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Epidemie In Chinas Unternehmen kehrt der Alltag nur langsam ein

Viele Chinesen sind am Montag wieder zur Arbeit zurückgekehrt. Doch in Büros und Werken herrscht weiter der Ausnahmezustand, viele Auflagen schränken den Alltag ein.
10.02.2020 - 18:01 Uhr Kommentieren
Fahrzeugbauer arbeiten in einer Werkshalle an einer Produktionslinie von SAIC Volkswagen. Quelle: dpa
SAIC Volkswagen Produktion in Schanghai

Fahrzeugbauer arbeiten in einer Werkshalle an einer Produktionslinie von SAIC Volkswagen.

(Foto: dpa)

Peking Eigentlich sollten die meisten Werke, die Volkswagen gemeinsam mit dem chinesischen Autobauer FAW betreibt, bereits am Montag anlaufen. So hatte es der Autobauer noch am Samstag angekündigt. Doch die Realität sah dann anders aus.

Am Montagabend chinesischer Zeit teilte VW mit, die Fließbänder gestaffelt über den Zeitraum dieser Woche wieder anschmeißen zu wollen. „Wir arbeiten fleißig daran, zu den normalen Produktionsprozessen zurückzukehren“, heißt es in der Mitteilung.

Doch landesweit kämen die Lieferketten erst langsam in Schwung, und viele Mitarbeiter wären noch immer Reisebeschränkungen ausgesetzt, die es ihnen erschweren würden, an den Produktionsort zurückzukehren. Die Eröffnung der Gemeinschaftswerke mit SAIC wurden ohnehin schon um eine Woche verschoben.

Ein großer Teil der Chinesen versuchte am Montag nach den verlängerten Zwangsferien zur Arbeitsnormalität zurückzukehren. Doch in den Büros und Werken herrscht weiter der Ausnahmezustand, viele Auflagen schränken den Alltag ein. Und die Verunsicherung, wie es genau weitergeht, bleibt groß.

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    Ähnlich wie VW kündigte General Motors, die unter anderem in der vom Coronavirus am schwersten betroffenen Provinz Hubei produzieren und dort viele Zulieferer haben, an, ab Montag ihre Fabriken in den nächsten zwei Wochen gestaffelt hochfahren zu wollen.

    Daimler und BASF nehmen Betrieb wieder auf

    Und auch Daimler hatte am Montag damit begonnen, seine Produktion in China schrittweise wieder in Betrieb zu nehmen, erklärte eine Konzernsprecherin. Die Firma BASF, die wie geplant am Montag ihre Produktion in Schanghai aufgenommen hat, zeigte sich zufrieden. Der Tag sei „gut verlaufen“, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt am Montagabend.

    Das BMW-Werk in Shenyang hingegen, so hieß es aus der Pressestelle, werde erst nächste Woche Montag wieder mit der Produktion beginnen. Die Büroarbeiter mussten bereits vor einer Woche wieder anfangen, durften aber von zu Hause arbeiten.

    Wer dennoch zur Zentrale muss und mittags mit Kollegen essen will, findet nun an den Tischen der Kantine Trennbretter zwischen den einzelnen Sitzen. Sie sollen den Kontakt zwischen den Mitarbeitern minimieren.

    Das Wichtigste für die Unternehmen sei es, dass die eigenen Mitarbeiter gesund blieben, heißt es vielerorts. In vielen Werken werde zweimal am Tag die Temperatur der Mitarbeiter gemessen. Händedesinfektionsmittel würden ausreichend gestellt. Wie häufig Atemschutzmasken gewechselt werden sollen, wird in manchen Betrieben ebenfalls vorgeschrieben.

    Regeln für Unternehmen schwanken regional

    Eine Herausforderung für die Unternehmen sind die unterschiedlichen Regeln, die es von Region zu Region zu beachten gilt. So war die verlängerte Auszeit landesweit nur bis 2. Februar vorgeschrieben, Schanghai jedoch verlängerte die Neujahrsferien bis zum 9. Februar. Hinzu kommen unterschiedliche „Empfehlungen“ von Provinzen und einzelnen Städten, wie sich Unternehmen zu verhalten haben.

    Während diese Maßnahme bei BMW freiwillig erfolgt, gibt es Städte wie zum Beispiel Schanghai oder die ostchinesische Provinz Zhejiang, wo die Lokalregierung nun einen obligatorischen Mindestabstand von einem Meter beim gemeinsamen Mittagsessen angeordnet hat. Andernorts werden firmeneigene Kantinen geschlossen. Mitarbeiter bekommen nun extra Geld, um sich selbst etwas zu kaufen und allein zu essen.

    Zudem fordern Städte wie Nanjing, dass die Arbeitnehmer genauestens notieren sollten, wohin der Mitarbeiter zuvor verreist ist, wie dessen medizinische Vorgeschichte aussieht und ob er zuletzt mit Einwohnern aus Hubei in Kontakt gekommen ist. Wer sich jüngst in der unter Quarantäne stehenden Gegend aufgehalten habe, solle sich selbst für 14 Tage in die Selbstisolierung begeben.

    Und wer in Chongqing bei der Temperaturmessung am Eingang zum Unternehmensgelände eine Körpertemperatur über 37,2 Grad Celsius hat, dem wird der Zutritt verwehrt.

    Überall strömt der Geruch von Desinfektionsmitteln

    Wer die Gebäude der Unternehmen betritt, dem schlägt jetzt oft der Geruch von Desinfektionsmitteln entgegen. Überall werden die Firmen dazu angehalten, mindestens zweimal am Tag ihre Räume zu desinfizieren. „Wir säubern alle öffentlichen Plätze wie die Lobby, die Kantine, die Toiletten und die Wächterhäuser mehrmals am Tag. Außerdem putzen wir Türklinken, Fahrstuhlknöpfe, Treppengelände, Tische und Stühle auch noch einmal besonders gründlich“, teilte eine Sprecherin des Autozulieferers Bosch dem Handelsblatt mit.

    Gleichzeitig sollen Menschenansammlungen möglichst vermieden werden. In Nanjing dürfen Aufzüge nur über das siebte Stockwerk hinausfahren; wer in den sechsten will, muss Treppen steigen. Konferenzen sollen möglichst digital stattfinden, wer Kundenkontakt hat, soll Mundschutz und Handschuhe tragen.

    In Schanghai wiederum werden Arbeitnehmer angehalten, Stoßzeiten während ihres Arbeitsweges zu vermeiden und von Gleitzeiten Gebrauch zu machen.

    Wer im südchinesischen Shenzhen wieder zur Arbeit gehen möchte, muss sich schon fünf Tage vor Antritt bei den örtlichen Behörden melden und nachweisen, dass er fit ist. Viele Unternehmen wurden gebeten, die Zwangsferien „freiwillig“ bis Anfang März auszudehnen. Wer dennoch den Betrieb aufnehmen möchte, muss sich einer Sicherheits- und Hygieneuntersuchung unterziehen.

    Auch bei Foxconn kommt es zu Verzögerungen

    Der Wirrwarr an Anforderungen und lokalen Regelungen führte nun bei Foxconn, dem Auftragsfertiger von Apple, Huawei und Amazon, zu großen Verwirrungen. So berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Quellen, Foxconn habe seinen Mitarbeitern mitgeteilt, dass der Betrieb in Zhengzhou, wo die iPhones zusammengebaut werden, „bis auf Weiteres verschoben“ sei.

    Nachdem die lokale Gesundheitsbehörde eine Inspektion der Werke in Shenzhen durchgeführt habe, sei Foxconn die Öffnung zum Montag untersagt worden, so berichtete die japanische Zeitung „Nikkei Business Daily“ am Samstag, weil dort „eine hohe Gefahr der Coronavirus-Ansteckung“ bestehe. Die Lokalregierung stritt dies am Sonntag jedoch ab.

    Die Nachrichtenagentur Reuters schrieb nun am Montag, dass das Unternehmen bereits die Lizenz erhalten habe, den Betrieb in Zhengzhou wieder aufzunehmen. In Shenzhen hingegen stehe man mit der Lokalregierung wegen eines baldigen Eröffnungstermins in Kontakt.

    Bis dahin versucht der Konzern, in Shenzhen Mundschutzmasken selbst herzustellen. Bis zum Ende des Monats wolle man zwei Millionen am Tag für die eigenen Mitarbeiter und als Hilfsmittel für andere produzieren.

    Mit dieser Maßnahme ist Foxconn übrigens nicht allein. Auch der staatliche Ölgigant Sinopec und der amerikanische Autobauer General Motors wollen solche Masken herstellen. Der Elektroauto-Riese BYD wiederum strebt an, neben 1,7 Millionen Masken am Tag auch noch 50.000 Flaschen Desinfektionsmittel produzieren zu wollen.

    Denn die Nachfrage, so verriet der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Freitag auf einer Pressekonferenz, sei um das 200-Fache angestiegen und die Preise um das 20-Fache.

    Mitarbeit: Franz Hubik und Li Yundi

    Mehr: Rund um Wuhan befinden sich große Anlagen zur Produktion der Wirkstoffe. Pharmaexperten warnen vor den Virus-Auswirkungen auf die Versorgung in Europa.

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