Emily Haber Die neue deutsche Botschafterin in den USA ist der Gegenentwurf zu Amtskollege Grenell

Emily Harper wird deutsche Botschafterin in den USA – in einer Zeit, in der das Weiße Haus gegen Berlins Flüchtlingspolitik giftet.
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Auf die Ex-Innenstaatssekretärin wartet in Washington eine schwierige Aufgabe. Quelle: ullstein bild - aslu
Emily Haber

Auf die Ex-Innenstaatssekretärin wartet in Washington eine schwierige Aufgabe.

(Foto: ullstein bild - aslu)

BerlinBevor Emily Haber am Dienstag in den Flieger nach Washington stieg, war sie noch einmal daran erinnert worden, was ihr bevorsteht. Die Erinnerung kam von höchster Stelle, von Donald Trump, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, und sie war unsanft, so wie das eben nun Trumps Art ist.

Die Deutschen, schrieb der Präsident auf Twitter, wendeten sich gegen ihre geschwächte Regierung. Kein Wunder, würden doch Millionen von Migranten die deutsche Kultur „gewaltsam verändern“.

Diese Art von Willkommensgruß sagt alles, was man über das transatlantische Verhältnis gerade wissen muss. Die Einheit des Westens ist dahin, von der engen Freundschaft zwischen den USA und Deutschland auf Spitzenebene nicht mehr viel übrig. Ein US-Präsident, der einen herbeifantasierten Aufstand gegen die deutsche Regierung gutheißt – wann hat es das jemals gegeben?

Immerhin, die Form wird gewahrt. Am Freitag wird Trump Haber empfangen, sie wird ihm ihr Beglaubigungsschreiben überreichen und er ihr dazu gratulieren, dass sie künftig als Botschafterin die Bundesrepublik in den USA vertritt. Haber, 1956 in Bonn geboren, ist die erste Frau auf diesem für die deutsche Politik so wichtigen Posten. Sie weiß, wie stark Deutschland in den USA in der Kritik steht. Aber sie hat sich vorgenommen, umarmend aufzutreten, nicht konfrontativ. Man kann sagen: Die Methode Haber ist der Gegenentwurf zur Krawalldiplomatie ihres Berliner Konterparts, des US-Botschafters Richard Grenell.

Dazu passt zu Habers unprätentiöses Auftreten. Den Kaffee für sich und ihre Gesprächspartner bestellt sie selbst an der Theke eines Straßencafés im Prenzlauer Berg – während die Möbelpacker ihre Wohnung für den Umzug nach Washington ausräumen.

Haber ist eine polyglotte Frau, die keine Latte macchiatos ordert, sondern Latte macchiati, weil sie der italienischen Flexion mächtig ist. Schon als Kind war sie viel in der Welt unterwegs, ihr Vater war Diplomat. Im Establishment der US-Hauptstadt wird Haber sich schnell zurechtfinden.

Von 2014 bis 2018 war Haber Innenstaatssekretärin für Sicherheit und Migration. Wenn Thomas de Maizière als Innenminister das Gesicht der deutschen Flüchtlingspolitik war, war sie Hirn und Hand. Unter Ex-Präsident Barack Obama hätte ihr dies viel Anerkennung eingebracht, unter Trump macht es sie angreifbar.

Das deutsche Außenministerium hat einen Begriff für die neue Ära gefunden, in die der zerrüttete Westen eingetreten ist. Von einer „balancierten Partnerschaft“ mit den USA ist jetzt die Rede. Für Haber bedeutet dieser Balanceakt vor allem, Europa zusammenzuhalten.

Bei vier Themen, so ihre Analyse, sei der amerikanische Druck auf Deutschland besonders stark: den niedrigen Verteidigungsausgaben, dem Streit über die Nord-Stream-2-Pipeline, dem Atomdeal mit dem Iran und der Auseinandersetzung um Außenhandelsüberschüsse. Für die ersten beiden Punkte haben die Amerikaner auch in Europa Rückhalt, und bei den Punkten drei und vier könnte die gemeinsame Front der Europäer schnell abbröckeln.

Deutschland in den USA zu vertreten bedeutet für Haber also auch, die deutsche Position europäisch abzustimmen. Dafür will sie den engen Kontakt zu ihren Botschafterkollegen suchen. „Wir brauchen ein Europa, das nicht nur Versprechungen macht, sondern diese auch einhält“, sagte sie einmal. Doch auf sich allein gestellt, da hat sie keinen Zweifel, kann Deutschland im neuen Konzert der Mächte nicht bestehen.

Zugleich kann Haber die deutsche Innenpolitik noch nicht ganz hinter sich lassen. Im Innenausschuss soll sie zur BAMF-Affäre aussagen. Beim aktuellen Zoff um Einreisesperren spielt Haber ebenfalls eine wichtige Rolle. „Maßnahmen der Zurückweisung an der Grenze mit Bezug auf um Schutz nachsuchende Drittstaatsangehörige kommen derzeit nicht zur Anwendung“, schrieb sie 2016, diese seien aber zulässig. Darauf beruft sich jetzt die CSU im Konflikt mit der Kanzlerin.

Haber hat Berlin verlassen, doch ihre Vergangenheit lässt sie nicht los.

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