Energie „Ein eigenes LNG-Terminal verschafft Deutschland neue Spielräume“

Katars Energieminister propagiert eigenes Terminal. Kanzlerin Merkel lobt die Vorzüge von verflüssigtem Erdgas.
Update: 10.09.2018 - 10:15 Uhr Kommentieren

Flüssiggas LNG – Ist das die Alternative zum Diesel?

BerlinSelbst Angela Merkel preist mittlerweile die Vorzüge von verflüssigtem Erdgas (liquefied natural gas, kurz LNG): „Es trägt zur Diversifizierung bei und erhöht die Versorgungssicherheit“, sagte die Bundeskanzlerin am Freitag beim deutsch-katarischen Wirtschaftsforum in Berlin.

Das deutsche Gasnetz sei zwar bereits an die LNG-Importterminals in den Nachbarländern Niederlande, Belgien und Polen angeschlossen, ergänzte Merkel. „Aber wir arbeiten auch in der Bundesregierung daran, die Flüssiggasinfrastruktur in Deutschland selbst weiter voranzubringen.“ Am Ende würden aber deutschen Unternehmen allein über ihren Gasbezug entscheiden.

Die Kataris dürfte das Bekenntnis zu ihrem wichtigsten Exportgut erfreut haben. Das Land, größter LNG-Produzent der Welt, wirbt massiv für den Bau eines LNG-Terminals in Deutschland. „Ich betrachte das als eine strategische Investition. Ein eigenes LNG-Terminal verschafft Deutschland neue Spielräume“, sagte Katars Energieminister Mohammed Bin Saleh Al-Sada dem Handelsblatt (lesen Sie hier das komplette Interview).

„Wenn es ökonomisch Sinn macht, stehen wir definitiv bereit, dabei zu helfen und ein solches Investment zu unterstützen“, sagte der Minister. Zuvor hatte bereits der Chef des katarischen LNG-Produzenten Qatar Petroleum (QP), Saad Al Kaabi, gesagt, man sei „sehr ernsthaft an einer Beteiligung an einem deutschen LNG-Terminal interessiert“.

Die bereits in Bau befindliche Ostseepipeline Nord Stream 2, die Erdgas aus Russland nach Deutschland bringen soll, beeinträchtigt das Ziel Katars, Deutschland direkt mit LNG zu beliefern, nicht: „Ich sehe die Pipeline als Teil der deutschen Strategie, sich Zugriff auf möglichst viele Gasquellen zu sichern. Wir bieten Deutschland eine weitere Quelle an. Ich sehe da keine Gegensätze“, sagte der Energieminister.

Die USA drängen Deutschland schon seit geraumer Zeit, eine eigene LNG-Infrastruktur aufzubauen. Zugleich bekämpfen sie Nord Stream 2 mit harten Bandagen. Einerseits warnen sie Deutschland davor, sich zu stark von russischem Erdgas abhängig zu machen. Andererseits haben sie großes Interesse, LNG aus US-Produktion in Deutschland zu verkaufen. Das würde durch ein deutsches LNG-Terminal erheblich erleichtert.

Entsprechend gibt es bereits Pläne für LNG-Terminals in Deutschland, das Angebot Katars dürfte daher auf offene Ohren stoßen. Projekte gibt es in Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven. In Branchenkreisen heißt es zwar, Brunsbüttel habe derzeit die besten Chancen. Allerdings hat auch Wilhelmshaven eine Reihe von Fürsprechern.

So lobt etwa der Uniper-Konzern, mit seinem Jade Weser Port, dem einzigen deutschen Tiefseehafen, biete Wilhelmshaven die perfekte Infrastruktur, die für LNG-Tanker jeder Größenklasse zugänglich sei. Aufgrund der Nähe zum deutschen Fernleitungsnetz für Erdgas wäre zudem die Systemintegration sehr kosteneffizient darstellbar, heißt es bei Uniper.

Allerdings konnte Brunsbüttel erst am Donnerstag mit einer konkreten Zusage des Essener RWE-Konzerns punkten: Man habe mit der German LNG Terminal GmbH, die das Projekt in Brunsbüttel vorantreibt, „eine langfristige Einigung über eine beträchtliche LNG-Kapazität des zukünftigen Terminals erzielt“, teilte RWE mit. Damit steigen die Realisierungschancen des Vorhabens in Brunsbüttel. RWE hat gleichwohl derzeit kein Interesse, sich direkt an einem Terminal zu beteiligen: „Investitionen in LNG-Infrastruktur sind für uns im Moment kein Thema. Es ist uns aber wichtig, Kapazitäten zu buchen“, sagte eine Sprecherin.

Eine endgültige Investitionsentscheidung für das Projekt in Brunsbüttel ist für 2019 vorgesehen. Der Bau könnte dann 2020 beginnen und das Terminal 2022 in Betrieb gehen. Gesellschafter der German LNG Terminal GmbH sind die niederländischen Konzerne Gasunie und Vopak sowie das Hamburger Unternehmen Marquard und Bahls. Ob das Konsortium auf die Angebote Katars eingeht, sich an der Investition in ein Terminal zu beteiligen, ist unklar. Man wolle sich zu strategischen Fragen nicht äußern, sagte eine Sprecherin der German LNG Terminal GmbH auf Anfrage.

Ein deutsches LNG-Terminal stellte eine grundsätzliche Weichenstellung für die deutsche Gasversorgung dar. Bislang bezieht Deutschland auf direktem Weg ausschließlich Pipelinegas. Lediglich über den Umweg über LNG-Terminals in den Nachbarländern kann LNG derzeit nach Deutschland gelangen. Pipelinegas ist im Vergleich zu LNG, das mit großem Aufwand verflüssigt werden muss, günstiger.

Allerdings ist der Gasmarkt in Bewegung. Nach Prognose vieler Fachleute wird die weltweite Nachfrage in den kommenden Jahren steigen. In Deutschland dürfte insbesondere der geplante Ausstieg aus der Kohleverstromung den Gasbedarf anziehen lassen, weil vermehrt Gaskraftwerke zum Einsatz kommen.

Hinzu kommt, dass insbesondere die maritime Wirtschaft auf LNG angewiesen sein wird, weil sich neue Schadstoffobergrenzen für Schiffe am leichtesten erreichen lassen, indem man Schiffsdiesel durch LNG ersetzt. Allein dieser Anwendungsbereich könnte ein LNG-Terminal in Deutschland erforderlich machen.

Aus Sicht von Wirtschaft und Politik ist es wichtig, sich den Zugriff auf möglichst viele Gasbezugsquellen zu sichern. Wichtigste Lieferanten Deutschlands sind bislang Russland, Norwegen und die Niederlande. Doch die Niederlande, aus denen im vergangenen Jahr 21 Prozent der deutschen Erdgasimporte kamen, fallen in wenigen Jahren als Lieferant aus: Nach mehreren Erdbeben im Bereich des Groninger Gasfeldes, Europas größtem Gasvorkommen, beschloss die niederländische Regierung, die Förderung stark zu drosseln und bis 2030 ganz zu beenden. Gleichzeitig sinkt die Gasförderung in Deutschland, die 2016 noch sechs Prozent des Gasverbrauchs deckte, kontinuierlich.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Bezug von LNG naheliegend. Allerdings wird der aktuelle Hype nicht überall geteilt. Importeure, die Gas mittels Pipelines nach Deutschland bringen, kritisieren, LNG könne den Wettbewerb verzerren. Denn die Bundesregierung stellt den Investoren Mittel aus öffentlichen Förderprogrammen in Aussicht.

„Mit staatlichen Subventionen LNG-Terminals zu errichten, sollte kritisch geprüft werden. Wettbewerb ist gut, aber eben nicht auf Basis diskriminierender Förderung“, heißt es etwa bei Wintershall. Das gelte ganz besonders vor dem Hintergrund, dass die LNG-Terminals in Europa nicht ausgelastet seien. Wintershall ist an der Finanzierung der Pipeline Nord Stream 2 beteiligt.

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