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Erderwärmung US-Klimabeauftragter Kerry sieht Finanzlücke von 100 Milliarden Dollar

In Berlin fordert Kerry mehr Hilfen für ärmere Länder und kritisiert die EU-Ausgleichssteuer. Die Klimakonferenz in Glasgow im November sieht er als „letzte große Hoffnung“.
18.05.2021 - 21:09 Uhr Kommentieren
Der US-Klimabeauftragte Kerry traf auch die Grünen-Kanzlerkandidatin. Quelle: dpa
John Kerry und Annalena Baerbock

Der US-Klimabeauftragte Kerry traf auch die Grünen-Kanzlerkandidatin.

(Foto: dpa)

Berlin John Kerry hat es eilig. Das zeigt nicht nur seine vollgepackte Agenda beim Besuch in Berlin, wo er von der Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, über Vizekanzler Olaf Scholz bis hin zum CDU-Vorsitzenden und Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet so ziemlich alles traf, was in der deutschen Politik Rang und Namen hat. Der Sonderbeauftragte für Klimafragen des US-Präsidenten will jetzt auch beim Klimaschutz aufs Tempo drücken.

„Wir stehen vor einer gigantischen Herausforderung und müssen in den kommenden zehn Jahren die entscheidenden Weichen im Kampf gegen den Klimawandel stellen“, sagte Kerry bei einem Treffen mit Journalisten in Berlin. Die Klimakonferenz in Glasgow im November sei die „letzte große Hoffnung“, noch rechtzeitig die Erderwärmung bei einem Plus von 1,5 Grad zu halten.
Kerry wies insbesondere auf die riesige Finanzlücke von 100 Milliarden Dollar hin, die jährlich gebraucht werden, um auch in den ärmeren, noch nicht so stark entwickelten Ländern die Emissionen zu reduzieren. „Wir haben viel Zeit und Geld verloren“, sagte der Amerikaner selbstkritisch – vor allem aber natürlich mit Blick auf Ex-Präsident Donald Trump.

Dieser hatte das Pariser Klimaschutzabkommen aufgekündigt. Sein Nachfolger Joe Biden hat diese Entscheidung rückgängig gemacht und sich verpflichtet, die CO2-Emissionen des Landes bis 2035 um 50 Prozent gegenüber dem Niveau von 2005 zu vermindern.

„Länder, die mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung generieren, haben sich jetzt verpflichtet, das Ziel von 1,5 Grad zu verteidigen“, sagte Kerry. Er sei optimistisch, dass die internationale Gemeinschaft die „Katastrophe“ noch stoppen könne. Die USA seien auch mit China und Russland in Gesprächen, um die dortigen Emissionen zu reduzieren. „Wir sprechen vor allem über den Einsatz von Kohle, und es liegt noch ein langer Weg vor uns“, sagte Kerry.

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    Auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität muss jedoch im Westen noch eine Reihe von Hürden abgeräumt werden. Dazu gehört vor allem die von der EU geplante Grenzausgleichssteuer für klimaschädliche Importe. „Wir haben einige Bedenken dagegen und wollen verhindern, dass eine solche Maßnahme kontraproduktiv wirkt“, betonte der Klimagesandte.

    Niemand wolle, dass seine Unternehmen darunter leiden müssten. Kerry räumte ein, dass auch die USA über einen ähnlichen Grenzausgleich nachdenken. „Unsere Überlegungen sind aber noch ganz am Anfang“, sagte er.

    „Keine Rückkehr zur Atomenergie“

    Der Amerikaner forderte, dass neue Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen nur noch in Ausnahmefällen genehmigt werden sollten. Zwar könne man nicht über Nacht alle Pläne stoppen. „Aber die Latte für solche Vorhaben liegt sehr hoch.“ Schon heute könne man in Europa und den USA kein Kohlekraftwerk mehr bauen, weil es dafür keine Finanzierung mehr gebe. „Auch bei neuen Gasprojekten müssen wir sehr vorsichtig sein“, verlangte Kerry.

    Angesprochen auf den Streit um die Gaspipeline Nord Stream 2 beharrte der Amerikaner darauf, dass die Gasleitung für Russland ein „geopolitisches Machtmittel“ sei, um Einfluss auf die Energiesicherheit Europas zu nehmen. Die USA seien schon zu Zeiten von Präsident Barack Obama gegen das Projekt gewesen. Daran habe sich nichts geändert.

    Eine Rückkehr zur Atomenergie hält er jedoch nicht für die Lösung der Klimaprobleme. In vielen Ländern fehle für einen Ausbau der Kernenergie die Akzeptanz – auch in den USA. Allerdings würden die Kernkraftwerke in Amerika immer noch etwa 23 Prozent zur Energieversorgung beitragen. „Solange wir keine Alternative haben, wird sich das auch nicht ändern.“

    Mehr Tempo möchte Kerry auch beim Einsatz neuer Technologien für den Klimaschutz machen. „Wir verfügen bereits über die technologischen Möglichkeiten, den Klimaschutz zu verbessern. Oft fehlt allerdings der politische Wille, diese Techniken in großem Stil marktreif zu machen“, kritisierte der 77-jährige US-Amerikaner.

    Mehr: Auf der Klimakonferenz im Weißen Haus standen die Chancen von grüner Energie im Mittelpunkt. Biden adressierte aber auch die Ängste vieler Menschen vor einem Jobverlust.

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