Energie-Streit Keine Subventionen für Atomenergie

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat sich gegen Subventionen für die Atomenergie ausgesprochen. Aber auch die Länder, die diesen Vorstoß einem Medienbericht zufolge planten, distanzieren sich.
Update: 13.04.2012 - 18:44 Uhr 10 Kommentare

BrüsselEU-Energiekommissar Günther Oettinger hat sich gegen Subventionen für die Atomenergie ausgesprochen. Einer solchen Idee stehe er „zurückhaltend gegenüber“, erklärte Oettinger am Freitag in Brüssel. Der Kommissar reagierte damit auf einen Zeitungsbericht, nach dem mehrere EU-Staaten auf einen Ausbau der Atomkraft drängten und diese subventionsfähig machen wollten.

Ziel sei es, dass die EU-Länder die erneuerbaren Energien „marktfähig machen und die öffentliche Förderung schrittweise reduziert wird“, teilte Oettinger mit. „Einer Förderung anderer Energiequellen, auch Atomkraft, stehe ich zurückhaltend gegenüber.“ Der Kommissar fügte hinzu: „Uns liegt kein Brief oder ein Antrag eines Mitgliedslandes vor, das Atomkraft subventionieren will.“

Das französische Atomkraftwerk Cattenom an der saarländischen Grenze. Frankreich, Großbritannien, Polen und Tschechien fordern EU-Subventionen für Atomkraft. Quelle: dpa

Das französische Atomkraftwerk Cattenom an der saarländischen Grenze. Frankreich, Großbritannien, Polen und Tschechien fordern EU-Subventionen für Atomkraft.

(Foto: dpa)

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am Freitag berichtet, Großbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien wollten die Atomenergie wie Windkraft oder Sonnenstrom als emissionsarme Technologie einstufen und somit ähnlich wie die erneuerbaren Energien subventionsfähig machen. Wenn sich die Länder durchsetzten, könne mittelfristig etwa der Bau von Atomkraftwerken und der Verkauf von Atomstrom gefördert werden. Die „SZ“ berief sich auf Briefe der vier Länder, die der Vorbereitung eines Ministerrats zu den Themen Energie und Umwelt in der kommenden Woche dienten.

Die französische Regierung dementierte, dass sich Frankreich für die Förderung des Ausbaus von Atomkraft mit EU-Mitteln einsetze. „Es gibt keinen französischen Vorstoß in diesem Sinne“, sagte ein Sprecher des Industrieministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Anders als die Bundesregierung, die im vergangenen Jahr den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen hatte, hält Frankreich an der Nuklearenergie fest, setzt sich aber lediglich dafür ein, dass der emissionsarme Atomstrom auch künftig Teil des EU-Energiemixes ist.

Das polnische Wirtschaftsministerium erklärte zu dem Zeitungsbericht auf Nachfrage, es sei nicht „auf dem Laufenden über eine solche Initiative“. Ein Sprecher des tschechischen Industrieministeriums bezeichnete die Darstellung des Berichts als „sehr vereinfachend“. EU-Diplomaten in Brüssel sagten, dass auch Großbritannien die Förderung der Atomenergie ablehne.

Die Idee einer EU-Förderung für Atomkraft rief in Deutschlan heftige Kritik hervor. Ein Jahr nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima sei es „Absurdistan in Reinkultur“, Milliardensubventionen für die „Risikotechnologie Atomkraft“ zu fordern, erklärte der Vorsitzende der Naturschutzorganisation BUND, Hubert Weiger.

„Die Forderung nach Subventionen kommt nach 50 Jahren der kommerziellen Nutzung einer Bankrotterklärung gleich“, sagte die Grünen-Europapolitikerin Rebecca Harms. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Horst Meierhofer nannte eine Bezuschussung der Atomenergie „absurd“.

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10 Kommentare zu "Energie-Streit: Oettinger gegen Förderung von Atomenergie"

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  • "Ohne EEG wäre der Marktwert von nicht-gespeicherten Strom ohne Netzanbindung unter 1 Cent die kWh."

    Wie hoch ist denn der Marktwert eines Atomkraftwerks ohne Netzanbindung? Die Bau- plus späteren Rückbaukosten eines EPR liegen mittlerweile bei ca. 5,5 Mrd. Euro/ GW. Die Kosten einer Windkraftanlage (inkl. Rückbau) liegen bei ca. 1,4 Mio. Euro/ MW. Mit anderen Worten, der EPR müßte ungefähr viermal höhere Volllaststundenzahlen haben (im Vergleich mit einer Windkraftanlage), um bei den Investitionskosten wenigstens gleichziehen zu können?! Und dafür hat man dann auch noch den Atommüll an der Backe?! Nee, Atomkraft ist nicht nur die teuerste, sondern gar keine Lösung!

  • OK dann bauen wir Kohlekraftwerke, denn nur diese sind billiger. Eneuerbare kann man kostenmässig vergessen, weil man die Kosten für Speicherung und Netzausbau dazurechen muss. Ohne EEG wäre der Marktwert von nicht-gespeicherten Strom ohne Netzanbindung unter 1 Cent die kWh.
    Gaskraftwerke sind auf lange Sicht teurer, wegen den Kosten für das Erdgas. Japan hat genau deshalb jetzt ein Aussenhandelsdefizit, weil man auf einmal riesige Mengen Gas per Tanker importieren muss, um die bösen abgeschalteten AKW zu ersetzrn.

    Atomkraft ist etwas für diejenigen, die etwas gegen die Emissionen von Kohlekraft, und etwas gegen die Abhängigkeit und hohen Preise von Erdgas haben. Atomkraft ist etwas für echte Umweltschützer und echte Strategen. Wenn es rein darum geht, wer billiger ist, gewinnt Kohle. So und jetzt will ich die Grünen sehen, die da dafür sind!

  • "Günstige Energiequelle"

    Die genannten 4,5 Mrd. Euro für ein 1600 MW Atomkraftwerk sind sprichwörtlich von vorgestern! Die Kosten des EPR in Finnland liegen mittlerweile bei geschätzten 6,6 Mrd. Euro. Die geplanten Westinghouse 1100 MW Atomkraftwerke in den USA sollen sogar 7 Mrd. US-Dollar kosten!

    Ohne Subventionen haben sich noch nie Atomkraftwerke gerechnet, und dass wird sich in der Zukunft auch nicht ändern, wie man sieht! Mehr ist dazu eigentlich nichts zu sagen!

  • In 30 Jahren wird jedes Land ausgelacht werden, welches es sträflich versäumt hat, auf die Verknappung der Rohstoffe entsprechend zu reagieren und in erneuerbare Energien zu investieren. Auch Uran ist ein endlicher Rohstoff. Obendrein zählt der Uranabbau zu den größten Umweltsauereien überhaupt.

    Mit dieser suspekten Aktion entkräften die Atomkraft-Befürworter ihr wichtigstes Argument selbst: weshalb sind denn Subventionen notwendig, wenn doch angeblich Atomstrom sooo kostengünstig sein soll?

    Und "emissionsfrei" ist ja gerade Atomstrom ganz gewiss nicht - es entfällt also die erforderliche Voraussetzung für Subventionierung. Unsere Enkel werden uns verfluchen für unsere strahlenden Hinterlassenschaften, welche noch in 1000 Jahren enorme Kosten und Schäden verursachen werden.

    Was ist das nur für eine mysteriöse Räubergeschichte? In Brüssel liegen angeblich überhaupt keine Schreiben der besagten Länder vor. Zum Glück steht Öttinger diesem Versuchsballon der Atomlobby zurückhaltend gegenüber.

    Atomkraft soll also eine nachhaltige und "emmisionsfreie" Technik sein? Willkommen in Absurdistan!

  • Der ökoreligiös sucht mit dem Artikel und einer selektiven Faktenvermittlung einen Eindruck zu erwecken der nicht ganz die Realität wiedergibt.

    Grundsätzlich haben Kernkraftwerke die niedrigsten Brennstoffkosten, ca. 0,5c/kWh (inkl. Entsorgung EDF) und die niedrgsten Betriebskosten, ca. 1,5 - 2c/kWh aller Kraftwerke. Dmzufolge können abgeschriebene Kernkraftwerke den günstigsten Strom liefern.

    Aufgrund dessen, dass jede Behörde und jeder Politiker in Westeuropa stolz darauf ist kostenträchtige Auflagen für Kernkraftwerke zu erlassen sind die Baukosten für neue KKW enorm gestiegen. Frankreich, dass den sehr komplexen EPR im Programm hat, hat seinen Teil beigetragen diese Regeln über ganz Westeuropa zu verbreiten um günstigere Koreanische und Russische Wettbewerber zu blockieren. Je nach kalkulatorischem Zins und Abschreibungsdauer rechnet sich ein Neubau im Vergleich mit Kohle nur mehr unter idealen Bedingungen.

    Da Europa im internationalen Wettbewerb steht bietet es sich vom Verstande her an, diese Regeln in Hinblick darauf dass Kernkraftwerke abseits phantasievoller Medienberichte das geringste Risikopotential haben an, diese Regeln zu überprüfen und auf das Sinnvolle zu reduzieren.

    Weiterhin bietet es sich an neue kostenoptimierte Reaktorkonzepte zu entwickeln um das Potential dieser Zukunftsenergie zu nutzen.

    Vandale

  • Wenn es nicht so peinlich wäre, könnte man lachen. Atomstrom ist billig, und ohne Subventionen setzt kein Bauer eine Windmühle auf den Acker, und niemand päppelt sich Solarzellen aufs Dach. Aber wenn ohne Subventionen kein neues KKW gebaut wird, dann ist das natürlich gaaaanz was anderes.

  • "...Atomstrom zu subventionieren widerspricht allem, was in Deutschland beschlossen wurde..."

    Womit klar sein sollte, dass Deutschlands Vorbildfunktion auf andere Länder doch nicht so groß ist, wie uns von der Politik und den Medien immer eingetrichtert wird. Wie schon oft erwähnt, wird Deutschland nur ausgelacht, weil wir uns selbst schädigen. Ich bin dafür, dass der Atomstrom subventioniert wird. Ich bin für einen EU-weiten Markt und möchte dann reinen Atomstrom beziehen. Gerne aus Frankreich oder Polen oder sonst woher. Was soll ich machen, wenn ich in Deutschland keinen Atomstrom mehr bekommen kann. Es gibt ja auch Menschen, die ins Ausland fahren, weil sie in Deutschland keine Getränkedosen mehr bekommen können. Hauptsache ich kann meine Stromrechnung weiterhin bezahlen.

  • Und was lernen wir daraus?

    a) Atomstrom ist unwirtschaftlich und ohne (noch mehr) Subventionen nicht lebensfähig.
    b) Die EU ist eine hübsche kleine Melkmaschine zum Transfer von Wohlstand in bestimmte Länder, die ihn selbst nicht erwirtschaften können.

    Mit anderen Worten: Im Westen nichts Neues.

  • ... ist das ein verspäteter Aprilscherz oder will man Leiche Kernenergie noch einmal zum Zucken bringen?

  • Wenn sich das durchsetzt, bezahlt Deutschland die Subventionen für die KKW, und kauft dann auch noch die produzierte Energie. Tolles Geschäft!!

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