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Entwicklungsminister Gerd Müller „Wer in Afrika investieren will, kann das gut in Ghana tun“

Der Entwicklungsminister ermutigt Mittelständler, Marktchancen in Afrika zu nutzen. Im Interview spricht Müller über empfehlenswerte Investitionen und Branchen.
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„Mit unserem Beratungszentrum vermitteln wir vor allem einheimische Menschen in Jobs und helfen ihnen bei der Existenzgründung.“ Quelle: dpa
Gerd Müller

„Mit unserem Beratungszentrum vermitteln wir vor allem einheimische Menschen in Jobs und helfen ihnen bei der Existenzgründung.“

(Foto: dpa)

BerlinEntwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hält nichts davon, Entwicklungshilfe zu eng mit dem Thema Migration zu verknüpfen. „Es war nie mein Ansatz, aus diesem Grund für Wirtschaftsentwicklung einzutreten“, sagte Müller im Interview mit dem Handelsblatt. „Wenn wir Entwicklungssprünge schaffen wollen, dann brauchen wir nachhaltige private Investitionen“, sagte er.

Müller wirbt auf dem bis Mittwoch dauernden deutsch-afrikanischen Wirtschaftsgipfel in Ghanas Hauptstadt Accra für Investitionen deutscher Unternehmen auf dem Kontinent. Ghana sei ein gutes Einstiegsland, wegen seiner politischen Stabilität, einer aktiven Korruptionsbekämpfung und einer recht hohen Rechtssicherheit. Die Konferenz wird alle zwei Jahre von der deutschen Wirtschaft ausgerichtet.

Die Bundesregierung unterhält in Accra ein Rückkehrerzentrum – das Müller nun umwidmen will, denn Ghana sei gar kein Hauptauswandererland. „Mit unserem Beratungszentrum vermitteln wir vor allem einheimische Menschen in Jobs und helfen ihnen bei der Existenzgründung“, sagte Müller. Es werde zu einer landesweiten Arbeitsagentur weiterentwickelt, die sich mit den regionalen Jobcentern vernetzt und Ausbildung organisiert. „Diese Angebote stehen natürlich auch Rückkehrern aus Deutschland offen. Aber viele sind das ja nicht“, so Müller.

Den deutschen Unternehmern versprach er, den von Kanzlerin Angela Merkel versprochenen Entwicklungsinvestitionsfonds jetzt schnell umzusetzen. Eine Milliarde Euro sollen für Investitionen deutscher und afrikanischer Mittelständler bereitgestellt werden, etwa für zinsbegünstigte Kredite.

Während des deutsch-afrikanischen Wirtschaftsgipfels eröffnet Müller ein Bau-Ausbildungszentrum, besucht eine Textilfabrik und vermittelt Kontakte zwischen deutschen und afrikanischen Firmen. Er beantwortete die Fragen in einem Telefonat aus Accra.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Herr Minister, die Bundesregierung hat in den vergangenen drei Jahren die Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika um die Förderung der Privatwirtschaft erweitert. Ist das erfolgreich?
Wir haben in der kurzen Zeit in unseren Schwerpunktländern einiges erreicht. Vor allem hier in Ghana. Ghana ist ein politischer Stabilitätsanker für Westafrika. Seit mehreren Jahren gibt es ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, zuletzt acht Prozent. Auch die Exporte aus Ghana nach Deutschland sind 2018 deutlich gestiegen, von 450 Millionen auf 600 Millionen Euro. Ich freue mich, dass Ghana Fuß fasst im internationalen Handel.

Können Sie deutschen Mittelständlern denn Investitionen in Ghana empfehlen?
Ja. Die deutsch-afrikanische Wirtschaftskonferenz hier in Accra soll ein klares Signal an deutsche Unternehmen senden: Wer überlegt, in einem afrikanischen Land zu investieren, der kann dies in Ghana tun. Die Rahmenbedingungen haben sich erheblich verbessert. Es gibt einen staatlichen Korruptionsbeauftragten, das Land hat sich auf dem Geschäftsklimaindex deutlich verbessert. Es gibt Rechnungshöfe, es gibt immer mehr Rechtssicherheit. Deutsche Investoren bleiben in der Sonderwirtschaftszone in Accra die ersten zehn Jahre steuerfrei. Das kommt an. Deutsche Unternehmen interessieren sich.

Welche Branchen wären denn für Investoren interessant?
Landwirtschaft, Bau, Textil und erneuerbare Energien. Made in Germany hat einen exzellenten Ruf, das Interesse an Kooperationen mit deutschen Firmen ist hoch. Mit der Baufirma Knauf habe ich hier ein gemeinsames Ausbildungszentrum eröffnet, in dem jährlich bis zu 1000 Trockenbauer lernen können. Und gerade war ich in einer Textilfabrik mit 1500 Beschäftigten, die auf 5000 Beschäftigte ausbauen und auch nach Deutschland liefern will. Selbstverständlich werden dort existenzsichernde Löhne gezahlt.

Viele Mittelständler haben ein Problem, Investitionen in afrikanischen Staaten von ihrer Bank finanziert zu bekommen. Wann kommt denn nun der Entwicklungsinvestitionsfonds, den Kanzlerin Angela Merkel im Oktober angekündigt hat?
Die Umsetzung läuft. Die Förderbank DEG wird jetzt operationelle Programme anbieten. Deutsche Mittelständler, die eine bis vier Millionen Euro investieren wollen, können so zinsgünstige Darlehen bekommen. In Accra eröffnen wir auch unseren dritten German Desk in Afrika: Dort bekommen deutsche Mittelständler Beratung, Finanzierung und Projektpartner aus einer Hand.
Ghana gilt in Westafrika schon lange als Vorzeigeland. Mancher sagt, das Land sei schon überfördert ...
Es geht mir nicht darum, Milliarden an staatlichen Mitteln auszugeben, sondern dass wir helfen, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Genau deswegen stärken wir den Rechnungshof und die Steuerverwaltung. Investieren müssen die Firmen dann schon selber. Wir wollen, dass hier vor Ort stabile Märkte und Perspektiven für die jungen Menschen entstehen.

In den letzten beiden Jahren wurde in Deutschland Entwicklungszusammenarbeit vor allem unter dem Schlagwort „Migration verhindern“ diskutiert. Die Migrationszahlen sinken. Lässt das Engagement der Bundesregierung nun wieder nach?
Es war nie mein Ansatz, aus diesem Grund für Wirtschaftsentwicklung einzutreten. Es ist doch klar: Wenn wir Entwicklungssprünge schaffen wollen, dann brauchen wir nachhaltige private Investitionen. Ghana ist im Übrigen auch kein Hauptauswanderungsland.

Weshalb gibt es dann in Accra ein deutsches Rückkehrerzentrum?
Mit unserem Beratungszentrum vermitteln wir vor allem einheimische Menschen in Jobs und helfen ihnen bei der Existenzgründung. Das Zentrum wollen wir jetzt zu einer landesweiten Arbeitsagentur weiterentwickeln, die sich mit den regionalen Jobcentern vernetzt und auch Ausbildung organisiert. Diese Angebote stehen natürlich auch Rückkehrern aus Deutschland offen. Aber viele sind das ja nicht. Und wenn wir es ernst meinen mit dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz, dann muss der Fachkräfteaustausch ja auch organisiert werden. In den nächsten fünf Jahren sind das die Aufgaben für das Beratungszentrum.

Herr Minister, vielen Dank für das Interview.

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