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Emmerson Mnangagwa Was von Simbabwes neu gewähltem Präsidenten zu erwarten ist

Simbabwes neuer Präsident Mnangagwa will das Land nach vorne bringen. Er gilt bei aller Härte als ultimativer Pragmatist. Sein Plan könnte am Ende also aufgehen.
03.08.2018 - 19:28 Uhr Kommentieren
Mit Härte und der ihm eigenen Skrupellosigkeit hat Mnangagwa die erste Post-Mugabe-Wahl im früheren Rhodesien gewonnen. Quelle: dpa
Emmerson Mnangagwa

Mit Härte und der ihm eigenen Skrupellosigkeit hat Mnangagwa die erste Post-Mugabe-Wahl im früheren Rhodesien gewonnen.

(Foto: dpa)

Kapstadt Niemand kann bis heute mit Gewissheit sagen, wieso Emmerson Mnangagwa einst den Spitznamen „Das Krokodil“ bekam. Der alte und neue Staatschef von Simbabwe, der jahrzehntelang die Drecksarbeit
für den im November gestürzten Despoten Robert Mugabe verrichtete, hat selbst einmal gesagt, dass Krokodile immer im richtigen Moment zubeißen. Weniger schmeichelhafte Erklärungen legen jedoch nahe, dass er den Spitznamen vor allem seiner Ruchlosigkeit verdankt.

In den frühen 80er-Jahren, als Mnangagwa Chef des Geheimdienstes war, ließ Mugabe Tausende seiner Gegner im Matabeleland ermorden, weil diese einer anderen Widerstandsbewegung angehört und seinen Erzrivalen im Kampf um die Macht unterstützt hatten.

Mit Härte und der ihm eigenen Skrupellosigkeit hat Mnangagwa nun auch die erste Post-Mugabe-Wahl im früheren Rhodesien gewonnen: Nachdem seine regierende Zanu PF bereits am Mittwoch von der umstrittenen Wahlkommission des Landes zum klaren Sieger der Parlamentswahl ernannt worden war, erklärte die Kommission am gestrigen Donnerstag Mnangagwa mit 51 Prozent zum Sieger der Präsidentschaftswahl.

Notwendig dazu war die absolute Mehrheit, die der 75-Jährige bereits im ersten Wahlgang knapp erreicht haben soll. Oppositionsführer Nelson Chamisa (40) erhielt demnach nur knapp 45 Prozent der Stimmen. Noch in der Nacht schrieb der neue Präsident daraufhin bei Twitter von einem „Neubeginn“ für sein Land.

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    Mnangagwa ist dafür auf den ersten Blick hin der völlig falsche Mann. Er war stets ein treuer Weggefährte Mugabes und führte dessen politische Anordnungen stets anstandslos aus, selbst wenn es um Gewaltanwendung gegen das eigene Volk ging. Gerade wegen seiner langen Zeit der fast sklavisch wirkenden Loyalität gegenüber Mugabe wurde er bis zuletzt von seiner hochkorrupten Partei als auch dem kaum weniger korrupten Militär gestützt.

    Er ist seit Jahrzehnten führendes Mitglied der politischen Elite und galt lange Zeit als Hardliner. Unter Mugabe führte er unter anderem den Geheimdienst und das Justiz- und Verteidigungsministerium und galt als dessen rechte Hand. Sein Verhältnis zu Mugabe sei wie zwischen „Vater und Sohn“, sagte Mnangagwa mal.

    Trotzdem hatten ihm viele Investoren im Vorfeld der Wahl einen Vertrauensvorschuss gewährt. Schließlich gilt er bei aller Härte auch als der ultimative Pragmatist. Das zeigt sich daran, wie er sich nach dem Sturz Mugabes als lupenreiner Demokrat und Retter der Nation vor einem Tyrannen präsentierte.

    Das könnte ein Indiz sein, dass Mnangagwa tatsächlich vom Saulus zum Paulus geworden ist. Zudem weiß er um den katastrophalen Zustand seines Landes und ist sich im Llaren darüber, dass es keine Zukunft für sein Land gibt – ohne einen Bruch mit der düsteren Vergangenheit, die er selbst mitzuverantworten hat.

    Hohe Offiziere haben längst die Führung staatlicher Unternehmen inne

    Dabei hatte das Militär Mugabe nicht etwas gestürzt, um dem Volk aus seiner Not zu helfen. Hauptgrund dafür war vielmehr die willkürliche Entlassung Mnangagwas als Vizepräsident – und der Versuch Mugabes, im Gegenzug seine Frau Grace zu seiner Nachfolgerin zu salben.

    Gerade weil es sich hier um einen Machtkampf innerhalb des Regimes, aber eben nicht um einen Volksaufstand gehandelt hatte, war die Gefahr stets groß, dass Simbabwes Militär seinen Wunschkandidaten in der ersten Wahl nach Mugabe auf Biegen und Brechen als Präsidenten installieren wollte. Zumal hohe Offiziere seit langem die Führung staatlicher Unternehmen an sich gerissen haben und Simbabwes größten Diamantenminen kontrollieren.

    Daneben zeigt die überzogene Reaktion des Militärs auf die Proteste, dass der wichtige Sicherheitsapparat seit dem Ende der Mugabe-Ära kaum reformiert worden ist. Unabhängig von Mnangagwas Verwicklung in die Niederschlagung der Proteste deutet vieles darauf hin, dass der Präsident nicht die Autorität zur Kontrolle der Sicherheitskräfte hat. Das dürfte Folgen für die angestrebte Rehabilitation Simbabwes im Ausland haben, glaubt Christopher McKee von der PRS-Group, die Länderrisiken untersucht. 

    Nach Einschätzung von PRS gehört das Investitionsrisiko in Simbabwe noch immer zu den höchsten in Afrika. Bei allen Reformversprechen habe sich Mnangagwa während seiner Kampagne eng an Mugabe orientiert – nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich. So hob er das Gehalt der rund 350.000 Staatsbediensteten um sagenhafte 15 Prozent an, was eine Genesung der Wirtschaft des Landes stark erschweren wird.

    Dennoch könnte Mnangagwas Plan am Ende doch aufgehen: Denn trotz der Unruhen und einzelner Vorwürfe über Wahlbetrug und Einschüchterung, scheint die Mehrheit der internationalen Beobachter die Wahl anerkennen zu wollen, wenn auch unter Vorbehalten.

    Nach Ansicht von Robert Besseling, Direktor der Risikospezialisten von Exx Africa, dürfte die Empörung über die Umstände der Wahl in den nächsten Wochen verebben und es dem Regime erlauben, sein ramponiertes Image zu polieren, beispielsweise durch Zugeständnisse an die Opposition. Das könnte wiederum die dringend benötigten Investitionen und eine Umschuldung in Gang setzen.

    In die Geschichte würde Mnangagwa ohnehin nur dann eingehen, wenn er es wirklich schafft, Simbabwe im zweiten Anlauf auf den Weg der Demokratie zu führen. Einen Bonus hat der Partei-Insider dabei: Anders als Mugabe sieht er sich nicht als eine Art Messias und hat auch nie den Bezug zur Realität verloren. So weiß er, dass seine Partei die Staatskasse geplündert hat und Simbabwe ohne Finanzhilfe von außen verloren ist.

    Weit braucht der neue Präsident auf der Suche nach einem Vorbild für den angestrebten Neustart nicht zu suchen: Das gut regierte Nachbarland Botswana ist ein Musterbeispiel für pragmatische Politik, etwa durch die kluge Nutzung seiner Diamanten. Befanden sich beide Länder zur Unabhängigkeit Simbabwes vor fast 40 Jahren in etwa auf dem gleichen Niveau, ist Botswana heute siebenmal reicher als sein Nachbar.

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