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Ersatz für Visa, Mastercard und Maestro Venezuela plant neues Kartenzahlungsystem und setzt offenbar auf Russland

Präsident Maduro fürchtet die Folgen weiterer US-Sanktionen im Finanzbereich und will vorsorgen. Moskau hat selbst bereits Erfahrung auf dem Gebiet gesammelt.
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Venezuela befürchtet neue US-Sanktionen gegen den Finanzsektor, die auch die Kreditzahlungen betreffen können. Quelle: AP
Visa und Mastercard

Venezuela befürchtet neue US-Sanktionen gegen den Finanzsektor, die auch die Kreditzahlungen betreffen können.

(Foto: AP)

Moskau Nicolas Maduro startet ein neues Wirtschaftsexperiment – sein womöglich letztes: Der venezolanische Staatschef verordnet seinem Land ein neues Zahlungssystem. Venezuela soll unabhängig werden von Visa, Maestro und Mastercard.

Die Zeit drängt, denn Caracas befürchtet neue US-Sanktionen gegen den Finanzsektor. Diese könnten die üblichen EC- und Kreditkartenzahlungen lahmlegen. Deshalb haben die Bankenaufsicht und die Zentralbank in der vergangenen Woche die Ausarbeitung eines „alternativen Mechanismus“ für Kartenzahlungen „auf nationaler Ebene“ angekündigt.

Allein dürfte die venezolanische Führung mit dieser Aufgabe nicht fertig werden. Denn sie hat das Land in den letzten Jahren trotz seines Ölreichtums in eine riesige Wirtschafts- und Finanzkrise geführt.

Doch Medienberichten zufolge naht Hilfe aus Russland: Moskau hat selbst bereits Erfahrung auf dem Gebiet gesammelt. Nach der Annexion der Krim und insbesondere der Verschärfung der Krise im Donbass-Gebiet wurden kremlnahe russische Banken wie die SMP der Brüder Rotenberg von westlichen Sanktionen getroffen. Visa und Mastercard blockierten alle Transaktionen, die mit Kreditkarten der entsprechenden Banken ausgeführt wurden.

Russland reagierte darauf mit der Schaffung eines nationalen Clearing-Centers, über das alle Kreditkartentransaktionen innerhalb Russlands abgerechnet werden müssen. Damit ist ein Eingriff von außen nicht mehr möglich. Zusätzlich hat Moskau Ende 2015 eine eigene Kreditkarte unter dem Namen „Mir“ („Welt“) ins Leben gerufen.

Die Zentralbank investierte insgesamt 65 Millionen Dollar in den Aufbau des Systems. Weltweit funktionieren diese Karten zwar entgegen ihrer Bezeichnung nicht, doch innerhalb Russlands sind sie inzwischen weitverbreitet, auch weil der öffentliche Dienst seit Sommer vergangenen Jahres auf Anweisung aus dem Kreml seinen Angestellten ihre Gehälter nur noch auf die Karte „Mir“ überweist.

Zahlungen per Visa oder Mastercard könnten jeden Moment blockiert werden

Das gleiche System könnte nun in Venezuela zum Einsatz kommen, vermuten Experten. „Zahlungen über Visa oder Mastercard können jeden Moment blockiert werden“, daher werde Venezuela sicher auf die russischen Technologien beim Aufbau eines nationalen Zahlungssystems zurückgreifen, oder gar „Mir“ einfach klonen, meint Pjotr Puschkarjow, Chefanalyst der Investmentgesellschaft TeleTrade. „Geld und Finanzabrechnungen sind das Blut der Wirtschaft und ohne Gewährleistung ihrer Sicherheit ist es unmöglich, sich weiter zu entwickeln“, begründete er die Notwendigkeit für diesen Schritt.

Russland und China sind seinen Angaben nach die logischen Partner beim Aufbau dieses Zahlungssystems, da beide Länder zu den größten Kreditgebern Venezuelas zählen und sie damit ihre eigenen Investitionen absichern. Die gleiche Ansicht vertritt auch Timur Aitow, Vizechef des Komitees für Kreditkartensysteme bei der russischen Industrie- und Handelskammer. Für einen selbständigen Aufbau eines nationalen Zahlungssystems fehle Venezuela die Zeit.

„Aber wenn Venezuela das Zahlungssystem Mir oder auch das chinesische Pendant Union Pay als Grundlage nimmt, ist es völlig realistisch, so ein System innerhalb von acht bis neun Monaten aufzubauen“, meinte Aitow. Wenn Caracas sich den Prototyp aus Moskau erbete, werde der Kreml nicht ablehnen, ist er überzeugt.

Die russische Zentralbank selbst wollte das Thema nicht kommentieren. Allerdings stützt der Kreml das Maduro-Regime weiterhin uneingeschränkt. Am Montag empfing Außenminister Sergej Lawrow seinen kolumbianischen Kollegen Carlos Holmes Trujillo zu Gesprächen über die Lage im Nachbarland.

Beide Seiten seien an einer „ausschließlich politisch-diplomatischen Lösung“ des Konflikts in Venezuela interessiert, sagte Lawrow anschließend. „Mit Drohungen kann der Konflikt nicht gelöst, sie spalten die Gesellschaft und geben der Opposition, dass sie mit fremder Waffenhilfe illegal zur Macht gelangen kann“, fügte er mit Blick auf die USA hinzu.

Russland dementiert militärische Kräfte in Venezuela zu haben

Gleichzeitig dementierten russische Offizielle einen Bericht des „Wall Street Journals“ über das eigene militärische Engagement in Venezuela. Das Blatt hatte berichtet, dass Russland den Großteil seiner etwa 1.000 Militärberater aus Caracas abgezogen habe.

Widersprach die Botschaft zunächst nur dem Abzug des Personals, so erklärte später ein Sprecher der staatlichen Rüstungsholding Rostec, der die Militärberater unterstellt sind, dass die Zahlen insgesamt übertrieben seien. Die im Artikel genannten Zahlen seien „um ein zigfaches zu hoch“, teilte der Pressedienst von Rostec mit.

In den vergangenen Monaten hatte es mehrfach Berichte über die Entsendung russischer Militärberater gegeben, die Maduro dabei helfen sollen, die Lage unter Kontrolle zu behalten. Offiziell hat Moskau alle diese Berichte stets dementiert. In dem Land seien nur Experten, die im Rahmen bilateraler Vereinbarungen die Armee an den in Russland für mehrere Milliarden Dollar (auf Kredit) erworbenen Waffen trainieren sollen.

Mehr: Nicht nur Russland unterstützt die venezolanische Regierung, auch Kuba versucht Einfluss in seinem Nachbarland zu nehmen.

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