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Ende des Turbo-Wachstums China-Blase vor dem Platzen?

Während im Westen die Banken ihre Risiken mit immer höherem Eigenkapital unterlegen müssen, blähen sich Chinas Institute auf. Ökonomen fürchten eine Kreditkrise. Doch eine aktuelle Studie kommt zu einem anderen Schluss.
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Platzt Chinas Kreditblase? Das Land will wachsen um nahezu jeden Preis – auch um den der Überschuldung. Quelle: Getty Images

Platzt Chinas Kreditblase? Das Land will wachsen um nahezu jeden Preis – auch um den der Überschuldung.

(Foto: Getty Images)

BerlinIst in China eine Kreditblase entstanden, die bald platzt und die chinesische Wirtschaft in eine jahrelange Krise stürzen könnte? Und ist China damit auch ein ernsthafter Risiko-Kandidat für die Weltkonjunktur? Experten verweisen darauf, dass die chinesischen Banken in den vergangenen Jahren ihre Kreditvergabe außerhalb ihrer Bilanzen massiv erhöht haben.

Ökonomen der Commerzbank sehen dennoch nicht die Gefahr des Platzens einer Schuldenblase. Anderslautende Stimmen stammten von Pessimisten, die zweifelhafte Messverfahren für die Verschuldung verwendeten, heißt es in einer Studie der Bank: „Dagegen deuten unsere Berechnungen nicht darauf hin, dass die Realwirtschaft in China viel zu stark verschuldet ist. China macht lediglich eine normale Wachstumsverlangsamung durch, die in der zweiten Jahreshälfte schrittweise auslaufen dürfte.“

Dessen ungeachtet steckt der Staat immer neue Milliarden in Prestigeprojekte, meist finanziert mit kurzfristigen Bankkrediten. Man will wachsen um nahezu jeden Preis – auch um den der Überschuldung. Während im Westen die Banken ihre Risiken mit immer höherem Eigenkapital unterlegen müssen und faule Kredite in Bad Banks abgewickelt werden, blähen sich Chinas Geldhäuser weitgehend unkontrolliert auf. „Zehntausende kleine Regierungsbeamte und Manager in Staatsunternehmen können Investitionen ohne Überwachung tätigen“, sagt Ökonom Michael Pettis von der Peking-Universität.

Der Staat steht – offiziell – relativ schuldenfrei da. Dafür stecken alle Risiken in den Bilanzen der Banken. Pettis beziffert das ausstehende Kreditvolumen des chinesischen Bankensektors auf 180 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung Chinas. Hinzu kämen außerbilanzielle Kredite im Volumen von 100 Prozent des BIPs. Und im unregulierten Schattenbankensystem dürfte das Kreditvolumen 40 Prozent des BIPs betragen.

Damit werden die Geldhäuser zur gefährlichsten Engstelle für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Sie sollen der nach den USA größten Volkswirtschaft der Welt dienen, sind zugleich aber Befehlsempfänger der sozialistischen Zentralregierung. Die Kreditvergabe erfolgt ohne externe Kontrolle.

Problematisch scheint in diesem Zusammenhang auch die Verschuldung der Provinzen und Kommunen. „Die Verschuldung der lokalen Regierungen ist in den vergangenen Jahren zunehmend ins Blickfeld gerückt und zu einer Quelle der Besorgnis geworden“, sagt Ding Shuang, Ökonom bei der Citigroup. Denn unstrittig ist, dass die Schulden auf lokaler Ebene in China in den vergangenen Jahren geradezu explosionsartig gestiegen sind. 2010 waren zuletzt Zahlen zur Verschuldung der Kommunen veröffentlicht worden. Damals lag sie bei 10,7 Billionen Yuan (rund 1,35 Billionen Euro nach heutigem Umrechnungskurs).

Peking könnte mögliche Bankenkrise auffangen

Eindeutige Angaben über den heutigen Schuldenstand existieren nicht. Yao Wei, Ökonomin bei der Société Générale, hat jedoch Schätzungen angestellt. „Wir haben im Frühjahr dieses Jahres geschätzt, dass sie innerhalb von zwei Jahren auf rund 17,5 Billionen Yuan gestiegen sind“, sagt sie. Bei der Citigroup rechnet man mit rund 16 Billionen Yuan.

Und das vor dem Hintergrund sinkender Wachstumsraten. Realistisch gesehen kann sich China nach Einschätzung von Experten nur noch ein Wachstum von fünf bis sechs Prozent leisten - peilt jedoch für das laufende Jahr schon wieder mehr als acht Prozent an. Die Kreditsucht wirkt auch in China wirklichkeitsvergrößernd.

Der Teufelskreis aus sinkendem Wachstum und steigenden Schulden erscheint umso bedrohlicher, als China über die größten Kreditinstitute der Welt verfügt. Die Industrial & Commercial Bank of China ist mit einem Börsenwert von fast 186 Milliarden Euro das wertvollste Bankhaus auf dem Globus. Die Banken treiben das Wachstum fast im Alleingang - Finanzierungen über andere Institutionen sind bisher unterentwickelt.

Der Kredithunger ist so groß, dass sich Firmen immer öfter Kapital abseits der regulären Finanzinstitute holen müssen. Der Internationale Währungsfonds hat bereits im Oktober vergangenen Jahres gewarnt, dass der Boom dieser Schattenbanken die finanzielle Stabilität des Landes gefährdet und die Intransparenz des Systems erhöht.

Das sieht der Chefvolkswirts der DZ Bank, Stefan Bielmeier, ähnlich. Die Kreditvergabe in China sei in den letzten Jahren „sicherlich zu dynamisch“ und habe beispielsweise im Immobilienmarkt zu Übertreibungen beigetragen. „Die Versuche der Regierung diese dynamische Entwicklung zu Bremsen hat jedoch zu einem Ausweichen in den Schattenbankensektor geführt“, sagte Bielmeier Handelsblatt Online. Insgesamt also eine, wie er sagte, „eigentlich besorgniserregende Entwicklung“ im chinesischen Bankensektor. Bielmeier gibt allerdings auch zu bedenken, dass der chinesische Bankensektor über die staatseigenen Banken weitestgehend von der Regierung kontrolliert werde und die Regierung die notwendigen Finanzmittel hätte um eine mögliche Bankenkrise aufzufangen.

Suche nach der richtigen Schulden-Bewertung

„Daher dürfte der sehr dynamische Kreditzyklus sich nicht zu einer lang anhaltenden Banken- und Konjunkturkrise entwickeln“, ist Bielmeier überzeugt. „Die jüngste konjunkturelle Abschwächung ist aus meiner Sicht der Versuch der neuen Regierung, die konjunkturelle Entwicklung auf einen nachhaltigeren Pfad einschwenken zu lassen.“ Ein Effekt dieser Politik könne dann auch eine Abkühlung des Kreditwachstums sein.

Dass in in China eine Kreditblase entstanden ist, konstatiert auch der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. Aber die Mechanismen dieser Wirtschaft seien immer noch andere als die westlicher Marktwirtschaften. "Da schon westliche Marktwirtschaften die Stabilität des Finanzsektors auch unter Staatseingriffen sicherstellen, gilt dies umso mehr für die chinesische Wirtschaft, die noch zur Hälfte in staatlicher Lenkung ist", sagte Kater Handelsblatt Online. "Insofern war die jüngste Liquiditätsverknappung durch die chinesische Zentralbank   eher als symbolischer Akt zu verstehen, dass die Kreditverwerfungen nun angegangen werden sollen." Das betreffe in den Teil des chinesischen Finanzsektors, der sich außerhalb der staatlichen Kontrolle im Wildwuchs entwickelt habe.

 Die Commerzbank-Analysten ziehen unabhängig davon die Art, wie die Schulden Chinas gemessen werden, in Zweifel. So umfasse die häufig verwendete Statistik über die "Gesamtmittelaufnahme der Realwirtschaft" in China nicht nur die Bankkredite, sondern auch andere Formen der Unternehmensfinanzierung, darunter die sogenannten Trust Loans: „Das sind Darlehen, die Investmentgesellschaften an Unternehmen vergeben, wobei die Mittel von wohlhabenden Privatleuten oder Unternehmen stammen, die nicht zufrieden sind mit den staatlich verordneten niedrigen Zinsen für Bankeinlagen.“ Zudem sei die Statistik über die Gesamtmittelaufnahme der Unternehmen irreführend, weil sie Tilgungen von Krediten nicht berücksichtige.

Damit stelle sich die Frage, wie die Verschuldung der Wirtschaft besser gemessen werden kann, um zu beurteilen, ob in China eine Kreditblase entstanden ist oder nicht. „Wir sind weiter der Auffassung, dass die ausstehenden Kredite der Banken im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt die Verschuldung der Wirtschaft angemessen wiedergeben“, schreiben die Commerzbanker. „Denn in einem Mindestreserve-System können nur Institute, die Einlagen verwalten, zusätzliche Kredite schaffen, Volkswirte sprechen von Kreditschöpfung. Kommt es in einer Volkswirtschaft zu einer breit angelegten Blase, geht das in der Regel einher mit einem starken Anstieg der Bankkredite, was sich meist auch in den Geldmengenaggregaten niederschlägt.“

Seit Monaten schwelt die Angst vor einer Kreditkrise

Zwar räumen die Bankökonomen ein, dass die Kredite der Banken im Jahr 2012 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betrugen und die Quote damit deutlich höher als zehn Jahre zuvor liegt. Doch sei dabei zu berücksichtigen, dass die Verschuldungsquote vor allem 2008/2009 gestiegen sei. „Dies war eine Folge des Konjunkturpakets der chinesischen Regierung, die die staatlichen Banken angewiesen hatte, die Kreditvergabe – vor allem an die Gebietskörperschaften – deutlich zu erhöhen, um die Konjunktur nach der Lehman-Pleite zu stabilisieren.“

Dies erklärt demnach auch die Zunahme der Unternehmensverschuldung. Schaue man alleine auf die Kreditvergabe der Banken, sei keine Übertreibung feststellbar. In den Jahren 2010 und 2011 sei die Schuldenquote stabil geblieben, 2012 sei sie ein wenig gestiegen. „Insgesamt sprechen die Daten nicht für eine Kreditblase“, betonen die Experten.

Sie glauben daher auch nicht, dass sich die derzeitige Wachstumsverlangsamung zu einer langen, durch einen Schuldenabbau ausgelösten Wirtschaftskrise auswachsen werde. „Vielmehr rechnen wir mit einer normalen Konjunkturverlangsamung, die von der Politik auch zum Teil beabsichtigt ist, um ökologische und soziale Probleme zu begrenzen.“

Nach Einschätzung von Dekabank-Chefökonom Kater steht China vor einer Änderung seines Geschäftsmodells, weg von der ausschließlichen Industrialisierung der bislang in der Agrarproduktion tätigen Beschäftigten, hin zu höherwertigen Produktionen, mit höheren Löhnen und einer entsprechen steigenden Binnennachfrage. „Das heißt aber auch, dass die niedrigsten Wachstumsfrüchte abgeerntet sind“, fügte der Volkswirt hinzu.  Das Wachstum dürfte in den kommenden Jahren nicht mehr regelmäßig zweistellig ausfallen. „Allerdings sind die Tage hoher Wachstumsraten in China noch lange nicht gezählt“, so Kater weiter.

China habe noch viel aufzuholen und werde dies auch weiterhin umsetzen. „Aber Entwicklungsprozesse verlaufen nicht gradlinig, sondern in Schüben“, gibt der Ökonom zu bedenken. „Für die kommenden Quartale können die Zuwachsraten auch unter sieben Prozent Jahresraten fallen, bevor die Wirtschaft wieder neue Fahrt aufnimmt.“

Dennoch: Die weltweite Furcht vor einer Kreditkrise in China kommt nicht von ungefähr. Sie war in den vergangenen Monaten sogar zunehmend gewachsen. Viele zogen schon Vergleiche mit den Kreditkrisen beispielsweise in Thailand 1997 oder in den USA 2008. Die Ratingagentur Fitch hatte daher im April bereits die Bonität chinesischer Staatsanleihen in Lokalwährung heruntergestuft – es war die erste Herabstufung in 14 Jahren.

Hinzu kamen akute Stresserscheinungen im Finanzsystem, wo Ende Juni zeitweise der Interbankenmarkt, an dem sich Banken untereinander Geld leihen, praktisch zusammenbrach.

Dass eine China-Blase platzt, davor fürchtet sich die Welt allerdings schon seit Jahren. Passiert ist nichts. Das heißt aber nicht, dass es nicht noch passieren kann.

Mitarbeit: Finn Mayer-Kuckuck und Frank Sieren

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38 Kommentare zu "Ende des Turbo-Wachstums: China-Blase vor dem Platzen?"

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  • @Fredi
    China hat eine Planwirtschaft. Da platzt so schnell nichts
    HA,HA ;HA
    Das ihr Kommunisten nie schlau werden könnt, denn eure geliebte DDR hatte wie auch alle anderen Kommunisten Staaten eine Planwirtschaft das ging so lange gut bis nichts mehr zu verheimlichen da war, euch der ganze "Laden" um die Ohren flog und das wird auch in China nicht anders sein.

  • "Die Berichterstattung in deutschen Medien über die Situation in Deutschland und der EU in den zwangsfinanzierten ÖR Medien ist keineswegs als objektiv zu bezeichnen. Da haben die Parteien an den richtigen Stellen ihre Leute installiert und die folgen bereitwillig den Vorgaben der Landesfürsten und der Parteizentralen. "
    Wo gibt es denn dann eine objektive Berichterstattung? Die Privaten fallen raus, Gossenniveau. Die oft wirtschaftskritischen Sendungen der ÖR würde es bei den Privaten zwecks Verflechtung nie geben.Was bleibt da noch?

    Wo gibt es Objektivität? Ich glaube die ÖR sind da noch die Einäugigen unter den Blinden. Leider hat sich die CDU jüngst beim ZDF eingemischt. Das müsste halt unterbunden werden. Aber es gibt hinsichtlich der neutralen Berichterstattung keine Alternative zu den ÖR.

  • Haben Sie sich vertippt und meinten Sie Hobsbwam Eric?

  • Und was ist mit der Verschuldung der Unternehmen ? Die Chinesischen Unternehmen haben ein wesentlich höhere Eigenkapitalquote als die westlichen Konzerne. Trotz gewaltiger Wachstumsraten.

    http://finance.yahoo.com/q/bs?s=CGA+Balance+Sheet&annual

    http://finance.yahoo.com/q/bs?s=MON+Balance+Sheet&annual

  • Ihr seit Toll, ich lese das gerne, da ein kleiner Tipp, es hilft nur beten!

  • Achso @hafnersp

    Wenn der Schuldenschnitt kommt...dann kommt auch der Schnitt für die Vermögenden...egal ob Millionör oder Milliardär. Oder haben Sie NICHT verstanden wie das Geldsystem funktioniert? ich denke doch...das hatten Sie ja gut auf Ihrer Seite erklärt :)

    Die Lösung wäre eine Änderung des Geldsystems!! Das aber wollen Sie doch nicht wirklich! Dann wären Sie ja arbeitslos :)

    Also...immer schön vor der eigenen Türe kehren, gell :-)

  • Sehr geehrte Autoren, bitte korrigieren sie den Fehler in der Rubrik "Negative Leistungsbilanz", wo folgendes fälschlicherweise behautptet wird: "Auch das BIP der Chinesen war 2011 mit 12.900 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie das BIP der EU (5100 Milliarden Euro)" Laut Wikipedia war das BIP der EU 2012 16584 Mrd $, das Chinas ohne Hongkong nur 8227 Mrd $, daher ist das BIP der EU noch deutlich größer als das Chinas und nicht halb so groß.

  • @hafnersp

    Wenn SIE mal das Geldsystem verstanden hätten, wüssten Sie, dass man keine SChulden abbauen kann! :)...DAS GEHT NUR AUF KOSTEN DER ÄRMSTEN IN EINER GESELLSCHAFT!

    Wir sind uns in vielem einig...am HUMANISMUS scheiden sich aber dann doch unsere Geister :-)....und noch einmal....DUMMHEIT MUß BESTRAFT WERDEN!! Wer sich durch Überschuldung reich rechnen will, ist total verblödet :)

    Und hören Sie doch mal mit dem Leistungsprinzip auf! Wer legt denn fest was Leistung ist?? Richtig! Einen Herrschende Klasse :-P

    Und damit ist mein Beitrag zu dem Thema beendet. Wenn ich ihre Prvate E-Mail hätte, würde ich Ihnen noch ganz andere Sachen mitteilen, grins

  • @WolfgangPress

    DEM ist nichts merh hinzu zu fügen! Jeder kehre vor der eigenen Haustüre :)

    Die HERRSCHENDE KLASSE wird nichts unversucht lassen, die Masse zu manipulieren um weiter ihre Pfründe zu sichern!

  • @Marco99

    Ich stimme Ihnne voll zu! Die Frage ist nur, ob gewisse Leute nicht mit ABSICHT auf den Crash steuern?! Und was kommt danach?

    Durch mein Arbeit in der Politk kann ich allen versichern, dass es KEINE ZUFÄLLE GIBT! DIE WELT WIRD GESTEUERT! Und nach der Reichstumsforschung von Krysmanski gehts wieder zurück ins Mittelalter, wenn die Masse weiter schläft.

    ES GEHT UM DIE PRIVATISIERUNG DER WELT!! Schöne Zukunft, gell....wäre ja auch völlig egla, wenn humanistische Menschen regieren würden.

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