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EU-Austritt „Ein No Deal wäre der beste Deal für Großbritannien“

Der Ökonom Patrick Minford hat die Brexit-Hardliner geprägt. Für den EU-Austritt würde er den Verlust von Hunderttausenden Arbeitsplätzen in Kauf nehmen.
6 Kommentare
Brexit-Vordenker: „No Deal wäre der beste Deal“ Quelle: i-Images / Polaris/laif
Brexit-Befürworter heben Plakate in die Luft

„No Deal? No Problem“ und „Believe in Britain“ steht auf den Plakaten.

(Foto: i-Images / Polaris/laif)

London Der grauhaarige Herr mit Brille lehnt sich entspannt zurück und breitet seine Arme über die Nachbarsitze aus. Eine halbe Stunde hat Professor Patrick Minford damit zugebracht, dem Außenpolitischen Ausschuss des britischen Parlaments zu erklären, warum Großbritannien unbedingt die EU verlassen sollte.

Ein Mitglied des Ausschusses will wissen, ob er richtig verstanden habe: Der Professor schlage einen EU-Ausstieg vor, der dazu führen würde, dass die britische Automobilindustrie ausgelöscht werde? Minford bejaht: „Wir werden die gesamte Industrie abwickeln müssen. Es wird in unserem Interesse sein, dies zu tun. So wie wir es mit der Kohle- und Stahlindustrie getan haben.“

Die Anhörung, in der Professor Patrick Minford diese bemerkenswerten Sätze gesagt hat, fand bereits 2012 statt. Seitdem hat der Wirtschaftsprofessor in unzähligen Schriften, Zeitungskolumnen, Vorträgen und Interviews seinen radikalen Ansatz propagiert.

Vor allem der harte Kern der Brexit-Fraktion innerhalb der konservativen Regierungspartei beruft sich auf seine Studien. Auch der neue Premierminister Boris Johnson hat dessen Vorträge besucht.

Im Gegensatz zu den meisten Ökonomen ist Minford der Meinung, dass ein No-Deal-Brexit – ein Ausscheiden der Briten ohne Abkommen – vor allem Vorteile für das Vereinigte Königreich hätte. Seine Einschätzungen liefern damit den ökonomischen Unterbau für Johnsons Strategie, den No Deal als akzeptables Verhandlungsergebnis zu akzeptieren.

Einer größeren Öffentlichkeit wurde Minford Anfang der 1980er-Jahre bekannt. Damals war er Mitarbeiter des traditionsreichen National Institute of Economic and Social Research (NIESR).

Der Ökonom will sich auf positiven Effekte des Brexit fokussieren. Quelle: ddp/INTERTOPICS/Empics/Matt Crossick
Patrick Minford

Der Ökonom will sich auf positiven Effekte des Brexit fokussieren.

(Foto: ddp/INTERTOPICS/Empics/Matt Crossick)

Und er verteidigte vehement die Wirtschaftspolitik von Margaret Thatcher gegen die Kritik zahlreicher anderer Ökonomen. Nachdem er sie in einem Artikel in der „Times“ öffentlich in Schutz genommen hatte, bedankte sich Thatcher zunächst mit einem Brief, dann mit einem Posten als Berater.

Als Verfechter des Freihandels und der freien Marktwirtschaft beriet er während seiner Karriere unterschiedliche britische Regierungen. Lange Zeit hatte er den Lehrstuhl für angewandte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Cardiff inne. 1997 emeritierte er.

Inzwischen ist er Vorsitzender des Vereins „Economists for Free Trade“, dem unter anderem der Unternehmer James Dyson sowie der Tory-Abgeordnete und Brexit-Wortführer Jacob Rees-Mogg angehören.

Zusätzliches Wachstum

Minford schlägt Warnungen vor schweren Zeiten nach dem Brexit in den Wind – seinen Prognosen zufolge kann das Vereinigte Königreich nach einem EU-Ausstieg vielmehr mit einem kräftigen Wachstumsschub rechnen.

Dazu beitragen sollen neue Freihandelsabkommen mit Ländern außerhalb der EU, der Wegfall der EU-Handelsregularien, das Ende der Unterstützung für unausgebildete Migranten aus der EU und die Ersparnis des britischen Beitrags zum EU-Budget. Minford rechnet damit, dass das britische Bruttoinlandsprodukt durch den Brexit innerhalb von zehn Jahren um zusätzliche sieben Prozent wächst.

Außerdem sagen Brexit-Hardliner, dass Großbritannien ohne ein Brexit-Abkommen auch keine Austrittsrechnung an die EU begleichen müsste. Das würde weitere 39 Milliarden Pfund sparen – ein schöner Bonus obendrauf. Unter dem Strich, berechnet Minford, komme so eine Summe von 650 Milliarden Pfund zusammen.

Das britische Finanzministerium, die OECD und die Mehrheit der Ökonomen sind sich einig, dass der Brexit die Wirtschaft hart treffen wird. Sie alle betrachten die positiven Effekte nicht ausreichend, argumentiert Minford.

Dabei bestreitet der Ökonom gar nicht, dass ganze Wirtschaftszweige wie die Automobilbranche oder die Landwirtschaft zusammenbrechen würden. Immerhin gehen ihnen wichtige Absatzmärkte verloren.

Doch das sei unproblematisch. Den Wegfall Hunderttausender Arbeitsplätze sieht Minford als Teil eines notwendigen Strukturwandels, der in kürzester Zeit durch die Vorteile des Freihandels aufgefangen werde. Die britische Wirtschaft sei in der Lage, ihre Produktivität schnell zu steigern. In einer Übergangsphase könnten Ausgleichszahlungen den Landwirten helfen.

Sein Joker ist ein schnelles Freihandelsabkommen mit den USA
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6 Kommentare zu "EU-Austritt: „Ein No Deal wäre der beste Deal für Großbritannien“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • sind die Damen vorneweg gekauft/bestellt?

  • Vielleicht ist es ja tatsächlich der Impuls für seine Demokratie, den dieses Land braucht, um sich zu erneuern und sich auch gegenüber dem Partner jenseits des Atlantik durchzusetzen: ein Impuls, der vor vier Jahren bei uns nicht zünden wollte. Good luck and success!


  • Warum ist Großbritannien ganz klar im Vorteil?
    Weil Englisch DIE Weltsprache ist.
    Wenn das UK nicht den verheerenden Fehler wie insbesondere Deutschland macht, und zukünftig nur noch kontrollierte Einwanderung zulassen würde, sähe es sogar richtig, richtig gut aus.
    Das UK kann tatsächlich benötigte Fachkräfte nicht nur aus seinen ehemaligen Kolonien rekrutieren, sondern aus fast der ganzen Welt - weil nämlich fast die ganze Welt Englisch spricht.
    Deutschland dagegen bekam es vor einiger Zeit nicht einmal auf die Reihe, Computerspezialisten zu rekrutieren, was dann auch noch zu der irren (und heute garantiert als rassistisch eingestuften) "Kinder-statt-Inder"-Kampagne führte.
    Warum sollten Inder Deutsch lernen, wenn sie im UK genauso gut Arbeit finden?
    Ach ja, nicht das Deutschland es alleine abbekommt:
    "Lieber" Macron, Deine "Grande Nation" ist auch keine mehr. Zwar hattet Ihr weitaus mehr Kolonien als Deutschland, und daher gibt es heute noch mehr Frankophone als Deutschsprachige, aber Ihr seid auf dem komplett absteigenden Ast.
    Die Welt spricht Englisch (und zunehmend Chinesisch) - und eben auch aus diesem Grund wird die EU abgehängt...

  • Es wird ein boeses Erwachen fuer die EU geben. Nach einer kurzen Phase der Schwaeche, wird Grossbritanien wirtschaftlich an der EU vorbei ziehen, weil sie im Gegensatz zur EU den Sozialismus ablehnen und markwirtschaftlichen Prinzipien folgen. Die EU-Buerger werden seit Jahren medial mit Luegen und sozialistischer Ideologie gefuettert. Bald wird George Orwells "Farm der Tiere" in der EU verboten werden, denn das ist das worauf die EU-Buerger zusteuern.

    Zu uebertrieben? Bitte meinen Komentar in 10 Jahren noch einmal lesen!

  • Und Trump will keine Partner sondern Gefolgschaft. Das wird ein böses Erwachen für die stolzen Engländer.

  • Und Trump will keine Partner sondern Gefolgschaft. Das wird ein böses Erwachen für die stolzen Engländer.

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