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Entwicklung Was Merkel von Chinas Afrika-Strategie lernen könnte

Die Kanzlerin reist nach Afrika. Dort gewinnt China zunehmend an Einfluss. Die deutsche Politik könnte sich einiges abschauen.
2 Kommentare
Der chinesische Präsident bereitet den Boden für Investitionen in Afrika. Quelle: AP
Xi Jinping in Pretoria

Der chinesische Präsident bereitet den Boden für Investitionen in Afrika.

(Foto: AP)

Kapstadt Angela Merkels Stippvisite in Afrika ähnelt der von vor zwei Jahren: Wenn sie ab diesem Mittwoch mit Senegal, Ghana und Nigeria drei afrikanische Länder in nur drei Tagen bereist, wird sie wie schon im Oktober 2016 einen Schweinsgalopp einlegen. Da besuchte sie in der gleichen Zeitspanne die Krisenländer Mali und Niger sowie den Hoffnungsträger Äthiopien – ohne größeren Erfolg. Dabei will sie nach eigenem Bekunden diesmal nicht nur über, sondern ausdrücklich „mit“ Afrika reden.

Ebenso aktionistisch wie der dichte Reiseplan wirkt auch die deutsche Afrikastrategie: Sie reicht von der Initiative „Pro! Afrika“ des Wirtschaftsministeriums über den „Compact with Africa“ des Finanzministeriums bis zum „Marschallplan mit Afrika“ des Entwicklungsministeriums. Von einer kohärenten Strategie für den Nachbarkontinent ist jedenfalls wenig zu erkennen.

Wie eine solche Strategie ausschauen könnte, hat gerade erst Chinas Präsident Xi Jinping gezeigt, der vor einem Monat eine ähnliche Reise wie jetzt Merkel absolvierte, aber dafür mehr Zeit investierte. Nach Aufenthalten im Senegal, dem langjährigen Stabilitätsanker in Westafrika, sowie im wirtschaftlich erfolgreichen Ruanda, war Xi dabei auch nach Südafrika gereist, wo er am zehnten Gipfel der Brics-Staaten teilnahm, zu denen neben China und Südafrika auch noch Brasilien, Russland und Indien gehören.

Ging es bei den Afrikareisen chinesischer Spitzenpolitiker in der Vergangenheit vor allem um den Zugriff auf Rohstoffe und die entsprechende Infrastruktur, kommen nun auch geopolitische Aspekte hinzu. Erst im vergangenen Jahr hatte China mit der Eröffnung einer Militärbasis im Zwergstaat Dschibuti am Horn von Afrika seinen ersten Stützpunkt im Ausland seit Ende des Koreakrieges eröffnet. Die Militärbasis am Suezkanal ist vor allem als Logistikzentrum für die Marine gedacht, die China zum Schutz von Handelsschiffen am (neuerdings wieder vermehrt von Piraten geplagten) Horn von Afrika stationiert hat.

Daneben finanziert und baut China noch immer fast überall in Afrika kostengünstig riesige Infrastrukturprojekte, die Teil einer neuen „Seidenstraße“ sind, durch die Xi Asien mit Europa, dem Nahen Osten und Teilen von Afrika verbinden will. Bis zu einer Billion Dollar wollen die Chinesen für diese Initiative mobilisieren – solche Summen sind seit dem Marshallplan nicht mehr grenzüberschreitend investiert worden.

Auch versucht sich das Land verstärkt im Ideologietransfer: So möchte China sein Kadersystem unbedingt nach Afrika exportieren, um dadurch engere Beziehungen zu den oft allein am eigenen Machterhalt interessierten, autokratischen Regimen des Kontinents zu schmieden. Menschenrechte sind dabei naturgemäß kein Thema. Seit dem Sturz seines kommunistischen Militärregimes 1991 folgt vor allem Äthiopien aber inzwischen auch Ruanda dem chinesischen Entwicklungsweg: so wenig Demokratie wie nötig, so viel Staatskapitalismus wie möglich.

China gewinnt auch auf weniger sichtbare Weise an Einfluss: Beobachter verweisen etwa darauf, dass die Zahl afrikanischer Studenten in China vor zwei Jahren erstmals die Zahl der Afrikaner überstiegen hat, die in Großbritannien oder Amerika studieren, den traditionellen Studienplätzen. So hat China zuletzt Zehntausende Stipendien an Afrikaner vergeben.

In der Bewertung Chinas in Afrika scheint sich dieses Vorgehen inzwischen auszuzahlen: So ermittelte der Umfragedienst Afrobarometer, dass rund zwei Drittel der Menschen in 36 afrikanischen Ländern China für einen „guten Einfluss“ halten, auch wenn dort noch immer mehrheitlich das amerikanische Entwicklungsmodel bevorzugt wird.

Das könnte sich aber auch deshalb ändern, weil ein Großteil des chinesischen Engagements in Afrika wirtschaftlich motiviert ist. Chinesische Kredite und Baufirmen haben die bis vor Kurzem kaum existente Infrastruktur des schwarzen Kontinents bereits nachhaltig vorangetrieben, etwa das städtische Nahverkehrssystem in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, das China in nur drei Jahren für rund 500 Millionen US-Dollar aus dem Boden stampfte. China finanziert und baut auch Häfen, Straßen, Stadien sowie die Wohn- und Amtssitze afrikanischer Präsidenten. Auch fließen viele Investitionen in Minen, Fabriken und Einkaufszentren.

Doch es gibt auch Probleme. So werden Chinas Investitionen in Afrika an Größe oft überschätzt, weil es sich dabei zumeist nur um lose Zusagen statt konkreter Geldflüsse handelt – wie jetzt auch im Fall von Südafrika, dem China fast 15 Milliarden Dollar für eine Reihe von Projekten in Aussicht stellte.

Der Ökonom David Dollar kommt bei seinen Untersuchungen jedenfalls zu dem Ergebnis, dass China derzeit nur für etwas mehr als 5 Prozent aller Investitionen in Afrika verantwortlich zeichnet – und sein Anteil bei Neuinvestitionen etwa ebenso groß ist. Das amerikanische Investitionsvolumen sei noch immer etwa doppelt so hoch.

Dennoch ist Chinas Ausgriff in Afrika insgesamt betrachtet von hoher Bedeutung: China ist inzwischen der wichtigste Handelspartner Afrikas und hat sein Engagement im Gegensatz zu den USA, dessen Präsident sich nicht besonders für den Kontinent zu interessieren scheint, kontinuierlich ausgebaut. Die Unternehmensberatung McKinsey glaubt, dass derzeit etwa 10.000 chinesische Firmen in Afrika aktiv sind – 90 Prozent davon in privater Hand.

Während ausgerechnet die größeren Infrastrukturvorhaben wie etwa die Bahnlinie zwischen Kenias Küstenstadt Mombasa und der Hauptstadt Nairobi wenig lukrativ sind, amortisieren sich kleinere Investitionen bisweilen oft schon binnen kurzer Zeit – und sind Indiz dafür, dass mit einer realitätsnahen Strategie in Afrika durchaus Geld zu verdienen ist.

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2 Kommentare zu "Entwicklung: Was Merkel von Chinas Afrika-Strategie lernen könnte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Analyse von Herrn Drechsler ist sehr schlüssig. Das deutsche Problem ist, dass wir keine kohärente Strategie für Afrika haben. Jedes Ministerium macht was es will. Es gibt mehrere Ansätze: im Wirtschaftsministeriums, im Finanzministerium und der unsägliche „Marschallplan mit Afrika“ des Entwicklungsministeriums. Die Schriftstellerin Yvonne Adhiambo Owuor aus Kenia nennt „Entwicklungshelfer mit messianischen Funkeln in den Augen“, die „ Love-Africa-Typen“ und fragt sich „Ist er ein Brunnenbauer? Ein Armutsbekämpfer?“ Viele kritische Afrikaner (nur eine kleine Auswahl: Thabo Mbeki, Wole Soyinka, Teju Cole, Andrew Mwenda) können die Wirklichkeit des Kontinents besser beschreiben als westliche Experten mit angestrengter Sprache und grandiosen Thesen. Gerne wird ihnen das abwertende Etikett „umstritten“ oder gar „ideologisch geprägte Programmatik“ angehängt, weil sie sich gegen Entwicklungshilfe aussprechen. Es gibt lautstarken Protest – aber nicht gegen die Zustände, sondern gegen die Ehrlichkeit, die als Munition für Kürzungen im Entwicklungshilfehaushalt gesehen wird.

    Chinesen sind überall. Sie reparieren Straßen, Brücken, bauen Präsidentenpaläste (in Windhuk/Namibia, Libreville/Gabun), ein Kongresszentrum mit Golfplätzen in Freetown/Sierra Leone oder ein schlüsselfertiges Außenministerium in Kigali/Ruanda. Die eingesetzte chinesische Technik kommt den Anforderungen in einem Entwicklungsland oft näher als westliche Hochtechnologie.Dreiviertel aller heute aktiven Fabriken waren vor zehn Jahren noch nicht in Afrika. Im „Oriental Industrial Park“ ca. 40 km von Addis Abeba entfernt, beschäftigt die Firma Jinhua Huajian Industries seit 2011 bislang 5.000 einheimische sowie 130 chinesische Angestellte und produziert Schuhe (z.B. Guess und Tommy Hilfinger) für den US Markt. Insgesamt will die Firma 2 Milliarden US Dollar über einen Zeitraum von 10 Jahren investieren und 30.000 Arbeitsplätze schaffen.
    Volker Seitz, Botschafter a.D. (17 Jahre in Afrika tätig)

  • Sehr geehrter Herr Drechsler,

    "Kolonialismus" kann man sicher mit Beherrschung und Ausbeutung übersetzen. Aber wie ist das nun mit Chinas Afrika-Politik? Dass die Gewinnung von Macht und Einfluß einer ihrer Triebfedern ist, ist sonnenklar. Und wenn es um Wirtschaftshilfe geht, scheint der Eigennutz ebenfalls ein wichtiges Motiv zu sein.

    Tut mir leid, aber das ist wirklich nicht das Modell, das mir für die deutsche Entwicklungspolitik vorschwebt. Wie wäre es mit einem gehörigen Schuß Humanismus oder Brüderlichkeit? Schon davon gehört?

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