1. Startseite
  2. Politik
  3. International
  4. Frankreich: Regierung bereitet Notfallplan für Strommangel vor

EnergieversorgungFrankreichs Notfallplan: Stromausfälle für bis zu 60 Prozent der Bevölkerung möglich

Weil in Frankreich noch immer viele Atomkraftwerke nicht am Netz sind, ist die Stromversorgung des Landes in Gefahr. Die französische Regierung versucht, das Land vorzubereiten.Tanja Kuchenbecker 01.12.2022 - 15:00 Uhr Artikel anhören

Frankreich kann seinen Strombedarf aktuell nicht allein decken.

Foto: dpa

Paris. Die französische Regierung möchte mit einem Notfallplan einen Zusammenbruch der Stromversorgung im Winter vermeiden. Zwar gilt ein Blackout als unwahrscheinlich, Frankreich bereitet sich dennoch auf Engpässe bei der Stromversorgung vor. Regierungssprecher Olivier Véran nannte „außergewöhnliche Maßnahmen als letzten Ausweg“.

Grund für die Versorgungsengpässe, die insbesondere im Januar erwartet werden, ist die verzögerte Wartung vieler Atommeiler. Ende November liefen 21 der 56 Atommeiler nicht. Wartungsarbeiten, Korrosionsprobleme, die Pandemie und Streiks haben den französischen Energiekonzern EDF ausgebremst. Im Dezember sollen elf Meiler wieder hochgefahren werden.

Die Französinnen und Franzosen müssen sich deshalb auf die Unterbrechung der Versorgung von jeweils zwei Stunden vorbereiten. Es soll sich um lokale Stromausfälle handeln, die kleine Gebiete und nicht ganze Städte oder ein komplettes Département betreffen.

Dem Plan zufolge könnte der Strom im Zeitraum zwischen 8 und 13 Uhr oder zwischen 18 und 20 Uhr unterbrochen werden. In dem Fall würde die Bevölkerung über die zentrale Warn-App Ecowatt alarmiert. Krankenhäuser und andere wichtige Einrichtungen wie Feuerwehr und Polizei sollen verschont bleiben. Die Ausfälle könnten über das Land hinweg 60 Prozent der Verbraucher treffen, in Paris etwa 20 Prozent.

Internet und Telefone funktionieren bei einem Ausfall nicht, Züge und Metro sollen nicht fahren. Die Schulen sollen geschlossen bleiben, wenn in einer Gegend der Strom abgestellt wird. Fraglich ist noch, ob die zentrale Notfallnummer 112 weiter erreichbar sein wird.

Paris rechnet mit Engpässen bei der Stromversorgung.

Foto: AP

Laut Xavier Piechaczyk, Chef des Netzbetreibers RTE, könnte es im Winter mehr als zehnmal zu Ausfällen kommen, wenn die Atomreaktoren nicht hochgefahren werden und es besonders kalt wird. Bleibt es wärmer, sind bis zu sechs Ausfälle nicht ausgeschlossen.

Wie stark es die Menschen in Frankreich treffen wird, hängt neben dem Wetter und dem Fortschritt bei den Atomkraftwerken auch von den Nachbarländern ab. Frankreich muss von den europäischen Partnern Elektrizität einkaufen, darunter vor allem von Deutschland und Belgien, aber auch von Spanien und Großbritannien. Mit Deutschland hat Frankreich gerade ein Solidaritätsabkommen getroffen. Deutschland liefert Strom an Frankreich, Frankreich Gas an Deutschland.

Doch die Kapazitäten dafür sind nicht unbegrenzt, sondern abhängig von der Versorgungslage in Deutschland.

Verwandte Themen
Frankreich
Wirtschaftspolitik

Die Strom-Abhängigkeit Frankreichs von anderen Ländern war noch nie so hoch. Die Zahl der Tage, an denen Strom aus anderen Ländern importiert wurde, stieg von 17 im Jahr 2018 auf in diesem Jahr 220 allein bis Ende November. Vorher war Frankreich ein großes Exportland für Strom. In den Jahren 2014 und 2015 wurde gar kein Strom eingeführt.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt