Eröffnungsrede Die Kanzlerin sucht Rat in Davos

Führerschaft erwartet sich die Finanz- und Unternehmenswelt von Angela Merkel. Doch bei ihrer Eröffnungsrede wiederholt sie Bekanntes. Neue Ideen bringt sie nicht, sondern bittet die Davoser Gemeinschaft um Hilfe.
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Angela Merkel vor ihrer Eröffnungsrede in Davos. Quelle: AFP

Angela Merkel vor ihrer Eröffnungsrede in Davos.

(Foto: AFP)

DavosDie große Halle des Kongresszentrums in Davos ist bis auf den letzten Platz gefüllt. „Ich muss jetzt zu Merkel“, sagt der Chef einer großen, weltweit tätigen Consultingfirma und eilt davon. Die deutsche Kanzlerin ist beim Weltwirtschaftsforum in den Schweizer Bergen in aller Munde. Von ihr erwartet man „Leadership“, um Europa aus der Krise zu führen und den Rest der Welt vor einem globalen Abschwung zu bewahren.

Nicht Barack Obama, der sich gerade mit seiner Rede zur Lage der Nation an die Amerikaner gewandt hat. Nicht Nicolas Sarkozy, der hyperaktive Präsident Frankreichs, der um seine Wiederwahl kämpft. Nein, es ist die Pastorentochter aus Ostdeutschland, die jetzt die Welt retten soll.

Der Applaus ist verhalten, als Angela Merkel die Bühne betritt. Der WEF-Gründer Klaus Schwab erinnert in seiner Begrüßung daran, dass die Kanzlerin im vergangenen Jahr ein Bekenntnis zu Europa und zum Euro abgelegt hat. „2012 könnte für Europa zu einem entscheidenden Jahr werden“, sagte Schwab mit Pathos in der Stimme. Er lobt Merkel als „Fels in der Brandung“ und wünscht sich von ihr eine „neue Vision“ für Europa. Dann überlässt Schwab der eisernen Kanzlerin das Feld.

Merkel, gekleidet in einem dunklen Hosenanzug und mit ernstem Gesicht, beginnt gewohnt analytisch: „Welche Lektionen haben wir gelernt aus der Finanzkrise?“, fragt sie rhetorisch. um dann festzustellen, dass die bisherigen Bemühungen nicht ausreichen: Weder sei die Welthandelsrunde zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht worden, noch seien die Banken aus dem Gröbsten heraus.

Merkel lässt von Anfang an keinen Zweifel aufkommen: „Europa ist ein erfolgreiches Projekt, das wir auf jeden Fall weiterführen wollen.“ Dann kommen die Probleme, die dieses Projekt gefährden .Nach der Lesart von Merkel sind das vor allem die Schulden, aber eben nicht nur. „Europa muss auch seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern“, sagt sie. Das gehe nur über Strukturreformen und die bräuchten eben Zeit. Also: Kein kurzfristiges Ende, geschweige denn ein Befreiungsschlag in Sicht.

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27 Kommentare zu "Eröffnungsrede: Die Kanzlerin spendet keinen Trost, sondern sucht Rat"

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  • ARNO WAHL meint :Frau MERKEL strebt so eine Art UDSSR fuer Europa an,die entsprechende Vorbildung traue ich ihr zu . Mir wird schlecht wenn ich an sowas denke !

  • was mich wundert = mit meiner einfacher Denkweise = fast jeder Buerger war gegen die Aufnahme von Griechenland in die EUROZONE, die beiden Herren EICHEL und WAIGEL haben damals ihre "Fachkenntnisse" bewiesen und sind dann auf Tauchstation gegangen als absehbar ALLES schief lief. KEINE EURO mehr fuer Griechenland denn dort tut sich garnichts denn die "Verwaltung" sabotiert alles. ES WIRD ein Ende mit Schrecken geben aber bitte zu Lasten der Banken denn es wird ja bereits wieder spekuliert ! arno wahl

  • was mich wundert = mit meiner einfacher Denkweise = fast jeder Buerger war gegen die Aufnahme von Griechenland in die EUROZONE, die beiden Herren EICHEL und WAIGEL haben damals ihre "Fachkenntnisse" bewiesen und sind dann auf Tauchstation gegangen als absehbar ALLES schief lief. KEINE EURO mehr fuer Griechenland denn dort tut sich garnichts denn die "Verwaltung" sabotiert alles. ES WIRD ein Ende mit Schrecken geben aber bitte zu Lasten der Banken denn es wird ja bereits wieder spekuliert ! arno wahl

  • was mich wundert = mit meiner einfacher Denkweise = fast jeder Buerger war gegen die Aufnahme von Griechenland in die EUROZONE, die beiden Herren EICHEL und WAIGEL haben damals ihre "Fachkenntnisse" bewiesen und sind dann auf Tauchstation gegangen als absehbar ALLES schief lief. KEINE EURO mehr fuer Griechenland denn dort tut sich garnichts denn die "Verwaltung" sabotiert alles. ES WIRD ein Ende mit Schrecken geben aber bitte zu Lasten der Banken denn es wird ja bereits wieder spekuliert ! arno wahl

  • @Skeptiker, genau so ist es. Die Logik, die Märkte mit Unsummen an Geld auf Dauer austricksen zu wollen, ist schlicht unmöglich und der Preis dafür ist unermesslich.

    Noch in diesem Jahr wird der deutschen Bevölkerung die erste Rechnung präsentiert.
    Zunächst wird man versuchen die großen Vermögen zu schrumpfen. Da die aber jede Möglichkeit nutzen, sich dem Zugriff des Fiskus zu entziehen, wird man nicht umhinkommen die Masse zu melken.
    Wenn es dann heißt, dass die Mehrwertsteuer und die Einkommenssteuer erhöht werden müssen, dass ein Euro-Soli eingeführt werden muss, dass Sozialleistungen gestrichen werden, weil auch der deutsche Michel seinen solidarischen Betrag zum großen Friedensprojekt Eurorettung leisten darf, dann wird sich zeigen, leidensfähig und -willig die Masse ist.
    Wenn's ans eigene Portemonnaie geht, hört bekanntlich die Freundschaft und die Gleichgültigkeit auf.
    Aber leider wurde der Rettungswahnsinn bereits so weit getrieben, dass es KEINEN Ausweg mehr für Deutschland gibt.
    Bricht der Euro zusammen, bleiben wir auf allen Forderungen sitzen. Da sich diese Forderungen (s. Target) mittlerweile in astronomischen Größen bewegen, sind wir finanziell erledigt.
    Wird der Euro weiterhin künstlich am Leben erhalten, ändert sich nichts, außer, dass die Dimensionen des Dramas nur noch größer werden. Am Ende können die Schulden nur noch weginflationiert werden. Was für den einfachen Bürger den Totalverlust alles Sparvermögens bedeutet.
    Offensichtlich hat die Politik nur noch das Ziel, diesen Zeitpunkt möglichst weit hinauszuschieben.
    Es geht nur noch um Zeitgewinn, egal, was es kostet.
    Wer daran glaubt, dass es irgendeine Möglichkeit gäbe, innerhalb der gewonnen Zeit Portugal, Spanien, Italien, (von Griechenland braucht man schon gar nicht mehr reden) auf dem Weltmarkt "wettbewerbsfähig" zu machen, der ist realitätsverweigernd.
    Siehe "Aufbau Ost".

  • Die Physikerin Angela Merkel scheint in Davos eine der ganz wenigen Ökonomen zu sein. Zwar hat sich die Jahrestagung ein wohlklingendes Motto gegeben; zutreffender wäre aber das Motto "Von der Hand in den Mund" gewesen. Im Kern prallt dort ein unversöhnliches Verständnis vom Gütergleichgewicht aufeinander. Anders als Merkel streben einige Anwesende an, die Einheit von Angebot und Nachfrage der Beliebigkeit preis zu geben, in dem sie das Nachfragepotential gezielt von seiner Entstehung in der Güterproduktion entkoppeln und Neuverschuldung und Geldmengenausweitung wie das goldene Kalb anbeten. Obwohl jeder der Anwesenden weiß, dass das Nachfragepotential zuvor durch produktive Wertschöpfung generiert werden muss, beschäftigt man sich nicht mit der Wiederherstellung des Gleichgewichts. So stellt sich die Frage, ob das Forum in dieser Zusammensetzung geeignet ist, mehr zu leisten vermag, als Stückwerk. Ungeachtet des politischen Drucks, der infolge hoher Arbeitslosigkeit und geringer Kapazitätenauslastung in vielen Teilen der Welt besteht, muss von so einem Forum mehr erwartet werden als Vorstellungen von "Lieschen Müller", die in den Grenzen ihres Monatsbudgets denkt. Fakt ist, dass wir weltweit nicht mehr garantieren können, dass die Wertschöpfungsprozesse - zugleich die notwendige Kaufkraft (ohne Geldmengenausweitung und Neuverschuldung) generieren, damit der Konsum der geschaffenen Werte im gesunden Kreislauf gesichert wird. Mangels ökonomischen Vorlaufwissens wird weiterhin das Heil in der Ausweitung der Kaufkraft mittels Schulden gesucht, obwohl sich die Schulden längst verselbständigt haben. Vermeintliches Heil ist Unheil, das die Leistungs- und Finanzierungsprozesse weltweit auseinander treibt. Ja, ich bin für Erfahrungsaustausche wie Davos und Zusammenkünfte der Bilderberger und anderer - aber zugleich erwarte ich richtungsweisende Lösungsvorstellungen, die mit dem 3000jährigen Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft im Einklang stehen.

  • @Machiavelli,

    diese angebliche "enorme Gewinne die deutsche Großkonzerne im Euroraum realisiert haben" sind zum Teil nur Scheingewinne für die Eurozone weil nur durch Überschuldung von Euroländer entstanden.
    Linke Tasche, rechte Tasche.
    Der Kapitalabfluss ist aber echt, übrig bleiben die Schulden die jetzt alle Europäer tilgen müssen, irgenwie. Und das Leiden des Volks in der überschuldeten Euro-Ländern.
    Hier ist das Problem und hier muss eine Lösung her.
    Wenn nicht werden wir wieder Zölle und Einfuhrsteuer einführen müssen.

  • Leistungseinbildung hin oder her: Was richtig gefährlich ist, ist, wenn Blödheitsagenturen, die der legalisierten Industrie-Korruption durch Beratung Vorschub leisten und sich dabei auch noch irrsinnig toll finden oder gar wichtig vorkommen, wie zum Beispiel Roland Berger die Politik beraten. Eigentlich sollte man Burkhard Schwenker und ähnlichen Mannen Berufsverbot erteilen, anstatt die Erlaubnis einer Privatuniversität einzuräumen, damit (nicht) noch mehr Studierte durch eigene, korrupte Einflussnahme auf die Politik und die Gesetzgebung auf den Markt drängen, die durch die Faulheit glänzen, nichts zu produzieren, aber Eingriff auf den Markt zugunsten ihrer Klientel nehmen, was dem deutschen Steuerzahler Milliardenverluste beschert.

  • "Schau prüfend deckwärts. Die Nähe des möglichen Schadens liegt nicht (nur) in der Schärfe des Schwertes, sondern (auch) an der Dünne des Fadens" - Erich Kästner

    Die Frau macht einen megaschweren Job und ich bin froh nicht an ihrer Stelle stehen zu müssen.

    Wünsch ihr auf jeden Fall VIEL GLÜCK!

  • Offene Flanke . Soo könne SIE nichts im Namen Europa verkaufen . Eurobonds kann keiner Anzweifel , ausser Deutschland . FR. MERKEL , diese Welt liebt uns , wir sind Exportweltmeister . Der Niedriglohnsektor erschufftet ihre Kraft . Und will sie nicht mehr reden hören .

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