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Ende des Ersten Weltkriegs Macron warnt bei Gedenkfeier vor neuem Nationalismus

Der französische Präsident stellt das Ende des Ersten Weltkriegs vor allem als verpasste Chance dar und sieht eine neue Gefahr durch konservative Kräfte.
11.11.2018 Update: 11.11.2018 - 17:18 Uhr Kommentieren
Der französische Präsident warnte vor „einem neuen Verrat“ am Frieden. Quelle: Reuters
Emmanuel Macron

Der französische Präsident warnte vor „einem neuen Verrat“ am Frieden.

(Foto: Reuters)

Paris Punkt elf Uhr läuteten am Sonntag die Glocken in ganz Frankreich, um an das Inkrafttreten des Waffenstillstands vor hundert Jahren zu erinnern. Der Erste Weltkrieg, der das gegenseitige Abschlachten mit industriellen Methoden einführte, ging zu Ende. „Europa trieb er an den Rand des Selbstmordes“, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei der Feier unter dem Arc de Triomphe im Herzen von Paris.

Zu der Feier waren über 70 Staats- und Regierungschef aus der ganzen Welt angereist.

Bis heute weiß man nicht, wie viele zivile Tote der Krieg durch Entbehrungen, Hunger und Seuchen gefordert hat. Die Schätzungen reichen von 25 bis 40 Millionen. Fast zehn Millionen Soldaten wurden in Schlachten getötet, „die um ein paar Meter Geländegewinn geführt“ wurden, so Macron.

Junge Franzosen, Amerikaner und Briten lasen aus Briefen von Soldaten vor, die nicht an den Waffenstillstand glauben konnten oder, wie Erich Maria Remarque, von den Kämpfen, der Kälte und dem Elend in den Schützengräben so zermürbt waren, dass sie sich nicht freuen konnten: „Wir sehen die Krater vor uns, sollten vor Freude lachen oder schreien, aber wir haben nur ein flaues Gefühl im Magen.“

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    Macron versuchte, keine reine Gedächtnisrede zu halten oder gar den Sieg über Deutschland zu feiern. Das hatten viele konservative Kräfte von ihm verlangt. Doch Macron setzte andere Akzente. „Der Waffenstillstand war nicht der Beginn eines dauerhaften Friedens, auch wenn es den Traum eines geeinten Europas gab, sondern legte mit der Erniedrigung der Unterlegenen und Revanchegelüsten die Basis für neuen Nationalismus. Und dann kam wieder der Krieg, nur zwanzig Jahre später“, hielt der Präsident fest.

    Er warnte vor „einem neuen Verrat“ am Frieden – ein Hinweis auf die nationalistischen Kräfte, die gegenseitige Ressentiments schüren, gerade auch in Europa. Einer von denen, die sich angesprochen fühlen durften, der ungarische Regierungschef Viktor Orbán, war gar nicht erst erschienen.

    Nicht für alle Länder ein Anlass zum Feiern

    Er sah keinen Anlass zum Feiern: Ungarn verlor mit den auf den Waffenstillstand folgenden Verträgen von Trianon rund die Hälfte seines Staatsgebiets. Bis heute rumort dieser Amputationsschmerz im Bewusstsein der Ungarn. 100 Jahre später bemüht Orbán sich nicht, ihn durch Aussöhnung zu lindern, sondern ihn durch nationalistische Gefühle anzufachen.

    Vor diesem Hintergrund zeigt sich erst, dass die deutsch-französische Aussöhnung mehr ist als Routine. Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchten am Samstag die Lichtung im Wald von Compiègne, wo 1918 das deutsche Oberkommando einen Waffenstillstand unterschrieb, dessen Bedingungen ihm diktiert wurden, und 22 Jahre später Adolf Hitler die Franzosen zwang zu kapitulieren.

    Blickfang Putin – Dutzende Staatschefs versammeln sich in Paris
    Am Elysee-Palast
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    Die Staatsoberhäupter verlassen den Elysee-Palast. Ihr Ziel: Die Gedenkfeier zum Ende des Ersten Weltkriegs am Triumphbogen.

    (Foto: dpa)
    Zahlreiche Staatschefs
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    Rund 60 Staats- und Regierungschefs sind in Paris versammelt. Unter ihnen auch der Präsident der Republik Kongo, Denis Sassou Nguesso, und seine Frau Antoinette Sassou Nguesso.

    (Foto: AFP)
    Geschützt vor Regen
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    Die Gastgeber heißen Prinz Albert II von Monaco und dessen Frau, Prinzessin Charlene, willkommen.

    (Foto: Reuters)
    Persönliche Begrüßung
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    Emmanuel Macron drückt die Hand von Moulay Hassan, Kronprinz von Marokko. Dieser ist mit König Mohammed VI in Paris erschienen.

    (Foto: Reuters)
    Auf dem Weg
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    Bei Regenwetter geht es zu Fuß über die Prachtstraße Champs-Élysées.

    (Foto: dpa)
    Richtung Triumphbogen
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    Die Staatschefs nähern sich zwei Tribünen mit einem Glasdach am Fuße des Triumphbogens.

    (Foto: Reuters)
    Triumphbogen
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    Präsident Emmanuel Macron trifft am Ort der Feierlichkeiten ein.

    (Foto: AFP)

    An diesem Ort gegenseitiger Erniedrigung wurden die beiden begleitet von Truppenteilen der deutsch-französischen Brigade.

    Am Sonntag kam Russlands Präsident Wladimir Putin als Letzter zur Feier. Er genoss dennoch den Auftritt in Paris: Nach den mutmaßlichen Nervengasattacken in Großbritannien ist es einsam geworden um den russischen Staatschef. Genau wie Donald Trump verzichtete er darauf, gemeinsam mit den übrigen Staats- und Regierungschefs vom Élysée in Bussen die Champs Élysées hinaufzufahren und die letzten Hundert Meter zu Fuß zu gehen.

    Doch unter dem Triumphbogen auf der Place de l’Etoile stand er neben dem Ehepaar Macron, begrüßte freundlich Merkel und das Ehepaar Trump. Dessen Autokonvoi konnte nur knapp einer halb nackten Femen-Aktivistin ausweichen, die sich durch die Absperrungen drängeln konnte – ein Albtraum für die Sicherheitskräfte, die den Ort der Feierlichkeiten und alle Zufahrtsstraßen weiträumig abgesperrt hatten.

    Macron eröffnete am Nachmittag eine „Pariser Konferenz für den Frieden“. In ihrer Rede warnte Merkel vor einem Rückfall in den Nationalismus. „Wir sehen die Bereitschaft, Eigeninteressen schlimmstenfalls wieder auch mit Gewalt durchzusetzen“, warnte die Regierungschefin mit Blick auf die 222 gewaltsam ausgetragenen Konflikte derzeit in der Welt. Für Syrien forderte sie eine „politische Lösung“ ein und für den Jemen einen Waffenstillstand.

    Macron und Merkel erinnern an Ende des ersten Weltkriegs

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