Erpressung und Menschenraub Schleuserring fliegt auf – Festnahmen in Deutschland und Italien

Sie sollen Menschen für viel Geld von Pakistan nach Deutschland geschmuggelt haben. Jetzt ist die Bande aufgeflogen – und die Praktiken der Schleuser werden bekannt.
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Die Bande soll Dutzende Menschen über die Balkanroute geschmuggelt haben. Quelle: dpa
Fahndung nach Schleuserbanden

Die Bande soll Dutzende Menschen über die Balkanroute geschmuggelt haben.

(Foto: dpa)

Rom/HofEin internationaler Schleuserring ist in Deutschland und Italien aufgeflogen. Die Bande bestehe aus mehreren Pakistanern, die Dutzende Menschen aus ihrem Herkunftsland über die Balkanroute geschmuggelt hätten, teilte die italienische Polizei am Mittwoch in Ancona mit. Zwei Verdächtige wurden in Italien und im Raum Erfurt zeitgleich festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft Hof bekanntgab. Sie leitet das Ermittlungsverfahren. Den Männern wird neben Schleusung auch erpresserischer Menschenraub vorgeworfen.

Im April vergangenen Jahres habe – so die italienische Polizei – ein Mann aus Pakistan ausgesagt, dass er von Landsleuten in einer Wohnung in Belgrad gefangen gehalten worden war. Er sei nur nach Zahlung von 6000 Euro freigelassen worden – zusätzlich zu den 2000 Euro, die er für seine Flucht nach Deutschland bereits bezahlt habe. Der Hofer Staatsanwaltschaft zufolge besteht der Verdacht, dass damals zwei Personen von der Schleusergruppe gegen ihren Willen vorübergehend festgehalten wurden, um von Verwandten noch mehr Geld zu erpressen.

Deutschland, eine Festung?
Ende des großen Zustroms
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Strenge Grenzkontrollen entlang der Balkanroute und das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei haben den Zustrom von Menschen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und dem Irak drastisch reduziert. 2015 kamen mehr als eine Million Menschen nach Europa. In diesem Jahr werden es deutlich weniger sein.

Wie viele Flüchtlinge kamen 2016 ins Land?
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Im sogenannten Easy-System, das auf Registrierungen durch die Bundesländer beruht, wurden in den ersten elf Monaten knapp 305.000 neue Asylsuchende in Deutschland erfasst. Die von der CSU geforderte Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr wäre damit überschritten

Messung ist problematisch
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Allerdings gilt die Easy-Zahl aufgrund von Fehl- und Mehrfacherfassungen als zu hoch. Hauptherkunftsländer waren Syrien (86.200 Personen), Afghanistan (47.000), Irak, Iran und Eritrea. Niedriger sind die Zahlen der Bundespolizei, die bis Ende November 141.850 illegale Einreisen feststellte.

Wie viele Asylanträge wurden gestellt?
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Insgesamt wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bis Ende November 723.000 Asylanträge gestellt. Zum großen Teil handelte es sich dabei um 2015 eingereiste Personen. 615.500 Anträge wurden entschieden. Die Zahl der Asylanträge nimmt aber ab. Im November wurden 26.438 Anträge gestellt, was einem Rückgang um gut 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Da inzwischen pro Monat mehr Anträge bearbeitet als eingereicht werden, wird der Berg unerledigter Fälle kleiner: Ende November lag die Zahl aber immer noch bei rund 491.000.

Wie viele Menschen wurden abgeschoben?
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Insgesamt wurden bis Ende November 23.750 Personen abgeschoben. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2015 mit 20.888 Abschiebungen und mehr als doppelt so viele wie 2014 (10.884). Die meisten Personen wurden aus Nordrhein-Westfalen in ihr Heimatland zurückgebracht (4662), gefolgt von Baden-Württemberg (3399), Bayern (3084) und in größerem Abstand Berlin (1963).

Ausweis für Asylbewerber
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Zugleich wurden bis zum 1. Dezember mehr als 51.000 Anträge zur finanziellen Förderung einer freiwilligen Rückkehr bewilligt. Bund und Länder wollen ihre Anstrengungen in diesem Bereich intensivieren und die Hindernisse bei Abschiebungen beseitigen. Denn insgesamt waren Ende Oktober 206.200 Menschen ausreisepflichtig. Die große Mehrheit von ihnen (153.700) besaß aber eine Duldung.

Wie und wo wird an den Grenzen kontrolliert?
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Am 13. September 2015 wurden vorübergehende Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze beschlossen und seitdem mehrfach verlängert, zuletzt im November. Die Kontrollen sind bis Februar befristet. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass Deutschland sich in der EU für eine weitere Verlängerung starkmachen wird.

Die ursprünglichen Hinweise zu dem Verfahren waren bei den oberfränkischen Polizeibehörden zusammengelaufen, deshalb leitet die Hofer Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Wer genau sich dort gemeldet hatte, gab ein Sprecher jedoch nicht bekannt. Insgesamt gerieten so in Italien und Deutschland jeweils drei Verdächtige ins Visier der Ermittler, zwei davon wurden verhaftet. Wie die italienische Polizei mitteilte, wohnte der Kopf der Bande in Italien in Macerata südlich von Ancona.

Die Bande soll mehrere Dutzend Pakistaner nach Deutschland und nach Frankreich geschmuggelt haben, nachdem diese zwischen 3000 und 8500 Euro bezahlt hatten. Die Route führte mit Autos und Zügen von der Türkei über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Österreich und Ungarn. Um Frankreich zu erreichen, sei die Bande über Italien gegangen. Über die Grenzen ging es teils kilometerlang zu Fuß. In einigen Fällen sollen die Verdächtigen auch Grenzbeamte bestochen haben.

Zur Vorbereitung der Operation gab es nach Angaben der Hofer Ermittler mehrere Treffen auf staatsanwaltlicher und polizeilicher Ebene, an denen auch serbische und italienische Behörden teilnahmen.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Erpressung und Menschenraub: Schleuserring fliegt auf – Festnahmen in Deutschland und Italien"

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  • Herr Mark Hoffmann11.01.2017, 15:09 Uhr
    Es langt schon, wenn wir mit der Grün-Sozialistischen Merkel wieder in einen grün-linken"Nazi-Deutschland" wieder angekommen sind.

    Herr Peter Spiegel11.01.2017, 16:13 Uhr
    Obama hat in Nazi-Deutschland Asyl beantragt. Kim Jong-un hat es genehmigt.

  • Herr Mark Hoffmann11.01.2017, 15:09 Uhr
    Es langt schon, wenn wir mit der Grün-Sozialistischen Merkel wieder in einen grün-linken"Nazi-Deutschland" wieder angekommen sind.

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