Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ Der entzauberte Trump-Clan

Eigentlich wollte der US-Präsident das Weiße Haus wie ein Familienunternehmen führen. Doch glaubt man dem gerade erschienen Buch „Fire and Fury“, sind seine Angehörigen für ihn längst zum Problem geworden. Ein Überblick.
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Enthüllungsbuch „Fire and Fury“: Der entzauberte Trump-Clan Quelle: AFP
Trump-Familie

Laut Autor Michael Wolff sollte Trumps Familie den Präsidenten schützen – stattdessen ist sie für ihn zum Problem geworden.

(Foto: AFP)

WashingtonDer Präsident gibt sich bemüht unbeeindruckt – und geschäftig. Am Wochenende beriet sich Donald Trump mit republikanischen Kongressmitgliedern und Ministern seines Kabinetts über die Regierungsagenda für das Jahr 2018. Gut gerüstet siehst er sich für die anstehenden Aufgaben, sagte Trump nach dem Treffen auf dem Präsidentenlandsitz in Camp David.

Dabei steht Donald Trump in diesen Tagen mächtig unter Druck. Das Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ des Autors Michael Wolff zeichnet ein desaströses Bild seiner Präsidentschaft. Präsidialer Alltag scheint da unmöglich. Und nicht nur das Staatsoberhaupt zieht Kritik auf sich. Auch die Rolle der Trump-Familie rückt zunehmend in den Fokus.

Seine Angehörigen sind dem Präsident sehr wichtig. Ursprünglich wollte er viele Schlüsselpositionen in seiner Machtzentrale mit Familienmitgliedern besetzen, schreibt Autor Wolff. Dieser Plan konnte ihm ausgeredet werden, doch eine Sonderrolle kommt seinen Kindern immer noch zu.

Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner übernahmen wichtige Aufgaben im Weißen Haus, die Söhne Don Jr. und Eric sollten das Familienunternehmen führen. Die Familie, so die Hoffnung, sollte das Schutzschild des Präsidenten sein. Wolffs Buch zeigt nun, wie schnell dieser Plan scheiterte. Trumps Familie schützt ihn nicht – sie wurde für ihn vielmehr schnell zum Problem.

Jared Kushner und Ivanka Trump

Jung, erfolgreich, gutaussehend: Trumps Lieblingstochter und sein Schwiegersohn sollten die makellose Fassade der Präsidentschaft Donald Trumps sein. Ivanka das strahlende und freundliche Gesicht einer unerfahrenen Regierung, Kushner der „Wunderjunge“, dem das Staatsoberhaupt nicht nur einen wichtigen Posten in seinem Beraterstab übertrug, sondern auch ein umfangreiches Portfolio – von der Lösung der Opioid-Krise in den USA bis hin zum Erarbeiten eines Friedensplans für den Nahen Osten.

Glaubt man Autor Wolff, dann ist von dieser Hoffnung nach nur einem Jahr nichts mehr übrig. Kushner kam, wie der Rest des Trump-Clans, ohne jegliche politische Erfahrung nach Washington. Anstatt die großen Probleme der Nation zu lösen, verstrickte er sich laut Wolff immer weiter in den Machtkämpfen innerhalb des Weißen Hauses. An Erfolgen hat er bislang kaum etwas vorzuweisen.

Jung, erfolgreich, gutaussehend: Trumps Lieblingstochter und sein Schwiegersohn sollten die makellose Fassade von Trumps Präsidentschaft sein. Quelle: AP
Ivanka Trump und Jared Kushner

Jung, erfolgreich, gutaussehend: Trumps Lieblingstochter und sein Schwiegersohn sollten die makellose Fassade von Trumps Präsidentschaft sein.

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Gleichzeitig droht durch die Geschäftsverstrickungen Kushners Familie in der New Yorker Immobilienszene Gefahr für Trumps Präsidentschaft. Die Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller werde sich mit dem Thema Geldwäsche beschäftigen, zitiert Wolff Trumps Ex-Chefstrategen Stephen Bannon. Der Weg der Ermittler werde über „die Deutsche Bank und den ganzen Kushner-Mist“ gehen, mahnt Bannon. Der Schwiegersohn ist für den Präsidenten längst zum Risiko geworden.

Ivanka Trump ist es ebenfalls kaum gelungen, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Dass sie als „moderierender Einfluss“ auf ihren Vater wirken könne, glaubt heute kaum noch jemand.

Wolff schreibt, auch die politischen Ziele der Tochter vertrügen sich nicht mit denen des Vaters – „oder zumindest mit der Agenda, die ihm den Wahlsieg einbrachte“. Der Präsident interessiere sich schlicht nicht für das Voranbringen von Unternehmerinnen in Entwicklungsländern. An einen Wahlsieg ihres Vaters hatte Ivanka dem Autor nach sowieso nicht geglaubt.

Als Aushängeschild nutzt Trump seine Tochter trotzdem weiter. Unvergessen, wie sie während des G20-Gipfels in Hamburg zwischen den anderen Staats- und Regierungschefs Platz nehmen durfte, als der Präsident einmal den Raum verließ.

Zumindest diesen öffentlichen Teil ihrer Rolle scheint Ivanka zu genießen. Auch nutzt er ihr. Schließlich verfolgt sie laut Wolff ebenfalls ein ambitioniertes Ziel: eine eigene Präsidentschaftskandidatur.

Donald jr. und Eric Trump

Die ältesten Söhne des Präsidenten übernahmen nach der Wahl offiziell das Tagesgeschäft der Trump-Organisation – eine Rolle, in der sie sich potenziell hätten entwickeln und aus dem Schatten ihres Vaters heraustreten können. Doch laut „Fire and Fury“ hat der Präsident daran kein Interesse.

Trump halte seine Söhne, 39 und 33 Jahre alt, in einer „erzwungenen infantilen Beziehung“ zu sich, schreibt Wolff. Der Präsident genieße es zudem darauf hinzuweisen, „dass die beiden wohl hinten im Raum standen, als der liebe Gott Gehirne verteilte“. Sonderlich beliebt scheinen sie im Trump-Universum ebenfalls nicht zu sein. Hinter ihrem Rücken würden die Brüder Udai und Kusai genannt – nach den Söhnen Saddam Husseins.

Vom allem Donald jr. hat derzeit jedoch größere Probleme. Sein Treffen mit einer russischen Anwältin während des Wahlkampfs wirft bis heute Fragen auf. Der Erstgeborene hatte sich auf den Termin eingelassen, nachdem ihm ein Bekannter „Dreck“ über die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton versprochen hatte. Ex-Stratege Bannon nannte das Treffen laut Autor Wolff „verräterisch“, „unpatriotisch“ und „verrückt“.

Die ältesten Söhne des Präsidenten übernahmen nach der Wahl offiziell das Tagesgeschäft der Trump-Organisation. Quelle: AP
Donald jr. (l) und Eric Trump

Die ältesten Söhne des Präsidenten übernahmen nach der Wahl offiziell das Tagesgeschäft der Trump-Organisation.

(Foto: AP)

Auch für den Präsidenten könnte das Meeting noch problematisch werden. Schließlich hat Trump bislang stets zurückgewiesen, etwas über die Beziehungen seines engen Umfelds zu russischen Akteuren gewusst zu haben. Bannon bezweifelt, dass das stimmt. Die Chance, dass Don jr. seinem Vater nichts von dem Treffen erzählt hat, sei „Null“, zitiert Wolff den Breitbart-Chef.

Bislang muss sich jedoch vor allem Don jr. mit den Auswirkungen des Treffens herumschlagen. Er wurde bereits vor den Kongress zitiert, auch Sonderermittler Mueller soll sich für das Meeting im Trump Tower interessieren. Damit steht Don jr. auch in diesem Jahr zwar im Rampenlicht, jedoch ganz anders als geplant. Im vergangenen Frühjahr hatte er noch mit einer Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von New York geliebäugelt. Diese Pläne hat er mittlerweile fallengelassen.

Melania Trump

Trumps dritte Ehefrau befürchtete früh, dass ihr Mann tatsächlich Präsident werden könnte. Als er dann tatsächlich gewann, soll sie laut Wolff „in Tränen aufgelöst“ gewesen sein – und zwar nicht aus Freude.

Anders als ihre Vorgängerinnen als First Lady hält Melania Abstand zu den offiziellen Funktionen des Weißen Hauses. Auf dem Papier bekämpft sie Mobbing im Internet, viel mehr als eine Rede zum Thema bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen steht bislang allerdings nicht zu Buche.

Die First Lady hält Abstand von der Präsidentschaft ihres Mannes. Quelle: Reuters
Melania Trump

Die First Lady hält Abstand von der Präsidentschaft ihres Mannes.

(Foto: Reuters)

Auch sonst hält Melania Abstand von der Präsidentschaft ihres Mannes – und vom Präsidenten selbst. Ins Weiße Haus zog sie erst Monate nach dem Beginn von Trumps Amtszeit, laut Wolff schläft das Paar in getrennten Zimmern.

Tiffany und Barron Trump

Trumps jüngste Kinder spielen keine offizielle Rolle in seiner Präsidentschaft. Tochter Tiffany studiert an der Georgetown University in Washington DC und macht ansonsten gelegentlich mit Instagram-Posts auf sich aufmerksam. In Wolffs Buch wird sie als einziges Trump-Kind nicht einmal namentlich erwähnt.

Auch Barron Trump kommt kaum vor. Kein Wunder, mit gerade einmal elf Jahren ist vom jüngsten Sohn des Präsidenten keine tragende Rolle in einem Buch über das dysfunktionale Weiße Haus zu erwarten. Allerdings machte auch Barron hin und wieder kleinere Schlagzeilen. So stand er etwa nach der Wahl seines Vaters zum Präsidenten offensichtlich übermüdet mit seiner Familie auf der Bühne und gähnte sich durch dessen Siegesrede – sehr zur Freude der anwesenden Medien.

Und Donald Trump selbst?

Wird in dem Buch als undiszipliniertes großes Kind dargestellt, das die Bedeutung der Präsidentschaft nicht versteht, und dessen Kompetenz von Beratern angezweifelt wird. Ein Vorwurf, den Trump nicht auf sich sitzen lassen möchte. Er hält sich nach eigenen Angaben nämlich für sehr intelligent. „Meine beiden größten Qualitäten sind psychische Stabilität und wirklich schlau zu sein“, twitterte er am Samstag vom Präsidentenlandsitz Camp David.

Er habe sich von einem erfolgreichen Geschäftsmann zu einem Fernsehstar entwickelt und sei auf Anhieb Präsident geworden, schrieb Trump. Er denke, dass er somit nicht als schlau, sondern als Genie gelten könne – in dieser Hinsicht als „sehr stabiles Genie“.

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4 Kommentare zu "Enthüllungsbuch „Fire and Fury“: Der entzauberte Trump-Clan"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Bis vor Kurzem wollte Herr Spiegel uns noch glauben machen, an den Vorwürfen der Zusammenarbeit zwischen Trump und russischem Geheimdienst sei absolut nichts dran. Nun bestätigt dies sogar Steve Bannon, ein rechtsradikaler Anarchist, der die Zersetzung des demokratischen Staates als Ziel hat.

    Wenn Trump lügt, lügen seine Trolle im Internet auch. Was für ein Witz.

  • Natürlich muß man Ämter mit der Verwandschaft besetzen, das haben schön z,B. die Päpste so gemacht. Herr Trump könnte hier hier die Borgia oder Medici als Vorbild nehmen.

  • Es ist immer gut, wenn (vermeintlich) „Mächtige“ entzaubert werden, aber ich finde, die Slomka macht sowas eleganter.

    Weil unmittelbarer, und somit weitaus glaubwürdiger (siehe auch http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/zdf-interview-wie-dobrindt-geslomkat-wird/20816610.html)


    „Eigentlich wollte der US-Präsident das Weiße Haus wie ein Familienunternehmen führen. (…) Seine Angehörigen sind dem Präsident sehr wichtig. Ursprünglich wollte er viele Schlüsselpositionen in seiner Machtzentrale mit Familienmitgliedern besetzen, …“

    Nichts gegen "Familienunternehmen", aber in der Politik haben die nichts zu suchen.

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