Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Emma Marcegaglia „Italien muss wieder glaubwürdig werden“

Seite 3 von 4:
Reiches Land mit Glaubwürdigkeitsproblem

Handelsblatt: Erklären Sie uns Deutschen, warum Italien immer noch ein attraktives Land nicht nur für Touristen, sondern auch für Investoren ist?

Marcegaglia: Wir sind die drittgrößte Volkswirtschaft in Europa, haben einen wichtigen Binnenmarkt, die italienische Arbeitskraft ist stark und konkurrenzfähig – das höre ich in vielen Gesprächen mit multinationalen Konzernen. Die Privathaushalte sparen viel und das Bankensystem ist gesund. Wir haben keine griechischen Staatsanleihen und keine Giftpapiere. Abgesehen vom Glaubwürdigkeitsproblem dieser Tage sind wir ein reiches Land. Und wir haben sehr starke Selbstheilungskräfte. Wir sind nicht Griechenland oder Spanien.

Handelsblatt: Hat Italien eigentlich noch Tafelsilber, um die Schuldenlast schnell zu mindern?

Marcegaglia: Ja, wir haben sehr viel Staatsbesitz, Domänen, Immobilien, Kunstgüter mit einem enormen Wert. Wenn es den Willen gäbe, die zu verkaufen, geht es immerhin um einen Wert von mindestens 500 Milliarden Euro. Dann gibt es große, wichtige Staatsunternehmen, die verkauft werden könnten. Wir haben 8000 staatliche Unternehmen auf lokaler Ebene. Wenn wir alles das verkaufen, können wir die Schuldenlast sofort erheblich drücken. Die Staatsausgaben können weiter gesenkt werden. Sie sind in den letzten Jahren gestiegen, aber sie können ja wieder gesenkt werden. Es fehlt nur der Wille, etwas zu tun. Wir haben genug Potential.

Basisdaten Italien

Quelle: Information Research

Handelsblatt: Sie selbst sind Unternehmerin aus dem Norden, der wirtschaftlich stark dasteht. Wird das Nord-Süd-Gefälle je abgebaut werden oder bleibt es beim Italien der zwei Geschwindigkeiten?

Marcegaglia: Die Lage im Süden hat sich in den letzten Jahren nicht verbessert. Es gibt eine große Kluft bei den Einkommen und in der Produktivität. Wir als Verband machen uns stark für einen starken Kampf gegen die Kriminalität. Die Regierung hat in diesem Punkt gute Arbeit geleistet. Wir haben außerdem gefordert, die EU-Strukturfonds nicht mit der Gießkanne zu verteilen, sondern sie in große Bereiche zu konzentrieren: Infrastruktur, Forschung, Bildung und eben den Kampf gegen organisierte Kriminalität.

Handelsblatt: Wo soll Italien in drei oder fünf Jahren stehen?

Marcegaglia: Es soll ein Land sein, das sein Vertrauen zurückgefunden hat, in dem die Reformen durchgeführt worden sind, von denen wir gesprochen haben. Ein Land mit weniger Staatsausgaben, aber mehr Investitionen, mehr Forschung, mehr Innovationen, mehr Bildung. Ein Land, das seine Wettbewerbsfähigkeit stärkt, ein gerechteres Land mit mehr sozialer Mobilität. Ein Land, das aus dem Würgegriff von öffentlichen Ausgaben und hohen Steuern kommt. Ein Land, in dem die Menschen nicht mehr denken, dass die Zukunft ihrer Kinder schlechter sein wird als ihre eigene. Ich hoffe, wir finden die Kraft, das alles umzusetzen. Das Potential dazu haben wir. Wir müssen nur unsere Resistenz gegen Änderungen überwinden.

Brexit 2019
„Quotengesetz in der Politik wäre gut“
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Emma Marcegaglia - „Italien muss wieder glaubwürdig werden“

5 Kommentare zu "Emma Marcegaglia: „Italien muss wieder glaubwürdig werden“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Italien aus der Währungsunion zu schmeißen, ist der falsche Weg. Deutschland MUSS die Eurozone verlassen! Sonst steht Deutschland am Ende nur noch mit wertlosen Euros aus allen europäischen Staaten da.
    Wer die Katastrophe in Deutschland verhindern will, muss dafür kämpfen, dass Deutschland die Eurozone verlässt. Wer das als Strafe sieht, hat die Dinge nicht verstanden oder nicht zu Ende gedacht!

  • Echt, wirklich.

    Glaubwürdig????
    Gib den Italienern die Mafia zurück, denn die istr wenigstens berechnbar. Wer sooooo tief in der Verschuldung steckt, dem kann man nicht glauben.

    Ruas aus dem € schmeissen, nur das hilft

  • Verehrte Emma, "Unter Freunden betrügt man nicht, und unter Gangstern ist eh zwecklos!" Sie kennen Ihr Land besser als ich. Es liegt am Volk, dass Italien nicht auf die Beine kommt. Auch ein Herr Monti wird Italien nicht aus diesem Dilemma führen. Italien bedient sich schon auf asoziale Weise an der EZB. Es ist einfach nur widerlich. Ihr habt euch den Schlamassel über Jahrzehnte eingebrockt, als habt wenigstens soviel Anstand und steht dafür gerade. So wie es in der Familie auch gemacht wird. Alles andere ist Erpressung der anderen europäischen Staaten. Eine Gemeinschaft, die auf Erpressung, asozialem Treiben und Schmarotzertum aufgebaut wird, ist schon im Ansatz tot. In der EU halten sich die Politker schon lange nicht mehr an Recht und Gesetz. Also macht jeder was er will. EU-Veträge sind doch das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden. Auch ein Bofinger hat davon Kenntnis, das Keynes seine Theorie vom undendlichen Gelddrucken am Ende widerrufen hat. Der Mann hat wenigstens seinen Fehler eingesehen. Die deutsche "Elite" ist dazu nicht in der Lage. So geht eben alles den Bach hinunter. Armes Deutschland. Das Wohl von 2 Generationen ist heute schon vernichtet. Man kann unseren Kindern nur raten: "Geht ins Ausland, dorthin, wo man euch braucht und schätzt!". Hier werdet ihr nur von dummen Politikern verarscht. Aus das GG wird euch nicht davor schützen können.

  • die olle hat das gleiche recht die realität auszublenden wie unsere politiker.

    was bofinger und konsorten erzählen is zweitrangig,die kämpfen auch nur um zusätzliches einkommen und vielleicht noch drittmittel.all dies gibts nur vom geldadel,also reden sie dem nachm maul.

    so war die welt ,so isse und so wird se bleiben....

  • Das Interview sollte der (Plan-)Wirtschaftsweise Bofinger mal lesen, der den Deutschen empfiehlt, die italienischen Schulden zu bezahlen. Einfach nur widerlich, dieser Armleuchter. Der entstammt der Zeit, in der es Politbüros gab - danach sehnt er sich wieder!