Emmanuel Macron Feingeist mit Zugkraft auf dem Weg zum Elysée

Als unabhängiger Kandidat gilt Emmanuel Macron als Favorit im Kampf um Frankreichs höchstes politisches Amt. Der frühere Minister steht der Wirtschaft nahe, mag Kickboxen und das Klavier. Ein Porträt.
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Der 40-Jährige geht als unabhängiger Kandidat ins Präsidentschaftsrennen. Quelle: dpa
Emmanuel Macron

Der 40-Jährige geht als unabhängiger Kandidat ins Präsidentschaftsrennen.

(Foto: dpa)

Paris/BerlinDer unabhängige Kandidat greift mit knapp 40 Jahren nach dem höchsten politischen Amt in Frankreich: Emmanuel Macron will nach Stationen als Berater des Staatschefs und auf dem Posten des Wirtschaftsministers im Mai Präsident werden. Der frühere Investmentbanker hat sich aus dem Schatten seines Mentors im Elysee-Palast, François Hollande, gelöst und will nach einer politischen Blitzkarriere den Sozialisten nun beerben.

Der fast jugendlich wirkende Kandidat mit Seitenscheitel und markanten Koteletten mischt den Wahlkampf gehörig auf. Er sprengt dabei das traditionelle Links-Rechts-Schema im Land. Wie so viele andere Spitzenpolitiker ist der 39-Jährige zwar Absolvent der Elite-Hochschule ENA. Doch der smarte Jungstar sieht sich nicht als Teil des politischen Establishments, sondern als Revoluzzer, der Frankreich aufrütteln und modernisieren will.

Macron hat mit „En Marche“ (zu deutsch: Vorwärts) binnen Jahresfrist eine eigene Bewegung mit mehr als 230.000 Anhängern auf die Beine gestellt. Sie soll ihn ins Präsidentenamt tragen und einen Durchmarsch der Rechtsextremen Marine Le Pen verhindern.

Der im nordfranzösischen Amiens geborenen Sohn eines bürgerlichen Ärzte-Ehepaars war schon als Kind ein Bücherwurm, wie er in seinem eigenen Werk mit dem Titel „Révolution“ bekennt. Macron, der auch ein begabter Klavierspieler ist, hat seit den Zeiten als Berater Hollandes zudem den Spitznamen „Mozart aus dem Elysee-Palast“ weg. Doch der Feingeist und studierte Philosoph zeigt auch eine andere Seite: Macron liebt das Kickboxen, auch wenn er inzwischen öfter zum Tennisschläger greift.

Mit dieser Mischung aus Talent und Schlagkraft hat er sich den Weg nach ganz oben gebahnt. Als Investmentbanker bei Rothschild bewies er auch in der Geschäftswelt Durchsetzungsvermögen: 2012 boxte Macron den milliardenschweren Kauf der Säuglingsnahrungssparte des US-Pharmakonzerns Pfizer für den Nahrungsmittelkonzern Nestle durch, der dabei Mitbewerber ausstach. Zugleich erwarb sich Macron damals als Präsidentenberater den Ruf, stets ein offenes Ohr für die Belange der Unternehmer zu haben. „Er ist unsere Anlaufstelle beim Präsidenten“, bescheinigte ihm der Chef von France Telecom, Stephane Richard, im September 2012.

Diese Nähe zur Wirtschaft bietet seinen politischen Gegnern Angriffsfläche. Laut „En Marche“-Generalsekretär Richard Ferrand hat Russland sogar eine „Fake news“-Kampagne gegen den bekennenden Pro-Europäer losgetreten, der sich am 7. Mai mit der Moskau-freundlichen Le Pen einen Zweikampf um den Elysee-Palast liefern dürfte. Russland weist die Vorwürfe zurück, auch wenn in staatlichen Medien Macron als „Agent der amerikanischen Hochfinanz“ tituliert wird. Laut Ferrand hat es auf die Computer der „En Marche“-Kampagne zudem Hunderttausende Angriffe gegeben, die von Orten in Russland ausgegangen seien.

Das wollen Le Pen, Fillon, Macron & Co.
Wahlen in Frankreich
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Wenn die Franzosen in einem Monat an die Wahlurnen gehen, steht viel auf dem Spiel. Die hohen Umfragewerte für die EU-feindliche Rechtspopulistin Marine Le Pen machen die Präsidentschaftswahl zu einer Abstimmung über Frankreichs Platz in Europa. Viele Menschen sind enttäuscht von den als gescheitert wahrgenommenen Amtszeiten des Konservativen Nicolas Sarkozy und des Sozialisten François Hollande. Und das ist nicht nur ein Gefühl: Frankreichs Wirtschaft kommt einfach nicht in die Gänge und die Situation am Arbeitsmarkt ist nach wie vor dramatisch. Fünf der insgesamt elf Kandidaten für das Präsidentenamt debattierten zu Wochenbeginn im Sender TF 1. Ihre zentralen Aussagen im Überblick:

Francois Fillon
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Francois Fillon, der 63-jährige Kandidat der konservativen Republikaner, will Frankreich eine Rosskur verordnen, um das Land wirtschaftlich wieder fit zu machen. Die Regelarbeitszeit von 35 Stunden in der Woche soll fallen, das gesetzliche Rentenalter will Fillon bis 2022 auf 65 Jahre anheben. „Ich werde der Präsident der nationalen Sanierung sein“, sagte er in der TV-Debatte. Nach seinen Plänen sollen im öffentlichen Dienst 500.000 Jobs wegfallen. Die legale Einwanderung will der Konservative auf das strikte Minimum begrenzen, den Familiennachzug erschweren. Fillon steht wegen einer Affäre um die Beschäftigung seiner Frau in der Kritik.

Benoit Hamon
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Benoit Hamon, 49-jähriger Spitzenkandidat der regierenden Sozialisten, will als einziger Präsidentschaftsbewerber ein Grundeinkommen einführen. In einer ersten Stufe sollten junge Menschen und Arbeitnehmer mit sehr geringem Einkommen mit 600 Euro monatlich profitieren. Kritik an hohen Kosten wies der zum linken Flügel der Parti Socialiste (PS) gehörende Ex-Minister bisher zurück. Er tritt auch dafür ein, Bankengewinne zusätzlich zu besteuern und bei öffentlichen Aufträgen einen Anteil von 50 Prozent für französische Unternehmen zu reservieren. Davon sollen vor allem Mittelständler profitieren. In der Flüchtlingspolitik strebt er ein europäisches „humanitäres Visum“ an.

Jean-Luc Melenchon
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Der Chef der Bewegung La France insoumise kritisiert Europa. Jean-Luc Melenchon will über die europäischen Verträge verhandeln und über das Resultat in einem Referendum abstimmen lassen. Das Verteidigungsbündnis Nato will er verlassen, „um nicht mehr in Kriege verwickelt zu werden, die wir nicht kontrollieren“. Der 65 Jahre alte Linkspolitiker will auch ein Umwelt-Präsident sein und plädiert deshalb für den Ausstieg aus der Atomenergie.

Marine Le Pen
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Marine Le Pen, die Rechtspopulistin von der Front National (FN), ist eine leidenschaftliche EU-Gegnerin. Sie will die Franzosen über den Verbleib in der Union abstimmen lassen. Außerdem soll Frankreich den Euro abschaffen und das Schengen-Abkommen für das Reisen ohne Grenzkontrollen verlassen. Sie pocht auf nationale Unabhängigkeit - sie wolle nicht „Vizekanzlerin von Frau Merkel“ sein, sagte Le Pen in der Debatte. Die 48-jährige Chefin der FN sieht sich nach dem angekündigten Brexit der Briten und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im Aufwind. „Ich will die Einwanderung stoppen“, lautet eine ihrer Devisen.

Emmanuel Macron
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Emmanuel Macron, früherer Wirtschaftsminister von Präsident François Hollande, will das Rechts-Links-Schema durchbrechen und tritt als unabhängiger Kandidat an. Der 39-jährige Chef der Bewegung En Marche! setzt auf Europa und damit eine Partnerschaft mit Deutschland. Er will als Präsident im öffentlichen Dienst 120.000 Stellen streichen. Laut Denkfabrik iFrap ist sein Wirtschaftsprogramm ausgeglichener als das von Fillon. Allerdings würde Schuldensünder Frankreich unter Macron 2022 immer noch ein Defizit von 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung haben.

Für Aufregung im Wahlkampf sorgten zudem Gerüchte im Netz, in denen Macron eine außereheliche Liebesaffäre mit dem fast gleichaltrigen Rundfunkintendanten Mathieu Gallet nachgesagt wurde. Macron, der seit 2007 mit seiner früheren Französischlehrerin Brigitte Trogneux verheiratet ist, versuchte die Gerüchte mit Ironie aus der Welt zu schaffen: Falls er tatsächlich ein Doppelleben mit Gallet führen sollte, könne es nur daran liegen, dass sein eigenes „Hologramm ausgebüchst“ sei. Er spielte auf einen skurril anmutenden Wahlkampfauftritt seines linken Konkurrenten Jean-Luc Melenchon an: Dieser nutzte moderne 3D-Technik und zauberte sein virtuelles Ich via Hologramm auf eine Bühne in Paris, während er in Lyon live redete.

Dass ihm nach dem Bruch mit der Regierung von Teilen der Linken Verrat vorgeworfen wird, findet Macron weniger lustig. Er hatte seinen Ministerposten nach nur zwei Jahren im Amt im August 2016 aufgegeben, um fortan seine Kandidatur um das höchste Staatsamt vorzubereiten. Er sei von den Vertretern des politischen Systems nicht als einer der Ihren akzeptiert worden, klagt der selbst ernannte Revolutionär in seinem Buch: „Wenn ich mich über die politischen Regeln hinweggesetzt habe, dann nur deshalb, weil ich sie niemals akzeptiert habe.“

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