europa).
      -----------
      Herr Berger, erlauben Sie mir eine Anmerkung: Nach meinen Kenntnisstand sind Japan, Südkorea und China die größten Abnehmer des LNG aus Katar. Liege ich da falsch.

      Eines lässt sich auf jeden Fall festhalten: Die Anlagen von Ras Laffan auf Katar sind imposant.

    • HB :“ „Katar soll offenbar mehr oder weniger vollständig isoliert und existentiell getroffen werden, sagte, Außenminister Gabriel“

      Dazu :
      „Der größte Reichtum Katars liegt im Erdgassektor. Unter dem Meeresgrund liegt das North Gas Field, das mit 381.000 Milliarden Kubikfußreserven das größte Erdgasfeld der Erde ist. . Durch die Inbetriebnahme einer Erdgasverflüssigungsanlage wird der wirtschaftliche Abtransport des Flüssigerdgases (LNG) ermöglicht. Die Hauptabnehmer sind die GCC-Staaten---(und Europa) Wegen steigender Nachfrage exportiert Katar zunehmend Flüssiggas. Bereits 2006 war das kleine Emirat weltgrößter Flüssiggasexporteur.
      . Des Weiteren betreiben die USA in Katar ein gemeinsames HBCT-Ausrüstungslager (APS) der Army, der Air Force, der Navy und der Marines mit 430 Angehörigen.“ (Wikipedia.de)

      Das Katar Terroristen finanzieren soll wurde schon immer behauptet, desgleichen bei Saudi-Arabien. Schon möglich, dass die Behauptungen zutreffen --- aber
      es geht wohl tatsächlich um den Flüssiggas-Markt in Europa, den die USA beliefern wollen und da erscheint das kleine Katar als bedeutender Konkurrent auf dem LNG-Markt einfach unerwünscht und muss gezügelt werden ----- und wenn sich der Emir all diesem mit diplomatischen Winkelzügen (Iran, Türkei, Russland, China etc.) widersetzen sollte ? Naja, irgendwelche Defizite bei den Menschenrechten und westlichen Werten werden sich schon finden lassen, um eine andere Regierung zu installieren.

    • "Die saudische Fluglinie Ethihad Airways, FlyDubai und die größte Fluggesellschaft im Nahen Osten, Emirates, stellten Flüge nach Katar ein."
      Man sollte alsJournalist wissen, das Etihad eine Fluglinie der UAE und von der Saudischen Republik ist. Etihad heisst eigentlich "UNITED" und wird auch nicht
      Ethihad geschrieben.
      Eigentlich peinlich falls man über die Region schreiben will!

    • Am besten mal komplett raushalten. Regionale Konflikte sollen regional gelöst werden. Und die Araber müssen auch mal zeigen, dass sie den verhassten Westen nicht brauchen, um ihre eigenen Probleme zu lösen.

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