Establishment unter Druck In Athen drängt die Wut an die Macht

Am Sonntag können in Griechenland auch extreme Parteien mit Sitzen im Parlament rechnen. Jahrzehnte hatten sich Konservative und Sozialisten an der Macht abgewechselt. Damit ist Schluss - mit großen Folgen für Europa.
20 Kommentare
Eine Frau vor dem Wahlplakat der rechten Demokratischen Allianz. Quelle: dpa

Eine Frau vor dem Wahlplakat der rechten Demokratischen Allianz.

(Foto: dpa)

AthenAleka Papariga zeigt klare Kante: Raus aus der EU, zurück zur Drachme, Vergesellschaftung aller Produktionsmittel, Abschaffung des Parlaments, Diktatur des Proletariats. Mit diesem Programm, das aus Griechenland eine Art Nordkorea Europas machen soll, geht Papariga als Generalsekretärin der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) in die Wahl am kommenden Sonntag. Mehrheitsfähig sind solche Vorstellungen zwar in Griechenland noch nicht, aber die Meinungsforscher attestieren der KKE immerhin bis zu elf Prozent Stimmenanteil.

Wenn die Griechen am kommenden Sonntag wählen, entscheiden sie nicht nur über die Zusammensetzung des nächsten Parlaments. „Entschieden wird über den Weg Griechenlands in den kommenden Jahrzehnten“, mahnt der scheidende Übergangspremier Lucas Papademos. Auch der Athener Zentralbankchef Giorgos Provopoulos sieht das Land an einem „historischen Scheideweg“: es gehe um „einen Konsens über Griechenlands europäische Perspektive“.

Doch dieser Konsens liegt in weiter Ferne. Nicht nur die extreme Linke bekommt Zulauf. Auch Parteien wie die neonazistische Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) und die ultra-nationalistische Gruppierung Anexartiti Ellines (Unabhängige Griechen) stehen vor dem Einzug ins nächste Parlament. Dort werden, Umfragen zufolge, statt bisher fünf künftig zehn Parteien vertreten sein. Sieben von ihnen lehnen den Sparkurs ab, drei sind dezidiert Europa-feindlich.

Die Krise hat die griechische Parteienlandschaft verwüstet wie ein Tornado: die beiden traditionellen Volksparteien, Sozialisten und Konservative, die sich seit fast vier Jahrzehnten an der Macht abwechseln, konnten bei der Wahl vom Oktober 2009 noch fast acht von zehn Wählern an sich binden. In der letzten Sonntagsfrage kommen sie zusammen gerade mal auf 35 Prozent. Griechenland steht vor einer politischen Zeitenwende: mit der Wahl am Sonntag geht die Ära klarer parlamentarischer Mehrheiten zu Ende.

Nicht weniger als 36 Parteien werben um die Stimmen der Wähler. Vielleicht war auch deshalb in den letzten Umfragen fast jeder Fünfte unschlüssig, wie er am Sonntag wählen will. Auch Pavlos Peridis weiß noch nicht, welche Partei er ankreuzen soll. „Keine Ahnung“, sagt der 48-jährige Werftarbeiter und blickt ratlos in seine leere Kaffeetasse. Er ist arbeitslos, wie alle Männer, die an diesem Vormittag in dem Kaffeehaus am Ortsrand von Perama sitzen und die Zeit totzuschlagen versuchen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
„Terror des Volkes“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Establishment unter Druck - In Athen drängt die Wut an die Macht

20 Kommentare zu "Establishment unter Druck: In Athen drängt die Wut an die Macht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Man mus kein Wirtschaftsexperte ein, sondern nur ein 10tägiger Kulturtourist um zu erkennen, dass GR auch in den nächsten 20-30 Jahren nicht auf die wirtschafliche Stärke von z.B. D,NL,L,A,GB aufholen kann. Die Griechen haben seit ihrer Staatsgründung im 19.Jh. nicht verstanden worum es geht und wie man haushaltet, der GAU ist heute unvermeidlich.

  • Griechenland steht eine sehr harte Zeit bevor - mit oder ohne Euro. Die Frage ist nur, bleiben die Griechen im Euro und lassen sich bis zum St.Nimmerleinstag bevormunden oder treten sie aus, werten ihre Währung ab und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand.
    Ich bin der Meinung, Griechenland kann im Euro niemals wettbewerbsfähig werden.

  • Liebe Forumsnutzer,

    bitte werden Sie nicht beleidigend und bleiben Sie sachlich. Ansonsten sehen wir uns gezwungen, vermehrt Kommentare zu editieren und gegebenenfalls zu löschen.

  • Können Pasok und ND ihre bisherigen Gefolgsleute samt Dank Euro verschafften Arbeitsplatz / Einkünfte halten ?

    Die Drohung zur Umsetzung der Troikareformen könnte sehr viele in weitere Gauklerparteien treiben.
    Es gilt Griechenland und den Unmut aufmerksam zu verfolgen.
    Wie reagieren verstädterte, zudem oftmals bis Oberkante verschuldete Menschen bei rasant wachsenden Verlust von Arbeitsplatz und Einkuenfte.
    Dabei kann die griechische Stadtgesellschaft immer noch auf ihre Verwandtschaft bzw Latifundien auf dem Lande zurückgreifen.
    Dass der Schuldenschnitt nicht ausreicht und nur Zeitgewinn im Raum steht, ist ja jeden unbedarften HB-Beobachter klar. Dass kein Grieche auf Einkommen verzichten will, ist auch verständlich.

    Würde HB mal anraten, sich mit den in Griechenland etablierten albanischstaemmigen Bauarbeitern aus Südalbanien zu beschaeftigen ( mehrere Hunderttausende mit Kindn und Kegel ), Auswirkungen auf Albanien bei fehlenden Transferüberweisungen oder mit den Hilfskräften aus Bulgarien/ aufgenommene Flüchtlinge.
    Diese zuletzt erwähnte Problematik wirft nach meiner Meinung allerdings kein gutes Licht auf unsere historischen "Vorzeigedemokraten".
    Cafebargesschichten sind zwar immer lesenwert, aber jetzt mal Butter zum griechischen Catfisch.

  • "Auch Pavlos Peridis weiß noch nicht, welche Partei er ankreuzen soll. „Keine Ahnung“, sagt der 48-jährige Werftarbeiter und blickt ratlos in seine leere Kaffeetasse."
    Na, da hat er doch reichlich Zeit zum Studium der Inhalte der Parteiprogramme der Parteien, die ihm die Demokratie, die Freiheit und den Wohlstand mit einem Arbeitsplatz sichern bzw. zurück bringen werden!
    Mit diesem Europa der Versklavung und Entrechtung der Völker MUSS SCHLUSS sein!

  • Die Wut steigt doch mittlerweile in jeden Euroland. Griechenland ist mit der Wut lediglich am weitesten fortgeschritten. Sollte der Euro am Wahlergebnis in Griechenland zerbrechen, ist mir persönlich das sehr recht.

    Das der Euro so nicht funktionieren kann, wurde schon vor der Einführung von vielen Ökonomen erklärt, was aber kein Politiker hören wollte. Aber der Euro ist nicht das einzige Problem. Was ich wesentlich bedenklicher finde, ist die immer größer werdende Macht, die von Brüssel ausgeht und die Intransparenz mit der dort geschaltet und gewaltet wird.

    Ich bin keine Europahasser, aber diese EU ist mir zu tiefst zuwider.

  • Ach, beim Zeus! Sie gibt es doch gar nicht. Sie sind eine bloße Erfindung der Redaktion, damit die Klickquote steigt. Sie sind ein armes Pneuma.

  • @Beim_Zeus

    " ...Hasstiraden... ": so schnell wird aus kritik hass und damit quasi ein 'hassverbrechen' was kommt als nächstes gesinnungspolizei?

    gehts noch?

  • Pasok und Nea Demokratia haben das Land auf Pasis einer bewusst als Ponzi-System ausgelegten EU das Land in die finanzielle via Merkel nun in die wirtschaftliche Katastrophe geschickt. Verständlich, dass die Menschen sich nun nach besseren Alternativen umschauen. Ein sozialistischer Ruck täte dem Land nun sicher gut.

  • Griechenland gehört einfach nicht zu Europa. Das erkennt man schon an der Schrift. Die griechische Gesellschaft wird von Oligarchen und der orthodoxen Kirche beherrscht. Es gibt keine Flexibilität und keine Neigung Veränderungen wahrzunehmen. Selbst Albaner sind geschickter und bauen auf; sie werden Griechenland als nächstes überholen, von den Türken ganz zu schweigen. Diese haben wenigstens die lateinische Schrift eingeführt. Griechenland kehre endlich zur Drachme zurück und quäle den Rest von Europa nicht mit einer desolaten Wirtschaft!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%