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Energieversorgung Belgien droht der Strom-Blackout

Sechs belgische Atomkraftwerke werden im November gleichzeitig vom Netz genommen. Diese Versorgungslücke ist kaum auszugleichen. Dahinter stecken wohl Machtspiele.
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Engie-Electrabel ist ein Tochterunternehmen des französischen Energiekonzerns Engie Quelle: dpa
Kernkraftwerk Doel in Belgien

Engie-Electrabel ist ein Tochterunternehmen des französischen Energiekonzerns Engie

(Foto: dpa)

BrüsselGoldschmuck wird auf dem Schwarzmarkt gegen Brot getauscht, Lebensmitteltransporter werden überfallen, Supermärkte geplündert. Es brennen Häuser, weil die frierenden Menschen sich am Feuer wärmen wollten. Die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal, das öffentliche Leben bricht zusammen. Es sind fiktive Szenen, die in Marc Elsbergs Roman „Blackout“ beschreiben, was passiert, wenn in Europa über Tage hinweg der Strom ausfällt.

Belgien könnte im November eine Light-Version dieses Szenarios drohen. In dem Monat werden sechs von sieben Atomkraftwerken wegen Reparaturarbeiten gleichzeitig vom Netz genommen worden sein. Eine Versorgungslücke von 1000 bis zu 1700 Megawatt ist prognostiziert.

Die Nachbarländer Niederlande, Deutschland und Frankreich haben zwar ihre Unterstützung angeboten, um den Engpass zu umgehen, doch viel können sie nicht tun.

Das Problem: Belgien importiert schon jetzt fast so viel Strom wie es die Netze zulassen: 5500 Megawatt Leistung können importiert werden und bereits jetzt gibt es aufgrund der maroden belgischen Kraftwerke Tage, an denen 5000 Megawatt importiert werden müssen. Das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Königreichs mit seinen elf Millionen Einwohnern. Das Land steht an manchen Tagen kurz vor dem Blackout – und im November, wenn nur noch ein Atomkraftwerk am Netz sein wird, wird es ganz kritisch.

In dem Wintermonat sollen den Hochrechnungen der Stromversorger zufolge pro Tag nur 8000 Megawatt zur Verfügung stehen. Sollte es wie im November2017 besonders kalt werden, wird die Versorgungslücke noch größer. Damals wurden bis zu 13.000 Megawatt Leistung benötigt. Im Dezember kann immerhin, nach teilweise abgeschlossener Wartung, ein zweites Kraftwerk wieder in Betrieb genommen werden.

Doch bereits im Januar und Februar werden erneut Engpässe erwartet. Da Belgiens Nachbarländer in den besonders kalten Wintermonaten nun selbst mehr Energie verbrauchen, können sie nicht die notwendigen Mengen exportieren. Die nächste Versorgungslücke ist somit bereits abzusehen. Wie lange die Wartungsarbeiten noch dauern werden, ist nicht bekannt.

Die belgische Energieministerin Marie-Christine Marghem muss sich wegen des Energieengpasses viel Kritik anhören, die sie jedoch zurückweist: Sie sei für den potenziellen Blackout nicht verantwortlich, sondern der Stromversorger Engie-Electrabel, der die Wartungsarbeiten falsch geplant habe.

Mängel angeblich seit den Neunzigerjahren bekannt

Es werden Machtspiele hinter der problematische Planung vermutet: Engie-Electrabel ist ein Tochterunternehmen des französischen Energiekonzerns Engie, der Belgiens Atomausstieg hinausschieben und auf diese Weise längere Laufzeiten für seine abgeschriebenen belgischen Atomkraftwerke durchsetzen will.

Auch eine fatale Sparpolitik wird Engie vorgeworfen: Ein ehemaliger Mitarbeiter des Konzerns, der anonym bleiben will, erzählte flämischen Medien, dass die Mängel der Atomkraftwerke bereits seit den Neunzigerjahren bekannt seien, aber Wartungsarbeiten hinausgeschoben wurden. Engie-Electrabel weist dies zurück: „Wir investieren jedes Jahr mehr als 200 Millionen Euro in die Wartung unserer Kraftwerke“, heißt es aus dem Unternehmen. „Die wirtschaftlichen Fragen standen nie über den Sicherheitsfragen.“

Für einen großen Anteil an der Stromknappheit Belgiens trägt allerdings auch Deutschlands Energiewende bei: Große Strommengen werden von den Windparks in Norddeutschland über Belgien in den Süden Deutschlands geleitet. Das deutsche Hochspannungsnetz selbst ist nicht stark genug, um all diesen Strom zu den süddeutschen Industriegebieten zu transportieren. Wäre das nicht der Fall, könnte Belgien die eigenen Netze viel stärker nutzen, um mehr Strom für den Eigenbedarf einzuführen.

Die Belgier hoffen nun auf Deutschland: In den kritischen Monaten könnten sie einen Teil des für den Süden der Bundesrepublik vorgesehenen Stroms bekommen, um den Versorgungsengpass zu umgehen.

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1 Kommentar zu "Energieversorgung: Belgien droht der Strom-Blackout"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das könnte tatsächlich ein SuperGau für Belgien werden. Allerdings selbst verschuldet, wenn man seit Jahrzehnten das Problem verschleppte und auch nicht bereit ist neue Energien in den Markt zu integrieren. Neueste Forschung bietet Alternativen - Neutrino-Energy wäre die Lösung vieler Komplikationen und vor allem Emissionsfreie Energy als UNENDLICHE RESSOURCE für die mobile, dezentrale Haushaltsenergie und für die Elektromobilität. Dazu liegen spannende,internationale Forschungsergebnisse und Patente der Berliner Neutrino Energy Group bereit. Es werden demzufolge keine Grosskraftwerke und Stromtrassen mehr benötigt, weil Billionen von Neutrinos mit der Solaren Strahlung weltweit strömen und in Energie gewandelt werden können durch Haushaltsgeneratoren und PowerCubes. Damit wird ein revolutionärer Systemwandel einsetzen, ähnlich wie in den 90iger Jahren weg von der FestnetzTelefonie zur Mobiltelefonie, was ja heutzutage bereits kinderleicht erscheint. Allerdings, solange wir unseren Strom mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe und Atomkraft herstellen, rauchen die Abgase und Schadstoffe aus den Schornsteinen und es bleibt bei der Tatsache, dass Lobbyisten aus Politik und Wirtschaft wollen weiterhin den milliardenschweren Gewinn, der sich die nächsten Jahre noch aus der Verstromung der Bodenschätze ergibt, reinholen. Bis die letzten Öl-, Kohle- und Gasreserven ebenso teuer wie umweltschädlich verfeuert worden sind und unzählige weitere Menschen bei den geopolitischen Konflikten darum ihr Leben gelassen haben oder dann, wenn durch Millionen Tonnen weiterer CO² und anderer Abgase sich die Erderwärmung so weiter beschleunigt, dass die Auswirkungen für unser Klima noch dramatischer werden. Das der Erhalt der Umwelt vor der Profitgier der Energiekonzerne und anderer Partizipanten nachhaltiges Gehör findet ist eher unwahrscheinlich. Die Bevölkerung muss Aufstehen und neue Investionen von Politik und Wirtschaft fordern, denn alte Machtstrukturen verhindern den Fortschritt.