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Donald Trump und Xi Jinping

Der Handelsstreit könnte Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben.

(Foto: Reuters)

Eskalation im Handelsstreit Währungskrieg droht auf die gesamte Weltwirtschaft überzugreifen

Trump hält an seiner Konfrontationspolitik gegen China fest. Doch die Chinesen schlagen zurück – und die amerikanischen Bürger bekommen die Folgen zu spüren.
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Washington, Peking Als die US-Regierung im Mai ihren jüngsten „Bericht über die Wirtschafts- und Währungspolitik der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten“ an den Kongress schickte, beließ sie es noch bei einer Warnung: Das Finanzministerium behalte die Kursentwicklungen des chinesischen Yuans genau im Blick, hieß es darin. Jetzt jedoch, keine drei Monate später, geht Washington zur Tat über.

Das Finanzministerium hat China offiziell zum Währungsmanipulator erklärt, ein Schritt, der neue Strafzölle rechtfertigen kann. Der eskalierende Wirtschaftskonflikt zwischen den beiden Mächten spitzt sich damit noch einmal drastisch zu.

Es sieht danach aus, als würde US-Präsident Donald Trump an seiner Konfrontationsstrategie festhalten. „China hat den Preis seiner Währung auf einen historischen Tiefstand fallen lassen. Das nennt man Währungskrieg“, twitterte der offensichtlich aufgebrachte Präsident.

Peking wies am Dienstag die US-Vorwürfe zurück. China habe und werde den Yuan nicht als Waffe im Handelsstreit einsetzen, teilte die Zentralbank mit. Der Stempel als „Währungsmanipulator“ sei eine Verletzung internationaler Regeln.

Zuvor war die chinesische Währung unter sieben Yuan pro Dollar gefallen – eine rote Linie, die zuletzt 2008 unterschritten wurde. Trump rief gleichzeitig die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) zum Gegenschlag auf.

Sollten die USA entgegen ihrer bisherigen Politik auf den Währungsmärkten intervenieren, um den Dollar zu schwächen, könnte der Währungskrieg auf die gesamte Weltwirtschaft übergreifen. Dann nämlich kämen der Euro und der japanische Yen unter Aufwertungsdruck, was für die wirtschaftlich ohnehin schwächelnde Euro-Zone ein weiterer Schlag wäre.

Angesichts der Eskalation zeigen sich auch andere Vertreter der Wirtschaft alarmiert: „Die Ausweitung des Handelskonflikts auf Währungsbeziehungen erhöht die Unsicherheit für die Weltwirtschaft“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

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„Wir sind vielleicht am gefährlichsten Punkt seit der Finanzkrise 2009“, sagte der frühere US-Finanzminister und Harvard-Ökonom Larry Summers. Gabriel Felbermayr, Chef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), zieht sogar Parallelen zur Großen Depression: „Die Erinnerung an die 1930er-Jahre, wo ein Handelskrieg zu Abwertungswettläufen geführt hat, macht jedenfalls Sorgen“, sagte er dem Handelsblatt.

In den frühen 1930er-Jahre gaben mehrere Wirtschaftsnationen im Zuge der Weltwirtschaftskrise den Goldstandard auf und setzten damit einen für alle Beteiligten desaströsen Abwertungswettlauf in Gang.

Die dahinterstehende Logik klingt einfach: Je billiger eine Währung ist, desto billiger sind auch die Exporte des betreffenden Landes auf den Weltmärkten. „Die Einschätzung des US-Finanzministeriums eröffnet der Trump-Administration weitere rechtliche Argumente für Zollmaßnahmen“, sagt Felbermayr. „Dass China angesichts der von Trump verursachten Verschärfung des Handelskrieges Stützungskäufe zur Stabilisierung der eigenen Währung einstellt, war allerdings abzusehen.“

Auch die deutsche Wirtschaft leidet unter den Folgen: „Unternehmen müssen sich auf spürbare Verschiebungen in den Wechselkursrelationen und auf größere Schwankungen der Kurse einstellen“, fürchtet BDI-Chef Lang. „Die Kosten der Absicherung gegen diese Schwankungen werden weiter ansteigen.“

Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA), warnte: „Das fehlt uns gerade noch, wenn nun in dieser ohnehin kritischen Situation der Handelskonflikt zwischen den USA und China auch noch auf andere Felder, insbesondere auf ein so sensibles wie die Währungen, ausgeweitet würde.“ Allein die Unsicherheit, die durch die ständigen Scharmützel entstehe, lähme die Weltwirtschaft und sei „Gift für die Konjunktur“.

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Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) mahnte neue Gespräche zwischen Washington und Peking an. „Alle sollten einen kühlen Kopf bewahren und sprachlich etwas abrüsten“, sagte er. „Politik hat die aktuellen Probleme verursacht, Politik kann sie auch lösen – am Verhandlungstisch. Wenn das gelingt, kommen wir auch wieder zu mehr Wachstum“, so Scholz. Eine weitere Eskalation schade nur: „Schon jetzt belasten die Handelskonflikte die Weltwirtschaft.“

Trump aber feiert sich als „Zoll-Mann“ – und hält Wirtschaftskriege für ein Kinderspiel. Sie seien „leicht zu gewinnen“, behauptet er. Die enorme Wirtschaftskraft der USA hat es Trump ermöglicht, weniger mächtigen Ländern wie Mexiko und Kanada Konzessionen abzupressen.

China jedoch versteht sich als aufstrebende Weltmacht – und hält dagegen. Nicht nur, dass die Regierung den Yuan-Kurs fallen lässt. Sie stoppt auch die Importe amerikanischer Agrarprodukte. Die US-Farmer verlieren damit ihren viertwichtigsten Absatzmarkt.

Auch auf den Währungsmärkten erhält Trump die Quittung für seinen Wirtschaftskrieg. Handelt es sich beim Abwertungsdruck, der auf dem Yuan lastet, doch weniger um eine unfaire Währungsmanipulation als vielmehr um die Marktreaktion auf die versiegenden Handelsströme infolge der US-Strafzölle und die damit verbundene Konjunkturschwäche in China.

Leidet ein Land wirtschaftlich, sinkt in der Regel auch die Nachfrage nach seiner Währung, der Wechselkurs gibt nach. Trump ist also zum großen Teil selbst schuld an der Abwertung, die er nun geißelt.

„Die Reaktion Chinas zeigt zunächst, dass ein Handelskrieg – anders als Trump meint – nicht einfach zu gewinnen ist“, warnt Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. US-Finanzminister Steven Mnuchin will nun beim Internationalen Währungsfonds (IWF) auf eine Untersuchung der chinesischen Währungspolitik drängen.

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An deren Ende könnten weitere Wirtschaftssanktionen stehen. Schon jetzt bestrafen die USA chinesische Importe im Volumen von 250 Milliarden Dollar mit einem Zollaufschlag von 25 Prozent. Weitere Einfuhren von 300 Milliarden Dollar sollen ab dem 1. September mit einem Strafzoll von zehn Prozent belegt werden. China hat im Gegenzug den vermehrten Kauf von Landwirtschaftsprodukten aus den USA ausgesetzt.

Damit ist der auf dem G20-Treffen Ende Juni geschlossene „Waffenstillstand“ zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping hinfällig.

Das Ergebnis der IWF-Untersuchung könnte für die Amerikaner zur bösen Überraschung werden. Im vergangenen Jahr stellte der Währungsfonds in seinem Bericht über die chinesische Wirtschaft nämlich fest, dass sich der Wechselkurs des Yuans „weitestgehend im Einklang mit den (ökonomischen) Fundamentaldaten“ befinde.

„Wer sein Geld in den nächsten Jahren braucht, sollte jetzt Gewinne mitnehmen“

Ausdrücklich lobte der IWF die „wachsende Flexibilität“ des chinesischen Wechselkurses. Dass die USA beim IWF Unterstützung für ihren Kurs erhalten werden, ist also keinesfalls ausgemacht.

Die meisten Ökonomen sehen im Schwächeanfall des Yuans eher eine Reaktion auf die wirtschaftliche Schwäche der chinesischen Wirtschaft als eine bewusste Manipulation des Wechselkurses durch die Regierung in Peking.

„Es ist sicherlich richtig, dass China seinen Wechselkurs managt, aber derzeit interveniert China an den Devisenmärkten, um den Yuan zu stützen“, sagt Ifo-Chef Clemens Fuest, „deshalb ist der Vorwurf des US-Finanzministeriums nicht gerechtfertigt. Die US-Strafzölle verstärken den Druck der Märkte auf China abzuwerten.“ Auch deshalb sei es falsch, wenn die USA China vorwürfen, es würde seine Währung manipulieren, um Exporte zu fördern.

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Tatsächlich unternahm die chinesische Notenbank am Dienstag Schritte, um die Schwäche der eigenen Währung zu begrenzen. Der Yuan wurde wieder über der Schmerzgrenze von sieben zum Dollar gehandelt. Das führte an den globalen Finanzmärkten nach dem Kursrutsch vom Montag zu einer leichten Beruhigung. China verfolgt eine hybride Währungspolitik, bei der sowohl der Staat als auch die Märkte eine Rolle spielen.

Die People’s Bank of China (PBOC) legt täglich einen Wechselkurs fest, der dann um zwei Prozent nach oben und unten schwanken darf. Dabei spielen sowohl der Schlusskurs des Vortags, aber auch politische Erwägungen eine Rolle. Die PBOC bekräftigte jedoch, dass die jüngste Abwertung marktgetrieben gewesen sei und das Land keine wettbewerbsorientierte Währungspolitik anstrebe.

Das Schlimme an der Eskalation: Die wirtschaftliche Rechnung muss der Wirtschaftskrieger im Weißen Haus nicht allein bezahlen, sondern sie trifft auch den Rest der Welt. „Der von Trump angezettelte Handelskrieg ist zerstörerisch. Er richtet sich nicht nur gegen China. Er trifft Freund und Feind gleichermaßen“, kritisiert der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet.

„Klar ist, dass die Unsicherheit weiter steigt. Die Volatilität auf den Devisen- und Rohstoffmärkten nimmt zu. Das belastet die Weltwirtschaft“, prophezeit auch IfW-Chef Felbermayr. EZB-Veteran Trichet warnt gar vor „katastrophalen Folgen“, sollte sich der Währungskrieg weltweit ausbreiten, und forderte einen Ordnungsruf der Europäer. Doch diese sind insgeheim froh, dass Trump sich derzeit mit China beschäftigt – und den Handelsstreit mit der EU nicht weiter eskaliert.

Die US-Konjunktur hat Trumps Mehrfrontenhandelskrieg bisher ohne größere Schäden überstanden. Allerdings blieb das Wachstum zuletzt deutlich hinter dem Ziel der Regierung zurück: Statt um mehr als drei Prozent legte die amerikanische Wirtschaft im zweiten Quartal nur um 2,1 Prozent zu. Die Folgen des Handelskriegs machen sich auch für die Verbraucher immer stärker bemerkbar.

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Anders als Trump behauptet, zahlen nicht die Chinesen die Zölle, sondern die US-Importeure, die diese dann an die Konsumenten weitergeben. Der Handelskrieg wirkt wie eine Steuererhöhung: Auf 100 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen sich die Zusatzlasten bisher. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Mehr: Nach der aktuellen Eskalation im Handelsstreit zeigt sich US-Präsident Donald Trump entgegenkommend. Dafür ist er auch zu Änderungen an den neuen Zöllen bereit.

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