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Eskalation im Irak Armee und Milizen rücken gegen Kurden vor

Vor drei Wochen haben sich die Kurden im Nordirak mit großer Mehrheit für die Unabhängigkeit ausgesprochen. Doch die Zentralregierung will eine Abspaltung nicht hinnehmen und setzt jetzt das Militär ein.
16.10.2017 Update: 16.10.2017 - 12:49 Uhr Kommentieren

Irakische Armee meldet Einnahme von Kirkuk

Bagdad Irakische Truppen haben im Konflikt um das kurdische Unabhängigkeitsreferendum mehrere bisher von Kurden kontrollierte Gebiete eingenommen. Sie rückten westlich der Großstadt Kirkuk auf eine Militärbasis vor und nahmen zudem das nahe gelegene Ölfeld Baba Gurgur ein, wie die irakische Armee am Montag mitteilte.

Aus lokalen Sicherheitskreisen hieß es, die Regierungskräfte seien auch in die Stadt Tus Churmatu südlich von Kirkuk eingedrungen. Dort habe es bei Kämpfen Tote und Verletzte gegeben.

Mit der von Ministerpräsident Haidar al-Abadi angeordneten Militäraktion reagiert Iraks Zentralregierung auf das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Norden des Landes. Diese hatten sich im September in einer Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit für die Abspaltung vom Irak ausgesprochen.

Bagdad lehnt das Referendum als verfassungswidrig ab, genauso wie die Nachbarn Türkei und Iran. Die Regierungen der drei Länder hatten bereits den Luftraum zu Iraks Kurdengebieten geschlossen. Die Türkei und der Iran befürchten Auswirkungen auf die Absetzbewegungen der kurdischen Minderheiten in ihren eigenen Ländern.

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    Al-Abadi erklärte, es sei seine Pflicht, die Verfassung und die Einheit des Landes zu schützen. Die Kurden hätten nicht auf Warnungen gehört und ihre eigenen Interessen über die des Iraks gestellt, während das Land gegen die IS-Terrormiliz kämpfe. Er rief die kurdischen Peschmerga-Kämpfer auf, sich unter die Führung der Zentralregierung zu stellen.

    Der Sicherheitsrat der kurdischen Autonomiegebiete im Norden des Landes erklärte, Iraks Armee und mit ihr verbündete schiitische Milzen hätten den Süden Kirkuks angegriffen. Dabei hätten sie militärische Ausrüstung der USA benutzt, darunter Panzer und gepanzerte Fahrzeuge. Die Peschmerga würden Kurdistan verteidigen.

    Die Provinz Kirkuk ist in dem Konflikt besonders umstrittenen, da die Region nach dem südirakischen Basra die ölreichste des Landes ist. Sowohl die Kurden als auch die Zentralregierung erheben Anspruch auf Kirkuk.

    Kurdische Peschmerga-Kämpfer hatten die Provinz vor mehr als drei Jahren unter Kontrolle gebracht, nachdem Iraks Armee vor dem Ansturm der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflohen war. Gegen den Willen der Zentralregierung ließ der kurdische Präsident Massud Barsani auch in Kirkuk über die kurdische Unabhängigkeit abstimmen.

    Iraks Regierungskräfte und die kurdische Peschmerga hatten bis vor Kurzem gemeinsam gegen den IS gekämpft. Sowohl Armee als auch Kurden sind Verbündete des Westens im Kampf gegen die Extremisten und erhalten von ihm militärische Unterstützung. Deutschland lieferte den Kurden die Panzerabwehrrakete „Milan“, Panzerfäuste, Sturmgewehre und Munition. Bundeswehrsoldaten bilden zudem Peschmerga-Kämpfer aus.

    Der Sprecher der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition, Ryan Dillon, rief alle Beteiligten auf, eine Eskalation zu vermeiden und den Kampf gegen die Terrormiliz zu beenden. Der IS sei für alle die größte Bedrohung, twitterte er.

    • ap
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