EU-Austritt Warum Irland Angst vor dem Brexit hat

Die Stimmung zwischen Nordirland und Großbritannien ist gut – auch dank der EU. Doch die Brexit-Pläne von Premier David Cameron schüren Sorgen bei seinem irischen Amtskollegen Enda Kenny.
Der Austritt Großbritanniens aus der EU hätte auch Folgen für Irland. Quelle: dpa
EU und Großbritannien

Der Austritt Großbritanniens aus der EU hätte auch Folgen für Irland.

(Foto: dpa)

LondonNoch vor wenigen Monaten hat es Irlands Premier Enda Kenny bei werbenden Worten belassen, als er bei einem Besuch in London über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union (EU) sprach. „Großbritanniens Mitgliedschaft in der EU ist gut für Irland, aber auch in Großbritanniens ureigenem Interesse“, sagte Kenny Ende vergangenen Jahres bei einer Veranstaltung des britischen Arbeitgeberverbands CBI.

Anfang dieser Woche war Kenny erneut in London und hat ein Treffen mit dem britischen Premier David Cameron genutzt, um mit viel deutlicheren Worten vor einem Austritt Großbritanniens aus der EU zu warnen: Auf Nordirland kämen dann massive Schwierigkeiten zu, der Friedensprozess könnte beschädigt werden, so Kenny. Politische Spannungen könnten erneut aufflammen, wenn es nach dem EU-Austritt Großbritanniens mehr Grenzkontrollen zwischen Nordirland und Irland gebe.

Cameron will die Briten bis spätestens Ende 2017 darüber abstimmen lassen, ob sie weiter Teil der EU bleiben wollen. Er ist zwar dafür, knüpft das aber an eine Reihe von Zugeständnissen aus Brüssel. Besonders umstritten ist seine Forderung, dass Einwanderer aus EU-Staaten erst nach vier Jahren auf der Insel einen Anspruch auf Sozialleistungen haben sollen.

Bereits beim EU-Gipfel im Februar könnte es eine Einigung zwischen den Beteiligten geben. Das Referendum in Großbritannien könnte dann frühestens im Juni folgen.

In Irland wären die Folgen des EU-Austritts Großbritanniens, des so genannten Brexit, aber nicht nur an der Grenze zu Nordirland spürbar. Ökonomen warnen auch vor wirtschaftlichen Folgen. Sie könnten äußerst signifikant ausfallen, wenn sich die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU nach einem Brexit dramatisch änderten und Handelsschranken errichtet würden, schreiben Analysten des Dubliner Brokerhauses Davy in einer Studie.

Vor erhebliche Handelseinbußen, höhere Energiepreisen sowie langfristig geringeren Investitionen aus Übersee warnen auch Experten des irischen Wirtschaftsforschungsinstituts Esri. Vor allem Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, die ihre Produkte im stärkeren Maße als andere nach Großbritannien exportieren, würden leiden, heißt es in der Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Esri-Studie. Die Experten des Wirtschaftsforschungsinstituts sagen voraus, dass die Handelsströme zwischen beiden Staaten um bis zu 20 Prozent zurückgehen könnten.

„Der Geist ist aus der Flasche“
Britain's opposition Labour Party leader Ed Miliband speaks on the BBC's Andrew Marr Show in London
1 von 11

Der britische Oppositionsführer Ed Miliband hat das geplante EU-Referendum von Premierminister David Cameron als „riesiges Glücksspiel“ bezeichnet. Die Pläne führten das Land in „Jahre der Unsicherheit“, sagte Labour-Chef am Mittwoch in der Fragestunde im Parlament. Cameron habe „Angst“ vor seiner Partei und habe sich von den Europakritikern zu der Referendums-Ankündigung zwingen lassen. Dabei sei er nicht dem nationalen Interesse gefolgt. Miliband rief den Premier auf, sich dafür einzusetzen, dass eine Abstimmung mit einem Ja zu Europa enden werde. Labour sei klar gegen ein Ja- oder Nein-Referendum.

Britain's Prime Minister, David Cameron, listens to Deputy Prime Minister, Nick Clegg, at a news conference in 10 Downing Street in central London
2 von 11

Selbst in der eigenen Koalition trifft Cameron nicht auf viel Rückendeckung. Sein Vize-Premier Nick Clegg von den Liberaldemokraten sieht vor allem die Unsicherheit des Referendums: „Viele Jahre der Unsicherheit wegen einer sich hinziehenden und nicht klar definierten Neuverhandlung unseres Platzes in Europa liegen nicht im nationalen Interesse, da sie Wachstum und Arbeitsplätze kostet.“

Britain's United Kingdom Independence Party (UKIP) leader and member of the European Parliament Farage arrives at Millbank studios for a series of interviews in central London
3 von 11

Nigel Farage, Chef der United Kingdom Independence Party (UKIP), begrüßt die Rede Camerons: „Der Geist ist aus der Flasche. Das Argument für einen britischen Austritt lässt sich nicht mehr an den Rand drängen.“

Benins Präsident bei Kanzlerin Merkel
4 von 11

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach der Forderung Großbritanniens nach einer Neuverhandlung seiner EU-Mitgliedschaft grundsätzlich Gesprächsbereitschaft mit London signalisiert. Letztlich gehe es in Europa darum, "faire Kompromisse zu finden", sagte Merkel am Mittwoch an der Seite des Staatschefs von Benin, Thomas Boni Yayi, in Berlin. "In diesem Rahmen sind wir natürlich bereit, auch über britische Wünsche zu sprechen", sagte sie. Letztlich müsse aber darauf geachtet werden, "dass andere Länder auch andere Wünsche haben".

Bundeskabinett
5 von 11

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat Großbritannien vor der Forderung nach weiteren Ausnahmeregelungen innerhalb der EU gewarnt. "Nicht alles muss in Brüssel und von Brüssel geregelt werden, eine Politik des Rosinenpickens wird aber nicht funktionieren", sagte Westerwelle am Mittwoch.

Sweden's Foreign Minister Bildt addresses a news conference in Brussels
6 von 11

Auch die Stimmen aus Skandinavien sind skeptisch. „Flexibilität hört sich gut an, aber wenn man ein Europa der 28 Geschwindigkeiten einläutet, wird es am Ende des Tages kein Europa mehr geben, sondern nur noch ein großes Durcheinander.“, sagt der schwedische Außenminister Carl Bildt.

Dutch Foreign Minister Timmermans arrives at a NATO foreign ministers meeting in Brussels
7 von 11

Die Niederlande stimmten den Reformforderungen des britischen Premiers David Cameron in vielen Punkten zu, erklärte Außenminister Frans Timmermans in Den Haag. „Doch die EU reformiert man von innen heraus und nicht durch Weglaufen.“ Das angekündigte Referendum nannte der sozialdemokratische Minister eine „britische Angelegenheit“.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • slo
  • rtr
Startseite

Mehr zu: EU-Austritt - Warum Irland Angst vor dem Brexit hat

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%